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Erich Reimer, geboren 1940 in Menden (Sauerland), studierte Musikwissenschaft und Germanistik sowie Schul- und Kirchenmusik in Freiburg i. Br., promovierte 1969, war 1970 bis 1976 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Handwörterbuch der musikalischen Terminologie, 1976 bis 1980 Dozent und 1980 bis 1986 Professor für Musikgeschichte an der Universität Gießen, wo er sich 1986 habilitierte. 1991 bis 2005 Professor für Historische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik Köln. Lebt im Ruhestand in Staufenberg bei Gießen.
Aufsatz
- Zur Szenengestaltung in Mendelssohns "Paulus", in: Bernd Heyder und Christoph Spering (Hgg.): Blickpunkt Felix Mendelssohn Bartholdy.
mit Beiträgen von Alphons Silbermann, Wulf Konold, Peter Ward Jones, Christina Siegfried, Arnd Richter, Bernd Kortländer, Christoph Spering, Bernd Heyder, Erich Reimer und Thomas Gebhardt.
149 S., 34 Abb.; brosch.
ISBN 3-925366-36-9
EURO 9,80
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Bücher
- Musicus und Cantor. Beiträge zur Gattungs- und Sozialgeschichte der Musik vom Mittelalter bis zur Gegenwart (= musicolonia, Bd. 2)
ISBN 978-3-936655-53-7
EURO 24,80
Der erste Beitrag der vorliegenden Aufsatzsammlung - Musicus und Cantor - kann sowohl in inhaltlicher als auch in methodischer Hinsicht als "Leitartikel" verstanden werden: Die in ihm behandelte, für die westeuropäische Musikkultur seit dem Mittelalter grundlegende Forderung nach theoretischer Fundierung der musikalischen Praxis kehrt in den weiteren, auf spätere Epochen bezogenen Beiträgen in veränderter Form wieder. Methodisch werden die dargestellten Entwicklungen des Musicus-Cantor-Lehrstücks nicht "im Sinne einer die Praxis ignorierenden Ideengeschichte", sondern "vor dem Hintergrund unterschiedlicher sozialer Kontexte und daraus resultierender Motivationen" interpretiert.
Die vierzehn Beiträge entstanden zwischen 1971 und 2004 und führen in ihrer Abfolge den Leser durch die Sozialgeschichte der Musik in Verbindung mit Einblicken in die Geschichte einzelner musikalischer Gattungen.
Die Ritornell-Arien der Weimarer Kantaten (1714-1716) nehmen in Bachs Vokalwerk insofern eine Schlüsselstellung ein, als Bach in ihnen seine spezifische Technik des "Vokaleinbaus" entwickelte. Ausgangspunkt hierfür war die Idee, das Ritornell, das heißt das instrumentale Vorspiel der Arie, nicht nur als Zwischen- und Nachspiel zu wiederholen, sondern auch als Begleitsatz der Singstimme zu verwenden, indem die Singstimmenpartie in einen vom Ritornell übernommenen Rahmensatz "eingebaut" wurde. In den so konzipierten Arien erweist sich der Konzertmeister des Weimarer Hofes als äußerst einfallsreicher Komponist, der in jeder Arie einen anderen Zusammenhang zwischen Ritornell und Singstimme ausführte. Grundlegend für die unschematische Gestaltung war darüber hinaus die Tendenz, Wiederholungen von Vokal-Abschnitten auf anderer Tonstufe nicht nur melodisch zu variieren, sondern auch zu verlängern oder zu verkürzen. Dieser Befund widerspricht der vor allem von Beiträgen zu Bachs Zahlensymbolik nahe gelegten Vorstellung, Bach habe in seinen Kompositionen stets größten Wert auf exakte Proportionen der formalen Anlage gelegt. Die Weimarer Ritornell-Arien lassen demgegenüber einen kompositorischen Ansatz erkennen, in dem regelmäßige Entsprechungen zwischen zwei Abschnitten bewusst vermieden wurden, um einen nicht schematischen, dafür umso nachdrücklicheren Textvortrag zu erzielen.
Die vorliegenden Untersuchungen zu Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorien Paulus und Elias zeigen erstmals in ausführlicher Darstellung, dass die Bearbeitung der zugrunde liegenden Bibeltexte ein integrierender Bestandteil von Mendelssohns Schaffensprozess gewesen ist. Denn anders als von Mendelssohn geplant, wurde bei beiden Oratorien nicht der bei einem Freund in Auftrag gegebene Text, sondern die eigene Auseinandersetzung mit den Bibeltexten zur Grundlage für die kompositorische Gestaltung. Indem die Untersuchungen bei Mendelssohns Textbearbeitung ansetzen und davon ausgehend seine Textvertonung behandeln, erschließen sie den Zusammenhang zwischen textlicher und musikalischer Szenengestaltung und ermöglichen dem Leser, den Weg vom biblischen Grundtext zur ausgeführten Oratorienszene nachzuvollziehen. Mendelssohns Oratorien erweisen sich so als Ergebnis einer produktiven Aneignung der biblischen Überlieferung. Beispielhaft hierfür ist die Volksszene des Regenwunders im Elias, der ein Bibeltext zugrunde liegt, in dem das Volk nicht vorkommt.
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