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Doppel-CD: alio modo

 

Johannes Quack, Orgel

Aufgenommen an der Tzschöckel-Orgel (op. 250) der Christuskirche in Schwelm. 2 CDs
Aufnahmezeit: Juni und Juli 1998
Bestell-Nummer: Verlag Dohr DCD 004

Preis: EURO 18,50

Aufnahme: Klaus Peter Wende
Schnitt & Master: Christoph Bette / mango studios Köln
Text: Christoph Dohr, Köln
Cover-Illustration: Peter Esser
Grafik: Christoph Dohr, Köln

 

Weltersteinspielungen - First Recordings

Das Booklet enthält zusätzlich ausführliche Informationen zur Tzschöckel-Orgel und eine vollständige Registrier-Dokumentation.

 


CD 1: Im Kirchenjahr -- 41'53''

  1. Rainer Lautenbach (*1962): Christum wir sollen loben schon. Fantasie für Orgel (1997) -- 5'22''
  2. Serban Nichifor (*1954): Christum wir sollen loben schon. Choralvorspiel für Orgel (1997) -- 5'06''
  3. Serban Nichifor: Freut euch, ihr lieben Christen. Choralbearbeitung für Orgel (1997) -- 5'51''
  4. Serban Nichifor: Vom Himmel hoch. Choralfantasie für Orgel (1997) -- 5'34''
  5. Norbert Fröhlich (*1960): Mit den Hirten will ich gehen. Ricercare für Orgel (1997) -- 8'34''
  6. Horst Bitter (*1928): Mit den Hirten will ich gehen. Meditation für Orgel (1997) -- 5'14''
  7. Bernhard Weber (*1959): Stern über Bethlehem. Choralpartita für Orgel (1997) -- 2'27''
  8. Hans-Josef Winkler (20./21. Jh.) O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit. Choralvorspiel für Orgel (1997) -- 3'22''

CD 2: Christliches Leben -- 56'01''

  1. Norbert Laufer (*1960): Kommt herbei, singt dem Herrn. Choralvorspiel für Orgel (1997) -- 3'05''
  2. Manfred Niehaus (*1933): Reich des Herrn. Choralfantasie für Orgel (1997) -- 4'35''
  3. Michael Penkuhn (*1962): Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt. Play Jazz! für Orgel (1997) -- 3'44''
  4. Friedhelm Aufenanger (*1955): Herr, gib uns Mut zum Hören. Choralmeditation für Orgel (1997) -- 2'40''
  5. Peter Hastedt (*1970): Wir haben Gottes Spuren festgestellt. Choralvorspiel für Orgel (1997) -- 3'18''
  6. Helmut Brand (*1959): Weiß ich den Weg auch nicht. Fantaisie pour Orgue (1997) -- 4'23''
  7. Jürgen Blume (*1946): Lass uns in deinem Namen, Herr. Choralvorspiel für Orgel (1997) 3'04''
  8. Jürgen Borstelmann (*1963): Ins Wasser fällt ein Stein. Meditation für Orgel (1997) -- 5'19''
  9. Norbert Laufer (*1960): Gehet hin an alle Enden. Choralvorspiel für Orgel (1997) -- 4'54''
  10. Richard Beyer (*1958): Ich lobe meinen Gott. Toccata-Carioca für Orgel (1997) -- 3'30''
  11. Andreas Willscher (*1955): Nun wollen wir singen das Abendlied. Meditation für Orgel (1997) -- 6'15''
  12. Peter Bares (*1936): Bevor des Tages Licht vergeht. Choralspiel für Orgel (1997) -- 4'40''
  13. Rudolf Halaczinsky (1920-1999): Bevor des Tages Licht vergeht. Meditation für Orgel op. 87 (1997) --5'40''
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Johannes Quack

Johannes Quack wurde 1959 im niederrheinischen Anrath geboren. Ersten Klavierunterricht erhielt er mit 13, ersten Orgelunterricht mit 15 Jahren. Nach dem Abitur studierte er evgl. Kirchenmusik am Robert-Schumann-Institut Düsseldorf (Orgelklasse Johannes Geffert). Im Anschluss an das A-Examen legte er bei Prof. Hans-Dieter Möller das Konzertexamen Orgel ab. Es folgten weiterführende Studien in London bei Nicolas Kynaston. Von 1988 bis 1990 war Johannes Quack Kantor der Martin-Luther-Kirche in Bad Orb, seit 1990 ist er Kantor an der Antoniterkirche in Köln. An der Musikhochschule Düsseldorf hat er seit 1992 einen Lehrauftrag für künstlerisches und liturgisches Orgelspiel inne. Seine Konzerttätigkeit führte ihn nach England, Schweden, Dänemark, Italien, in die Niederlande und in die U.S.A.

