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Die vorliegenden Untersuchungen zu Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorien Paulus und Elias zeigen erstmals in ausführlicher Darstellung, dass die Bearbeitung der zugrunde liegenden Bibeltexte ein integrierender Bestandteil von Mendelssohns Schaffensprozess gewesen ist. Denn anders als von Mendelssohn geplant, wurde bei beiden Oratorien nicht der bei einem Freund in Auftrag gegebene Text, sondern die eigene Auseinandersetzung mit den Bibeltexten zur Grundlage für die kompositorische Gestaltung. Indem die Untersuchungen bei Mendelssohns Textbearbeitung ansetzen und davon ausgehend seine Textvertonung behandeln, erschließen sie den Zusammenhang zwischen textlicher und musikalischer Szenengestaltung und ermöglichen dem Leser, den Weg vom biblischen Grundtext zur ausgeführten Oratorienszene nachzuvollziehen. Mendelssohns Oratorien erweisen sich so als Ergebnis einer produktiven Aneignung der biblischen Überlieferung. Beispielhaft hierfür ist die Volksszene des Regenwunders im Elias, der ein Bibeltext zugrunde liegt, in dem das Volk nicht vorkommt.
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Pressestimme
"Seit dem Ende der 1980er-Jahre hat sich Erich Reimer mehrfach kenntnisreich zur 'Textanlage', 'Szenengestaltung' und 'Kompositionsweise' in Mendelssohns Oratorien 'Paulus' und 'Elias' geäußert (vgl. AfMw 46, 1989, S. 42-69 und 50, 1993, S. 44-70 sowie Mf 49, 1996, S. 152-171). Im vorliegenden Band knüpft er an diese Arbeiten an und baut diese weiter aus. Sein Ziel ist es, 'den Zusammenhang zwischen textlicher und musikalischer Szenengestaltung' zu erschließen (Klappentext) bzw. zu zeigen, 'in welcher Weise der Paulus nach Worten der heiligen Schrift und der Elias nach Worten des alten Testaments komponiert worden ist' (S. 7). [...] Dargestellt wird dies von Reimer nach einer knappen Einleitung (S. 7-11) in zwei analog aufgebauten Teilen zur 'Textbearbeitung und Textvertonung' im 'Paulus' (S. 13-89) und 'Elias' (S. 91-170), welche jeweils drei Unterteile zur 'Planung und Ausführung' (S. 13-17 bzw. 91-93), 'Textauswahl und Gesamtkonzeption' (S. 17-22 bzw. 94-98) und zur 'Szenen- und Satzgestaltung' (S. 22-89 bzw. 98-170) enthalten. Wie bereits die Proportionen erkennen lassen, liegt der Schwerpunkt von Reimers Darstellung auf der Szenen- und Satzgestaltung. Dieser Unterteil ist als Kommentar angelegt und exzellent aufbereitet: Die Oratoriensätze werden in fortlaufender Reihenfolge behandelt, gruppiert nach den sich aus den Bibeltexten ergebenden übergeordneten Einheiten. Jeder dieser Einheiten vorangestellt ist eine Übersicht der zugehörigen Sätze, unter Angabe ihrer jeweiligen Tonart und Bedeutung für die großformale Disposition des Werks. Dem folgt die Besprechung der Einzelsätze, wobei deren Text dem Wortlaut der biblischen Vorlagen nicht nur gegenübergestellt, sondern Mendelssohns Übernahmen im Bibeltext auch durch Unterstreichung gekennzeichnet werden und damit mühelos nachvollziehbar sind. [...] Letztlich hinterlässt Reimers Studie einen zwiespältigen Eindruck. Sie bietet einen zuverlässigen Einblick in wichtige Fakten, Textarbeit, Szenen- und Satzgestaltung Mendelssohns, bleibt jedoch insofern eindimensional, als außerhalb der Werke bzw. im historischen Kontext gelegene, aber für deren Genese und Gestaltung wesentliche Aspekte lediglich ansatzweise einbezogen werden." (Martin Loeser in: Die Musikforschung 60. Jg., 2007, Heft 1, S. 65f.)
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