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Michael Rappe

Under Construction. Kontextbezogene Analyse afroamerikanischer Popmusik (= musicolonia, Bd. 6) Zwei Teilbände, zus. 540 S., z.T. farbige Abb., Glossar, Hardcover
ISBN 978-3-936655-67-4
EURO 69,80

Vor über dreißig Jahren hat sich Hip Hop als eine heterogene kulturelle Praxis mit ihren unterschiedlichen Disziplinen des B-Boyings (Breakdance), Writings (Graffiti), MCings (Rapping) und DJings in den inner-city-Gettos Nordamerikas entwickelt. Bemerkenswert ist dabei, dass sich innerhalb dieser Kultur mit ihren vielfältigen visuellen, textlichen und musikalischen Strategien ein künstlerisch komplexes und hochkodiertes Kommunikationssystem entwickelt hat, das in der Lage ist, zugleich einen sozialen Kommentar zu den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen abzugeben und eine Gemeinschaft zu formen und zu strukturieren.
Vor dem Hintergrund dieses kulturwissenschaftlich fundierten Forschungstandes geht die hier vorliegende Untersuchung der Frage nach, inwieweit diese kulturelle Handlungspraxis sich auf den ästhetischen Ebenen – Text, Musik/Sound und Visualität – eines Hip Hop-Stücks nachvollziehen lässt.

"Under Construction" wird in zwei Teilbänden geliefert. Der erste Band enthält die eigentliche Forschungsarbeit, der zweite Band ergänzt diese durch reichhaltige Materialien, neben Tabellen und Übersichten auch eine Partitur und eine vollständig in Farbe wiedergegebene audiovisuelle Partitur (Vertikalmontage) des analysierten Titels "Work it!" von Missy Elliott.



(Cover anklicken zum Vergrößern)

Die Inhaltsverzeichnisse beider Bände sowie eine Beispielseite der erwähnten Vertikalmontage stehen als pdf-Dokument zur Einsicht bzw. zum Download bereit.

Inhalt: * Beispielseite:

Pressestimmen

"In den USA gehört die Auseinandersetzung mit Rap und HipHop an den Universitäten längst zum Standard. Deutschsprachige akademische Veröffentlichungen zum Thema, die mehr leisten, als das Offensichtliche in komplizierten Satzgefügen darzustellen, sind dagegen die Ausnahme geblieben. Under Construction, Michael Rappes 'Kontextbezogene Analyse afroamerikanischer Popmusik', ist von daher als Highlight zu werten. In seinem zweibändigen Werk unternimmt Rappe eine detaillierte Herleitung der in der afroamerikanischen Populärkultur gebräuchlichen Codes, vor allem entlang der omnipräsenten Sprechstrategie des 'Signifyin'', und leitet daraus die ganze Grammatik des Raps vom 'boasting' und 'flippin'' bis zur Mutterbeschimpfung ab. Diese Entwicklungslinien werden von den afrikanischen Wurzeln bis zur urbanen Realität der Gegenwartverfolgt, die Entsprechungen im musikalischen, produktionstechnischen, gestischen und tänzerischen Bereich penibel aufgeführt. Zur Veranschaulichung zerpflückt Rappe im zweiten Teil Missy Elliotts Video zu 'Work It'. Jeder Schnitt, jede Einstellung, jeder Tanzschritt, jeder Scratch und jede Artikulation wird dabei unter das Vergrößerungsglas gelegt und jede, wirklich jede Referenz bis in die kleinste Verästelung zurückverfolgt. Vom Mardi-Gras-Break zum Peter-Piper-Scratch, vom Killerbienen-Mythos bis zur Diskussion des afroamerikanischen Schönheitsideals - was da alles drinsteckt! 'Work It' erscheint in dieser Perspektive als mindestens so komplex und vielschichtig wie da Vincis 'Letztes Abendmahl'. Das zweibändige Werk begünstigt dabei die Parallellektüre von Text und Materialsammlung, zu der auch eine audiovisuelle Partitur (inklusive Scratch-Notation) gehört, die genau darlegt, wie raffiniert Ton und Bild hier zum buchstäblich Bände sprechenden Kunstwerk verfugt wurden. Für halbwegs Interessierte eine glänzende, da klar und kenntnisreich formulierte Lektüre, gut aufgebaut und im Übrigen auch ziemlich hieb- und stichfest. Für Rapakademiker, die ihre Leidenschaft im universitären Kontext erforschen, eine unverzichtbare Standardlektüre und Recherchequelle." (Eric Mandel, in: Jazzthetik - Zeitung für Jazz und Anderes, März/April 2011, S. 105 f.)