 


 

Die Noten zur CD sind in einem gleichnamingen Sammelband in der Edition Dohr erschienen.

Zum Projekt

Die Doppel-CD "alio modo" ist das zum Klingen gebrachte Ergebnis eines im Frühjahr 1997 vom Evangelischen Stadtkirchenverband Köln ausgeschriebenen Kompositionswettbewerbs: Im Advent 1996 war das neue Evangelische Gesangbuch (EG) eingeführt worden. Während rasch die im Markt befindlichen Orgelchoral-Vorspiel-Sammlungen für den Stammteil in Neuausgaben erschienen, geschah dies zum Liederanhang Rheinland/Westfalen/Lippe zunächst nicht.

Ein Wettbewerb sollte hier Abhilfe schaffen. Unter 133 eingesandten Beiträgen aus dem In- und Ausland - sämtliche beinahe zeitgleich im Jahre 1997 komponiert - wählte eine Jury, bestehend aus Komponisten und Kirchenmusiker/inne/n (darunter auch der Interpret der vorliegenden Ersteinspielung Johannes Quack und Verleger-Produzent Christoph Dohr) im Oktober 1997 in einem anonymifizierten Auswahlverfahren 21 Werke zur Veröffentlichung aus. Die ausgewählten Werke erschienen im Frühjahr 1997 als Sammelband "alio modo" in der Edition Dohr (ISMN M-2020-0500-2).

Der Titel ergab sich spontan: Hier finden sich 21 Kompositionen (vier preisgekrönte plus 17 weitere), die auf "andere Art" als die herkömmliche sich mit dem Thema Choralvorspiel beschäftigen.

Vorgegeben war eine Dauer von drei bis fünf Minuten. Gesucht und gefordert war also nicht die kleine Intonation, die in wenigen Takten zum Liedanfang hinzuführen hat, sondern eine auskomponierte Bearbeitung, die das Ergebnis einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Lied ist.

Sowohl der Notenband wie nun auch die vorliegende Doppel-CD zeigen als Momentaufnahme einen Querschnitt durch das Komponieren choralgebundener Orgelwerke am Ende des 20. Jahrhunderts. Auch ohne das wirklich Neue, nie Dagewesene - das man bei der Vorgabe, eine präexistente tonale Melodie in den Orgelsatz einzubinden, vielleicht auch nicht erwarten konnte - ist dabei eine anspruchsvolle Sammlung höchst beachtenswerter zeitgenössischer Orgelmusik zustande gekommen. TOP

© Christoph Dohr 2000


Booklet-Text

(© by Christoph Dohr/Verlag Dohr Köln)

Rainer Lautenbach (*1962 in Stuttgart) studierte Kirchenmusik (A-Examen) sowie Musiktheorie und Komposition bei A. Koerppen an der Hochschule für Musik und Theater Hannover; Kapellmeisterstudium an der Hochschule der Künste Berlin; seit 1990 Lehrauftrag für Musiktheorie an der Musikhochschule Hannover; seit 1992 Oratorien-Chorleiter, seit 1996 Kirchenmusiker der Matthäus-Kirchengemeinde Hannover-List; Arrangements und Kompositionen für diverse Besetzungen.

