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Robert v. Zahn (Hg./Ed.)

campiana - ein stück vor dem beat
Pierluigi Campi zum 70. Geburtstag am 15. Dezember 1998.
96 S., 27 Abb., Hardcover. 2. Auflage!
ISBN 3-926366-72-5
EURO 19,80

Pierluigi "Gigi" Campi war eine Kölner Institution. Nicht, weil er mehrere gastronomische Einrichtungen betrieben hat, sondern weil er in besonderer Weise für Kölner politische Kultur, für die hohe Kunst des Meinungsaustauschs und für ein einzigartiges Engagement in Sachen Jazz stand. Das legendäre Eiscafé "Campi" auf der Hohe Straße war von 1948 bis 1980 ein Knotenpunkt Kölner Kornmunikation.

Der 2010 verstorbene Gigi Campi wurde am 15. Dezember siebzig Jahre alt. Aus diesem Anlaß haben 18 Weggefährten über ihn, über das Eiscafé "Campi", über Jazz, über politische und Gesprächskultur geschrieben. Herausgeber der Festschrift ist der Kölner Musikwissenschaftler Dr. Robert v. Zahn.

Die Beiträge zeichen das "Campi" als einen Brennpunkt, in dem sich verschiedenste individuelle Entwicklungen kreuzen, ein "melting pot" mit Auswirkungen auf alle Bereiche Kölner Kultur. Ein zweiter Schwerpunkt der Beiträge liegt bei der "Kenny Clarke-Francy Boland-Big Band", jener von Campi organisierten, international besetzten und weltweit gerühmten Big Band mit Sitz in Köln.

Den Texten zur Seite stehen Fotografien von Chargesheimer, Peter Fischer, Ines Kaiser und anderen. Für die Gestaltung sorgten Velsen & Velsen. Zu den Autoren zählen Erich Schallus, Hermann Jutkeit, Hans-Jürgen von Osterhausen, Manfred Schoof, Mike Hennessey, Hans Georg Brunner-Schwer, Reiner Michalke, Jürgen Becker, Inge Drews, Peter Meisenberg, Wolfram Gerbracht, Armin Maiwald, Dieter Höss u.a.

Pressestimme (Kölner Stadtanzeiger am 15. Dezember 1998 zum 70. Geburtstag von Pierluigi Campi":

"Gedanklich fühle ich mich wie 35, aber wenn ich in den Spiegel schaue, bin ich entsetzt." Pierluigi Campi, von allen nur "Gigi" genannt und eine Legende unter den Kölner Gastronomen, feiert heute im Kreis von 350 geladenen Gästen seinen 70. Geburtstag.

"Es fällt mir nicht schwer, alt zu werden, wenn ich weiter gefordert werde." Was ihn stört, sind immer wieder die Fragen nach seiner Vergangenheit. Dabei hat Campi, Gastronom und Lebenskünstler, die Dorflinden-Nostalgie, die sich um seinen ehemaligen Eissalon auf der Hohe Straße rankt, längst abgehakt; zumindest behauptet er das. Doch was wäre Gigi Campi ohne seine Vergangenheit? Ohne seine Eltern, die 1925 hier die erste italienische Eisdiele gründeten, ohne den Nachkriegssalon (1949-1980) auf der Hohe Straße, den er, inzwischen angehender Architekt und Jazz-Produzent (er organisierte über 400 Konzerte, 25 Festivals und gründete das Clarke Boland Ensemble), zu einem Treffpunkt internationaler Prominenz machte . Hier trafen sich unter anderen Beniamino Gigli, Juliette Greco, Luise Rinser, Heinrich Böll, Karlheinz Stockhausen, Joseph Beuys, Maria Callas, Louis Armstrong, Duke Ellington. Alles tempi passati?.

"Mich interessiert die Zukunft", behauptet mit Verve der weißmähnige Italiener. In den vergangenen fünf Jahren habe er gelernt, zuzuhören. Seine Ambitionen heute? "Wie kann ich lernen, die kleinen Dinge zu genießen, die das Leben. lebenswert machen. Wie kann ich besser Freundschaften, pflegen? Ich bin neugierig auf die Liebe." Verständlich, denn vor fünf Monaten hat Campi zum dritten Male geheiratet - die 20 Jahre jüngere, erfolgreiche Mode-Industriedesignerin Ilse Stammberger.

Zur Zeit noch getrennt wohnend, "suchen sie eine neue Bleibe in der Nähe vom Wallrafplatz", verkündet der Jungvermählte. Denn die Lokale "Alter Wartesaal" im Bahnhof, "Campi am Frankenturm" und seit vorigem Jahr "Campi im Funkhaus" am Wallrafplatz sind seine Wirkstätten. Den "Alten Wartesall restaurierte Campi nach eigenen Plänen und führt ihn seit 13 Jahren in Partnerschaft mit Talkmaster Alfred Biolek, Andreas Lichter und Sohn Paolo Campi. Ebenfalls nach seinen Ideen wurde die Funkhauskantine umgebaut. Seine Partner hier: Sohn Paolo, Wolf-Dieter Kölsch und Tochter Ines als Betriebsleiterin.

Die Lokale laufen gut, doch Campis Traum, wieder ein Szenelokal zu führen, erfüllte sich nicht.

"Die Kultur hat sich geändert. Sie sprechen eine andere Sprache; die Köpfe von früher, wie ein Werner Höfer, fehlen." Gigi Campi hat das akzeptiert und strahlt dann doch ...

aktualisiert Freitag, 14. Mai 2010
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