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Verlag Christoph Dohr Köln

aktualisiert
Montag, 11.01.2016 9:06

Komponist

Reinhold Birk

Reinhold Birk
 

Vita

*17. September 1923 in Stuttgart. Debut als Solopianist (Mozart: Krönungskonzert) mit 15 Jahren in der dortigen Liederhalle. 1942 Aufnahme in die Staatliche Musikhochschule Stuttgart. Dann Soldat und in Gefangenschaft. Studienwiederaufnahme 1948. Hauptfächer: Orchesterleitung (GMD Dr. Gustav Koslik), Klavier (Prof. Arno Erfurth), Kirchenmusik (Orgel: KMD Karl Gerok); außerdem Komposition bei Prof. Dr. Hermann Erpf. 1950-1953 Dirigent des Stuttgarter Brenzhaus-Kammerorchesters (heutiger Name);1951-1953 Kirchenmusiker der Brenzkirche Stuttgart (Vorgänger von Helmuth Rilling), und 1953-1987 an der Alten Kirche und Friedenskirche Krefeld (1966 zum Kirchenmusikdirektor ernannt). 1963-1987 Dirigent der Abonnementskonzerte der "Philharmonischen Gesellschaft" in Krefeld (Sinfoniekonzerte, Oratorien, u.a. mit RSO Köln, Philharmonia Hungarica und Weltrang-Solisten).

Reinhold Birk starb nach kurzer, schwerer Krankheit am 7. August 2013.

Fast alle Werke Birks wurden aufgeführt (u.a.: vier Sinfonien). Birk veranstaltete in Krefeld 555 Konzerte (Liste und Werkverzeichnis in ISBN 978-3-925366-61-1), Tourneen in Deutschland sowie in England (zehnmal), Finnland, Griechenland-Türkei-Persien, USA (inkl. Hawaii), Canada, Japan (erster Ausländer an der Orgel der Doshisha-Universität Kyoto), Namibia, Südafrika, Libanon (während der Kämpfe 1980, 1983, 1984, z.T. über TV). Birk erhielt 1982 den Kompositionspreis der internationalen GdO-Tagung Düsseldorf und wurde 1987 als bislang einziger Musiker von Oberbürgermeister Dieter Pützhofen mit der Ehrenplakette der Stadt Krefeld ausgezeichnet. Im von Christoph Dohr in Krefeld organisierten Zyklus "OPUS 89" kamen Werke von ihm durch ihn selbst und andere zu Gehör. Das "lnternationale Pianoforum" in Heilbronn (elf Konzerte, 1993) eröffnete Birk mit eigenen Werken und Stücken von Peter Bares. Unter Pseudonym (Martin Betulius) war Birk in Heilbronn Musikkritiker.

 

 

Reinhold Birk über seine Kompositionen

Seit Anfang der 1960er-Jahre komponiert Birk zumeist zwölftönig, wobei er - einer von Ernst Krenek publizierten (von diesem aber kaum realisierten) Anregung folgend - sowohl tonal und zwölftönig zugleich schreibt. Hierzu äußert er sich selbst:

"Auf die Spätromantik folgte die Atonalität, die dann zwölftönig geordnet wurde. Diese und die weitere Entwicklung der E-Musik wurde nur von einem kleinen Bruchteil der Musikfreunde angenommen, wogegen früher Neues (Richard Wagner, Anton Bruckner, Richard Strauss, etc.) nach kurzen Richtungskämpfen noch zu Lebzeiten dieser Komponisten vom Gros der Hörer bejubelt wurde, was man von der Neuen Musik der letzten 75 Jahre nicht behaupten kann, obwohl einer der Großen (H. W. Henze) der Neuen Musik meint, käme es zu solcher Zustimmung, so wäre dies der schönste Tag seines Lebens. Ich konkretisierte die ldee Kreneks so, dass die Tonalität erhalten bleibt, aber zwölftönig 'gesiebt' wird, d. h., jede Note, auch einbezogene Melodien (z. B. Choräle), müssen zugleich zwölftönig bezogen sein.

Ich ging dazu über, strenge Regeln aufzustellen: Reihen dürfen in direkter Folge ihrer Töne weder Dreiklänge (Dur, Moll, vermindert, übermäßig) oder voll- bzw. unvollständige Dominantseptakkorde (oder deren Umkehrungen) enthalten, auch keine Folgen wie c-d-f bzw. c-e-fis aufwärts, weil dies gespiegelt c-b-g bzw. c-as-ges abwärts, also Dominantseptakkord-Umkehrungen, ergäbe. Berührungen gleicher Töne, vertikal und horizontal, letzteres auch im Oktavabstand, gelten als 'ein' Ton. Sie verschiedenen Reihen-Modi zu entnehmen, verbiete ich mir. Diese Kompositionsweise hätte vor der Atonalität nach der Spätromantik folgen können und ist m. E. viel eher eine 'Erneuerung des Verbrauchten durch Konstellation'. Man unterschätze die Schwierigkeit dieser Kompositionsweise, die quasi die Tristan-Harmonik weiterführt, nicht, doch mit zunehmender Gewandtheit lassen sich die gewünschten Klänge aus der Tabelle der 48 Modi herauslesen. Als zusätzlich denkbare Figurik zu dieser Harmoniefolge wären nur solche bereichernden Figuren zugelassen, die aus Tönen dieser Modi bestehen und dem Tonberührungsgesetz entsprechen. Solche Beispiele sind in meinen Kompositionen häufig zu finden."  


Kompositionen in der Edition Dohr

Capriccio (zwölftönig; 1990)

für Klavier

M-2020-0027-4
EURO 4,80

Rhapsodie zwölftönig (1996)

für Violoncello und Klavier

Spielpartitur

M-2020-0324-4
EURO 4,80

Rhapsodie zwölftönig (1996)

für Violine und Klavier

Spielpartitur

M-2020-0348-0
EURO 4,80

Rhapsodie zwölftönig (1996)

für Viola und Klavier

Spielpartitur

M-2020-0330-5
EURO 5,80


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Literatur

Schriften Birks im Verlag Dohr

Lehrjahre eines Musikers
Meine Zeit in Stuttgart, Krefeld und Heilbronn

eingeleitet und herausgegeben von Christoph Dohr

353 S., 26 Abb., zahlr. Notenbsp.; Hardcover mit Schutzumschlag

ISBN 978-3-925366-61-1
EURO 19,80

 

Weitere Informationen

   

Christoph Dohr

Musikleben und Komponisten in Krefeld
Das 20. Jahrhundert

(Krefelder Studien Bd. 5)

640 S., 70 Abb., Notenbeisp., Pb. geb.

ISBN 3-9801610-4-8
EURO 24,80


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