Die Fantasie für Orgel von Rainer Lautenbach über Christum wir sollen loben schon, eine erstmals im 5. Jahrhundert geformte Melodie, heute verwendet in der Fassung Erfurt 1524, hat sechs Teile: Vorspiel - 1. bis 4. Choralzeile - Amen, wobei zwischen der ersten und zweiten sowie der dritten und vierten Choralzeile Zwischenspiele ausgemacht werden können. Die Melodie ist nach Art einer Material-Analyse "zerlegt" in zahlreiche Achtel-Werte, die den Notensatz optisch dominieren. Die komplexe Notation dieses Konzertstückes enthält auch genaueste Forderungen zur Registration und klanglichen Umsetzung. Das Stück endet etwas über-raschend tonal mit der alten Klausel. TOP

Serban Nichifor (*1954 in Bukarest) studierte an der Universität Bukarest (Promotion in Musikwissenschaft) und besuchte Kompositionskurse in Darmstadt, Weimar, Breukelen und München; 1982 USIA-Stipendium in den U.S.A.; Professur an der Musikakademie Bukarest; Kammermusik-Konzerte als Violoncellist; zahlreiche, in mehreren Ländern verlegte und international aufgeführte Werke; zahlreiche internationale Kompositions-Preise.

Der Zufall wollte es, dass Serban Nichifor mit seinen als viertelstündigen Zyklus verstandenen drei eingereichten Kompositionen nach Jury-Entscheid in die Endrunde der letzten 21 und damit als veröffentlichungswürdig herausgestellten kam: ein "Vorspiel" über Christum wir sollen loben schon, eine "Bearbeitung" der 1587 von Leonhart Schröter verfassten Melodie Freut euch, ihr lieben Christen, schließlich eine Fantasie über Vom Himmel hoch, da komm ich her (Paderborn 1616/Köln 1623). Nichifor hat eine große romantische Orgel im Blick: Die Manuskripte geben Anweisungen für den Gebrauch der Register-Crescendo-Walze und leben von dynamischen Verläufen. Als Beispiel mag dabei das erste seiner drei Choralvorspiele gelten, das vom einstimmigen, tiefen Pedal-Pianissimo in ein vollgriffiges General-Tutti führt. Christum wir sollen loben schon wurde im Wettbewerb mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. TOP

Norbert Fröhlich (*1960 in Essen) studierte als Jungstudent Komposition an der Folkwang-Hochschule Essen bei Wolfgang Hufschmidt; später Studium von Mathematik; Musikwissenschaft und Theologie; 1990-93 Dozent an der Hochschule für Künste in Berlin; seit 1993 Professor für Musiktheorie an der Musikhochschule Trossingen; Lehraufträge u.a. in Essen und Bremen; Kompositionen im avantgardistischen Bereich und im Bereich "angewandter" Musik.

Mit den Hirten will ich gehen ist eine Melodie von August Diedrich Rische (1885), die Norbert Fröhlich für ein Ricercare verwendet: Die Melodie erscheint anfangs fragmentiert, dann "ausgeterzt" in Tenor-Lage, von gehenden und laufenden Figuren umspielt, darauf geschwinder, danach im Pedal. Die Fuge steht im Mittelpunkt dieses später wieder zu seinen Anfängen zurücklaufenden Stückes. Höhepunkt bildet ein "Scherzando" im Alla Breve: Der Cantus firmus ruht im Pedal, darüber - virtuos zerstäubend - artikuliert sich die freudige Erwartung der Hirten. TOP

Horst Bitter (*1928 in Gelsenkirchen). Weitere Informationen und die Werke in der edition dohr auf der Seite von Horst Bitter.

Faszinierend, wie grundsätzlich anders das Herangehen von Horst Bitter an dieselbe Melodie ist: Das in sich ruhende, Bewegung nur in kleinsten, kreiselnden Tonschritten ausführende, einleitende Andante paraphrasiert Elemente der Motivik, der "Sprachlichkeit" von Mit den Hirten will ich gehen. Deutlich erkennbar wird der cantus im "Vivace", das in weihnachtlicher Heiterkeit das behende Eilen der Hirten verklanglicht. Nach der Arbeit mit dem von Bitter generierten Material schließt die Meditation mit dem Anfangs-Teil, der nun eine Synthese mit den im Stück gewonnenen "Erfahrungen" herbeiführt. TOP

Bernhard Weber (*1959 in Eschwege/ Nordhessen) schloß 1987 ein Examen als Instrumentalpädagoge (Orgel, Klavier) an der Universität Mainz ab; seit 1996 studiert er dort Tonsatz im Hauptfach.

