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Joachim Herz wurde am 16. Juni 1924 in Dresden geboren. An der dortigen Musikhochschule absolvierte er ein Kapellmeister-Studium, studierte Opernregie (Heinz Arnold) und an der Humboldt-Universität Musikwissenschaft. 1953 kam er an die Komische Oper Berlin, wo er bis 1956 Schüler und Assistent Walter Felsensteins war. 1959 wurde Herz Operndirektor in Leipzig. 1976 wurde er als Nachfolger Felsensteins Intendant und Chefregisseur an der Berliner Komischen Oper. 1981 schließlich wurde Herz Chefregisseur an der Dresdner Staatsoper; diesen Posten hatte er bis 1991 inne. Joachim Herz starb am 18. Oktober 2010.
Bis unmittelbar vor seinem Tod hat Joachim Herz an einer Ausgabe seiner Schriften zum Musiktheater gearbeitet. Diese Edition "letzter Hand", deren Redaktion er noch selbst abschließen konnte, enthält Texte vor allem zu jenen Werken, die er an den Zentren seines künstlerischen Wirkens, den Opernhäusern in Leipzig, Berlin und Dresden, inszenierte und auch in Salzburg, Wien, London oder Buenos Aires herausbrachte.
Band 1
Neben dramaturgischen Arbeiten insbesondere zu den Opern von Händel, Mozart und Beethoven finden sich im ersten Band die wichtigsten Materialien zu Joachim Herz‘ Wagner-Deutungen, mit denen er die Bayreuther Interpretationen dieser Musikdramen, zumal des "Ring des Nibelungen", um Jahre vorwegnahm. Die Reflexionen aus der unmittelbaren Theaterarbeit ergänzen zahlreiche Glossen zu aktuellen Inszenierungen, mit denen Joachim Herz Opernaufführungen bis in die jüngste Zeit kritisch begleitete und oft launig kommentierte.
Band 2
"Es ist das Recht der Autoren, im Bilde zu sprechen, eine Epoche zu wählen, die für sich selbst schon eine Aussage in sich trägt. Verbürgtes und Erdachtes weiten sich zum Kosmos einer Phantasiewelt. Gespeist aus dem Erleben der Autoren. Ob es ihn heute noch betrifft, mag der Zuschauer entscheiden." (Joachim Herz)
Weder "Traumfabrik" noch "Opernmuseum", erforderte Musiktheater, wie Joachim Herz es verstand, eine sorgfältige Auseinandersetzung mit dem historischen Material, um das Potential an Tragik und Utopie, das großen Bühnenwerken innewohnt, aufzuzeigen. Romantik und Realismus erscheinen dabei nicht als Gegensätze, sondern als zwei Seiten einer Medaille, der das "Prinzip Hoffnung" eingeprägt ist.
Der zweite Band der Schriften von Joachim Herz enthält ausgewählte Texte zu Schlüsselwerken des Musiktheaters, zu Opern von Verdi und Puccini, zur russischen und tschechischen Oper der Jahrhundertwende, zu Alban Berg wie insbesondere zu Richard Strauss: jenem "Dresdner" Opernkomponisten, dem Joachim Herz sich besonders verbunden fühlte. Herz’ Inszenierungen von "Salome" und des "Rosenkavalier" markieren zentrale Stationen der Interpretationsgeschichte weit über den Ort ihrer Uraufführung hinaus.
Band 3
"Die Krux des Musiktheaters ist die Musik. Eine Opernaufführung beginnt in dem Moment, da der Dirigent den Taktstock senkt, und sie läuft in der Tat es ist gespenstisch bis zum Ende, auch wenn sich auf der Bühne nichts tut, wenn nichts gedacht wurde, wenn keine Figur, keine Geschichte deutlich wird, wenn sich nicht der Hauch einer Botschaft vermittelt, wenn es um nichts geht als um bloße Töne." (Peter Konwitschny)
Zu dem, was die DDR überdauert, gehört die Konzeption des Musiktheaters, wie es Walter Felsenstein entwarf und wie es Joachim Herz in Berlin, vor allem aber in Leipzig und Dresden weiterentwickelte. Ideologisch nur darin, dass es frei war von Ideologien und vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Regime, war das Ziel seiner Regiearbeiten der "erfüllte Augenblick": jener Moment, in dem der Wahrheitsgehalt großer Kunst eine "konkrete Utopie" (Ernst Bloch) aufscheinen ließ.
Von der Suche nach solchen "Augenblicken" erzählt Joachim Herz im letzten Band seiner Schriften: ein Bericht über das Arbeiten als Regisseur in der DDR (und keineswegs nur dort), zugleich eine Summe seiner Erfahrungen mit dem Musiktheater und eine Reminiszenz an jene Komponisten, die sich mit ihm auf den Weg machten. Dass Biographie und Musikgeschichte hier nicht selten konvergieren, ist gewiss kein Zufall.
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- Oper mit Herz. Das Musiktheater des Joachim Herz, herausgegeben von Michael Heinemann und Kristel Pappel
- Band 1: Von der Barockoper zum Musikdrama. 360 S., Notenbeispiele, Register, Hardcover
ISBN 978-3-936655-92-6
EURO 34,80
(Inhalt)

(Cover anklicken zum Vergrößern)
- Band 2: Zwischen Romantik und Realismus. 296 S., Notenbeispiele, Register, Hardcover
ISBN 978-3-936655-93-3
EURO 29,80
(Inhalt)

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- Band 3: Musiktheater in der Gegenwart. Mit einem Geleitwort von Peter Konwitschny. 392 S., Notenbeispiele, Register, Hardcover
ISBN 978-3-936655-94-0
EURO 34,80
(Inhalt)

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Pressestimmen
(zu Band 2 und 3)
"[...] Herz präsentiert sich gerade in den Verdi-Ausführungen als gewissenhafter, ja pedantisch genauer Dramaturg und Kenner der Stücke. Besonders interessant ist jedoch sein Vortrag über 'Verdi in der DDR', den er im Jahre 2001 an der Universität Duisburg gehalten hat, eine Art subjektives Fazit dreier Generationen von DDR-Regisseuren in Sachen Verdi, von Walter Felsenstein bis Peter Konwitschny [...] Joachim Herz hat sich in ungeheurem Fleiß und beispielhafter philologischer Gewissenhaftigkeit im Umgang mit Partituren zu einem der führenden Regisseure des DDR-Theaters entwickelt und in Dresden, Leipzig und Berlin Maßstäbe gesetzt. [...] Unter den sorgsam edierten und bestens kommentierten, mit Anmerkungen, Inszenierungsverzeichnis, Besetzungslisten und Register versehenen Texten von Joachim Herz sind ohne Frage theatergeschichtlich bedeutende Texte. Andere wiederum, auch seiner Werkinterpretationen gewinnen dem heutigen Leser aufgrund nicht zu überlesender DDR-ideologischer Untertöne eher ein Lächeln ab. [...]. Doch seine tief reflektierten Bekenntnisse zum Werkbegriff, zur Achtung vor den Stücken, zu narrativer, für den Zuschauer verständlicher Erzählweise auf dem Musiktheater, zu Oper als ernst zu nehmender Realität des singenden Menschen sind respektgebietend. Gerade heute möchte man so manchem angehenden Opernregisseur die Lektüre dieser Texte wärmstens empfehlen." (Dieter David Scholz, Buchbesprechung auf DLF, 16. Januar 2012)
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