"Michael Rappes aufwändige zweibändige Dissertation präsentiert eine Analyse des HipHop-Stückes 'Work It' von Missy Elliott sowie des dazugehörigen Promo-Videos mit dem Ziel, die lyrische, musikalische und visuelle Komplexität des verhandelten Tracks umfassend abzubilden und in Bezug zur Geschichte afroamerikanischer Popmusik zu setzen. Rappe will 'kulturelle Archäologie' (S. 13) betreiben, indem er den in 'Work It' gefundenen Verweisen und Bezügen nachspürt und diese zum Forschungsstand zu afroamerikanischer Musik im Allgemeinen und HipHop im Besonderen in Beziehung setzt. Der so gewonnene Kenntnisstand dient dann wiederum als Grundlage für die Analyse von 'Work It'. Der Titel der Arbeit, der den Titel des Albums, auf dem 'Work It' enthalten ist, zitiert, verweist dementsprechend auf den vorläufigen bzw. kontextbezogenen Charakter der Theoriebildung. [...] Sehr viel Mühe verwendet Rappe dankenswerterweise auf die Kontextualisierung der Scratches und DJ-Techniken. Er beschäftigt sich ausführlich mit den Möglichkeiten einer Notation von Scratches. Dies mündet in einem in den Materialien dargelegten eigenen Notationsvorschlag, der in der anschließenden kenntnisreichen Übersicht über DJ-Techniken sofort Anwendung findet. Eine derartig detaillierte musikanalytische Auseinandersetzung mit DJ-Techniken habe ich im Rahmen der Popularmusikforschung bisher noch nicht gelesen. Ähnliches gilt für die Analyse der Tanzbewegungen im Video. Spätestens hier löst Rappe seinen Anspruch ein, eine Verbindung zwischen den vielfältigen Arbeiten zur HipHop-Kultur, die die konkrete Analyse der musikalischen und visuellen Ästhetik ausblenden, und den analytischen Ansätzen, die den Kontext ausblenden, zu schaffen. [...] Under Construction zeigt exemplarisch die Vor- und Nachteile des gewählten Ansatzes, ein Stück in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zu stellen. Gerade im Sinne der Kontextualisierung der Analyseergebnisse böte ein vergleichender Ansatz gute Möglichkeiten, Text, Bild und Musik jenseits der internen Verweisstruktur historisch einzuordnen und Entwicklungslinien aufzuzeigen. Allerdings fehlen derartige Arbeiten bisher, sodass Rappe nicht auf entsprechende Forschungsergebnisse zurückgreifen kann.Sich stattdessen auf ein einzelnes Beispiel zu konzentrieren, bietet die Möglichkeit, eine exemplarische Analyse in aller Genauigkeit durchzuführen. Zwar endet der Nachweis des Signifyin(g) zwangsläufig an den Verweisebenen, die im gewählten Beispiel enthalten sind, aber die multidimensionale Verzahnung der vorhandenen Verweisstrukturen tritt in der Analyse deutlich hervor und zeigt, dass 'Work It' mit Bedacht ausgewählt wurde. Under Construction funktioniert deshalb sowohl als Einstieg in die Welt der HipHop-Forschung als auch als Materialfundus für 'Fortgeschrittene'. Der detaillierte Nachvollzug der lyrischen, musikalischen und visuellen Komplexität eines HipHop-Stückes macht Spaß, während die überzeugend herausgearbeiteten mannigfaltigen Bezüge zur Geschichte des HipHop immer wieder einen Mehrwert bieten. Dabei sei nochmals besonders auf die musikanalytische Auseinandersetzung mit den DJ-Techniken des HipHop hingewiesen." (Dietmar Elflein, in: Samples - Online-Publikationen des Arbeitskreis Studium Populärer Musik e.V. [ASPM], Jahrgang 9 [2010])

Den vollständigen Text dieser sehr ausführlichen Rezension finden Sie hier: www.aspm-samples.de/Samples9/rezelflein3.pdf

aktualisiert Mittwoch, 13. Juli 2011
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