Dies ist das technisch schlichteste Stück der gesamten Sammlung, das einzige als prima-vista-Literatur unmittelbar und ohne Vorbereitung im Gottesdienst verwendbare: Die Choralpartita Stern über Bethlehem über die 1964 niedergeschriebene Melodie von Alfred Hans Zoller hat im Gegensatz zum vierstrophigen Lied fünf Teile: Der vorletzte Teil scheint den Schlussvers der dritten Strophe ("wir bleiben hier") umzusetzen und die Freude der am Ziel eingetroffenen Wanderer (Spielanweisung dritter Teil: "wiegend, wie eine Kamelkarawane") auszudrücken. TOP

Hans-Josef Winkler hat mit E-Mail vom 09. November 2008 dem Verlag Dohr untersagt, an dieser Stelle Informationen zu seiner Person zu verbreiten. Der Verlag bedauert dies.

Das Osterlied O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit basiert auf einer Melodie von Samuel Scheidt aus dem Jahre 1650. Die Choralbearbeitung erzielte beim Kompositionswettbewerb einen dritten Preis.TOP

Norbert Laufer (*1960 in Düsseldorf). Weitere Informationen und die Werke in der edition dohr auf der Seite von Norbert Laufer.

Freies Sechzehntel-Figurenwerk als erste Materialgruppe umfasst jene Takte, in denen Norbert Laufer die charakteristischen Motiv-Teile von Kommt herbei, singt dem Herrn brennglasartig unter die Lupe nimmt: Bei dieser Melodie, ursprünglich ein Volkslied aus Israel, türmen sich diese Elemente in feierlicher Hymnik im Stile einer Monumental-Intrada auf. In einer dritten Materialgruppe gelingt es dem Pedal im Laufe des Stückes, die Melodie als Ganzes vorzustellen - stets von Einwürfen der Manuale kontrapunktiert und farblich kommentiert.TOP

Manfred Niehaus (*1933 in Köln). Weitere Informationen und die Werke in der edition dohr auf der Seite von Manfred Niehaus.

Reich des Herrn (Melodie: Halle 1704) entstammt einer Gruppe von drei Choralfantasien, die Manfred Niehaus für die Teilnahme am Wettbewerb komponierte. Im Vorwort zur Ausgabe aller drei Fantasien in der edition dohr (ISMN M-2020-0524-8) schreibt der Komponist: "Lieder, die eine Gemeinde zu ihrer Erbauung mitsingen sollen, sind - einer jahrhundertealten Hörtradition folgend - tonal. Die Musik, die ich seit etwa 40 Jahren selbst lieber höre und spiele und der ich komponierend näher zu kommen suche, ist nicht tonal. In der vorliegenden Orgelfantasie habe ich versucht, die tonale Melodie eines Kirchenliedes aus ihrem Zusammenhang - nicht nur aus ihrem harmonischen Zusammenhang, sondern damit zugleich auch aus ihrer theologischen Bedeutung - herauszunehmen, um sie als Material für eine Komposition nach nicht-tonalen Regeln (die gibt es!) zu verwenden." TOP

Michael Penkuhn (*1962 in Heide/Holstein) studierte Kirchenmusik an der Musikhochschule Lübeck (Orgel: Armin Schoof); 1985 B-Examen; seitdem Kantor an der St.-Stephanus-Militärkirche Munster; seit 1989 Beschäftigung mit Jazz; Komposition von choralgebundener Orgelmusik zu alten wie neuen Liedern unter Einbeziehung der Jazzmusik als charakteristischem Element.

Play Jazz! für Orgel - Michael Pen-kuhn versteht es, das Neue Geistliche Lied ("NGL") dort abzuholen, wo es herkommt: aus der rhythmusbetonten Unterhaltungsmusik. Hier wird also nicht mühsam aus Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt ein "Choral" im Sinne des 18. oder 19. Jahrhunderts (so wird manches NGL immer noch allzu oft im Gottesdienst auf der Orgel kaputt-begleitet) gemacht. Viele Synkopen in Penkuhns Arrangement zeigen, wie es diesem Gemeinde-"Schiff", einem wahren NGL-Schlager, bei Sturm und Wellengang ergeht. Feierlich und im Einklang aller endet es - wie der Schluss-Abgang nun zu deuten sei, möge hier allerdings offen bleiben. TOP

Friedhelm Aufenanger (*1955 in Bonn). Weitere Informationen und die Werke in der edition dohr auf der Seite von Friedhelm Aufenanger.

