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Komponist

Werke in der Edition Dohr

Johann Pachelbel

Johann Pachelbel

Johann Pachelbel, getauft am 1. September 1653 in Nürnberg, ist heute als Komponist von einer großen Gruppe vielbeachteter Orgelwerke und des hier in einer von allen Herausgeberzutaten entschlackten Urtextausgabe vorgelegten, weltberühmten Stücks „Canon und Gigue“ bekannt. Nach seiner Ausbildung in Nürnberg und Regensburg begann Pachelbel seine Organistenkarriere als Hilfsorganist an St. Stephan in Wien (1673). 1677 finden wir ihn als Hoforganisten in Eisenach, wo er mit Johann Sebastian Bachs Vater Johann Ambrosius befreundet war und Bachs ältester Bruder Johann Christoph zu seinen Schülern zählte. Besonders bedeutsam war Pachelbels Tätigkeit an der Predigerkirche in Erfurt in den Jahren 1678 bis 1690. Dann ging er als Hoforganist nach Stuttgart, schon 1692 als Stadtorganist nach Gotha und schließlich 1695 als Organist von St. Sebaldus nach Nürnberg. Hier beschloss der Tod am 3. März 1706 seinen Lebensweg.

Die Wiederentdeckung des Werkes von Johann Pachelbel begann 1901, als Max Seiffert in dichter Folge Klavier- und Orgelwerke in den Denkmälern der Tonkunst Österreichs (DTÖ 17, 1901) und den Denkmälern der Tonkunst Bayerns (DTB 17, 2/18, 4/1) herausbrachte. Das ebenfalls bereits 1905 von Herausgeber Seiffert mit einer Publikation bedachte Kantaten-Schaffen von Johann Pachelbel blieb für Jahrzehnte wenig beachtet – erst die jüngste Zeit hat den Blick wieder auf diese Vokalwerke gelenkt. Max Seiffert war es schließlich auch, der im Jahre 1929 beim Musikverlag Kistner & Siegel in Leipzig „Canon und Gigue“ (Reihe III, Heft 24, der Reihe „Organum“) herausbrachte, ein Stück, das in kürzester Zeit zu einem wahren „Schlager“ im Musikleben und fast zum Synonym für „Barockmusik“ wurde: 1962 konnte der Verlag bereits die sechste Auflage vermelden.

Max Seiferts Ausgabe war ausdrücklich als „Bearbeitung“ gekennzeichnet. Die Reihe Organum vereinigte „Ausgewählte ältere vokale und instrumentale Meisterwerke, kritisch durchgesehen und zum praktischen Gebrauch herausgegeben unter Leitung von Max Seiffert“. Seiffert verweist im viereinhalbzeiligen Vorwort auf seine Quellen: „Eine alte Stimmkopie des für das Kanonspiel ausgezeichnet geeigneten Stückes besitzt die Staatl. Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin-Charlottenburg (H. 8332). Den Urtext bietet das „Archiv für Musikwissenschaft“ I S. 271 (G. Beckmann).“ Diese Sätze beweisen, dass der Begriff „Urtext“ durchaus schon in Zeiten bekannt und in Gebrauch war, in denen „praktische“, vom Bearbeiter für die Interpreten eingerichtete Ausgaben, die heute – im „Zeitalter des Urtextes“ – als verpönt gelten, noch den Markt bestimmten.

Seifferts Organum-Ausgabe ist nach Art der Notationspraxis der Spätromantik intensiv und durchgängig mit Dynamik-, Phrasierungs-, Tempo- und Artikulationsangaben ausgestattet. So empfiehlt Seiffert für den Canon ein Tempo von Viertel = 56 ("Sostenuto“) und für die Gigue ein Tempo von pkt. Viertel. = 100 („Scherzando“). Die vorige Ausgabe geht wieder – in aller Purheit – auf den Beckmannschen Urtext zurück. Die getilgten Seiffertschen Zugaben sind im Rahmen der Interpretation individuell zu erarbeiten. Die in dieser Ausgabe hinzugefügte rechte Hand der Cembalo-Stimme ist dabei im Urtext nicht vorhanden – und sicherlich in der praktischen Ausführung nicht in dieser Monotonie zu spielen, sondern dem Verlauf des Canons angemessen zu variieren.

Die vorliegende Ausgabe entstand auf Wunsch des Ehrenfelder Kammerorchesters (Leitung: Joseph Gieling) im Sommer 2005.

Ahe, 1. Juli 2006
Christoph Dohr

  • Canon und Gigue für drei Violinen und Basso continuo (Urtext). Partitur und Stimmen
    (3/3/3/3-Orgel)
    ISMN M-2020-1230-7
    EURO 15,80

Bearbeitung

  • Kanon und Gigue, für drei Gitarren bearbeitet von Oliver Eidam. Partitur und Stimmen
    ISMN M-2020-1983-2
    EURO 12,80
aktualisiert Montag, 8. August 2011
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