Herr gib uns Mut zum Hören (Melodie von Kurt Rommel, 1964) erscheint bei dieser Meditation langgezogen, für das "mutlose" Ohr kaum warhnehmbar, zunächst im Pedal. Das übrige Motivwerk, das sich über den cantus firmus rankt, lenkt unser Ohr ab. Später kommt die Melodie auch in die Mittel- und Oberstimmen. Aufenanger scheint durch seine zerklüftete Para-phrase das dringende Einfordern von Gottes Hilfe und die Not von Unruhe ergriffenen Menschenseele zum Ausdruck bringen zu wollen. TOP

Peter Hastedt (*1970 in Warburg/Westfalen) studierte an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford (A-Examen); Tätigkeit als Posaunenwart und Kantor; lebt seit 1997 freischaffend in Villingen/Schwarzwald; mehrere kirchenmusikalische Kompositionen, u.a. für einen Festgottesdienst im Rahmen der Donaueschinger Musiktage.

Wir haben Gottes Spuren festgestellt (Melodie: Jo Akepsimas) gehört ebenfalls in die Gruppe der NGL-Schlager. Peter Hastedt geht in seinem Arrangement jedoch grundverschieden andere Wege: Er schreibt nicht rhythmusbetont, sondern einen harmonieverliebten Blues. In der Kunst der Melodie-Auszierung trifft er sich dabei ganz in der Ferne mit dem Großmeister des Choralvorspiels, Johann Sebastian Bach. Hastedts Choralvorspiel wurde im Wettbewerb mit einem der beiden dritten Preise ausgezeichnet. TOP

Helmut Brand (*1959 in Stuttgart) studierte Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart (Orgel bei Werner Jacob; A-Examen); 1984/85 Orgelimprovisationsstudium bei Daniel Roth in Straßburg; 1982-85 Kantor in Renningen, seit 1985 Bezirkskantor in Tuttlingen; 1997 Ernennung zum Kirchen-musikdirektor; verschiedene Veröffentlichungen (Orgelwerke, Chorhefte); Mitarbeit beim württembergischen Choralbuch zum Evangelischen Gesangbuch.

Die Melodie zu Weiß ich den Weg auch nicht stammt aus dem tiefen 19. Jahrhundert (John Bacchus Dykes, 1868), und genau dahin befördert Helmut Brand in seiner "Fantaisie pour Orgue" das Stück zurück: Hier sieht und hört man vor seinem inneren Auge und Ohr César Franck an einer großen, hochromantischen Pariser Orgel sich persönlich des Stückes annehmen ... Zwei Adagio-Einschübe unterbrechen die "Fantaisie" und stellen die Melodie entrückt, aber in der Rhythmisierung des neuen Evangelischen Gesangbuches vor. TOP

Jürgen Blume (*1946 in Jena). Weitere Informationen und die Werke in der edition dohr auf der Seite von Jürgen Blume.

Kurt Rommel notierte 1964 die Melodie zu Laß uns in deinem Namen, Herr in wiegendem 6/4-Takt. Dass es in Wirklichkeit gar nicht so einfach ist, "die nötigen Schritte [zu] tun", wie es Rommel in seinem Text wünscht, verklanglicht Jürgen Blume in seinem Choralvorspiel: Hier kommt die Melodie-Paraphrase in stolperndem 9/8-Takt daher (8+1 Achtel!). Wer stolpert, wird zugleich (ungewollt) schneller, und so symbolisiert das zusätzliche Achtel auch ein besonderes Vorwärtsdrängen. Doch auch bei Jürgen Blume gibt es zeitweise (vielleicht mit Blick auf die Gemeinde?) den 6/4-Takt. Hier blüht die Melodie reich auf. TOP

Jürgen Borstelmann (*1963 in Westerland/Sylt) studierte Kirchenmusik und künstlerisches Orgelspiel an der Musikhochschule Lübeck (B-Examen); Tätigkeit als Konzertorganist und Kammermusiker; seit 1995 mehrere Kompositionspreise; lebt als Kantor und Komponist auf Sylt.

Borstelmanns Meditation über Ins Wasser fällt ein Stein hat etwas Hammond-(E)-Orgel-Mäßiges an sich: In liegende Klänge, die das ruhende Wasser verklanglichen, kommt als Bewegung die Melodie (Kurt Kaiser 1965) hinein. Das Prinzip ändert sich nicht, bleibt das Stück hindurch statisch. Und dennoch wird der affirmative Gestus des cantus firmus so eindringlich umgesetzt, dass man am Ende meint, es hätte sich doch etwas bewegt. TOP

Norbert Laufer (*1960 in Düsseldorf). Weitere Informationen und die Werke in der edition dohr auf der Seite von Norbert Laufer.

Auf ein nordamerikanisches Volkslied ist das NGL Gehet hin an alle Enden getextet. Norbert Laufer behandelt den cantus firmus ähnlich wie in seinem ersten in die Sammlung aufgenommen Choralvorspiel: Seine Bestandteile sind in scharf zu registrierende, laute Kleinblöcke komprimiert, die mit ruhigen Partien, in denen Cluster aus den Melodietönen formiert werden, abwechseln. Der letzte Kleinblock umfasst schließlich einen vollständigen Melodie-Durchlauf.

Richard Beyer (*1958 in Offenbach). Weitere Informationen und die Werke in der edition dohr auf der Seite von Richard Beyer.

Der Beginn der Melodie von Ich lobe meinen Gott (Christoph Lehmann 1979) hat etwas rapartig Skandierendes an sich: kaum Bewegung in der Tonhöhe, dafür rhythmisch undifferenziertes Meißeln der Silben. Der Kehrvers dieses NGLs blüht im Kontrast dazu auf - besonders wirkungsvoll ist dabei die Modulation von D- nach F-Dur. Richard Beyer erfasst diese Melodie-Merkmale in seiner Bearbeitung bestens: Er kombiniert die barock-mitteleuropäisch hämmernde Toccata mit der brasilianischen Carioca, einer Abart der Samba. Dies alles noch etwas abgeschmeckt mit einer gehörigen Prise musikalischem Humors, ergibt eine Musik, die im Gottesdienst als klassischer "Rausschmeißer" dienen kann. TOP

Andreas Willscher (*1955 in Hamburg) studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg bei Günter Friedrichs (Komposition) und Ernst-Ulrich von Kameke (Orgel); seit 1971 Organist der Hamburger Konventskirche St. Franziskus.

Mit seiner Meditation über Nun wollen wir singen das Abendlied, einer Volksweise aus dem Odenwald, errang Andreas Willscher beim Kölner Kompositionswettbewerb den ersten Preis: Er schrieb eine die Jury überzeugende Messiaen-Stil-Adaption in stimmungsvollen Farben. TOP

Peter Bares (*1936). Weitere Informationen und die Werke in der edition dohr auf der Seite von Peter Bares.

Peter Bares greift bei seinem "Choralspiel" (!) über Bevor des Tages Licht vergeht auf eine 1000 Jahre Melodie (datiert Kempten um 1000) zurück. Dem Interpreten gibt Bares 17 Kompositions-Bruchstücke an die Hand, die nach aleatorischen Regeln zu kombinieren sind: Zwölf "freie" Einwürfe können vor, nach und zwischen den Abschnitten A bis D, die die Melodieteile enthalten, beliebig oft gespielt werden. Abschnitt E bildet die Coda.

Rudolf Halaczinsky. Weitere Informationen und die Werke in der edition dohr auf der Seite von Rudolf Halaczinsky.

Die Meditation über Bevor des Tages Licht vergeht op. 87 steht am Ende des Werkverzeichnisses von Rudolf Halaczinsky: Spätere Werke konnte er aufgrund seiner fortschreitenden Krankheit nicht mehr vollenden. Es ist ein meisterlich spätromantisches Werk, das die perfekte Beherrschung dieser Tonsprache ausweist. Zugleich ist es ein tiefes Bekenntnis christlichen Glaubens. TOP

© Christoph Dohr 1997/2000 / Verlag Dohr Köln 2001

aktualisiert Sonntag, 9. November 2008
© 1998-2007 by Verlag Christoph Dohr Köln / edition dohr