Pressestimmen
"[...] Der als Erzähler und Essayist hervorgetretene Autor, von dem Bücher stammen wie 'Die versunkene Straßenbahn', 'Das Leibeigenentheater von Ostankino' und 'Zum Glück in Europa', erzählt mit geradezu jugendlich anmutender Verve, als hätte er nicht auf sieben Jahrzehnte zurückzublicken. [...] Über Gojowy, der von 1978 bis 1997 Redakteur für Neue Musiik beim Westdeutschen Rundfunk Köln ist und ins Rheinland, nach Unkel, übersiedelt, sagt ein Kollege, dass er als Feind berühmt und gefährlich wie Brzezinski, der Sicherheitsberater des US-Präsidenten Jimmy Carter, gewesen sei. Gojowy avancierte zu einem der führenden deutschsprachigen Entdecker und Kenner osteuropäischer, vor allem russischer Komponisten. Er verfolgt nach 1990, dass seine Arbeiten im Osten Europas allmählich veröffentlicht werden und in die weitere Forschung Eingang finden. Der erzählerische Teil, dem eine äußerst umfangreiche und informative Dokumentation folgt, endet mit dem Satz: 'Als Autor, dem die Musik um die Ohren flog, musst du zusehen, einigermaßen gesund die Zeitläufte zu überstehen, damit du noch selber erlebst, wie deine Arbeit geschätzt wird.' Das sollte ihm leider nur zum Teil vergönnt sein. Detlef Gojowy starb nach langer schwerer Krankheit im Oktober 2008." (Michael G. Fritz in: Dresdner Neueste Nachrichten vom 23. März 2009)
"Das letzte Werk, der letzte Brief: Im Juli dieses Jahres noch konnte Detlef Gojowy das Vorwort zu seinem 704 Seiten umfassenden im Verlag Dohr, Köln, erschienenen Buch 'Musikstunden' beenden, im September noch sandte er seine Einschätzung über den verstorbenen Alexander Solschenizyn (Leser-Forum, Seite 19). Am 20. Oktober erhielt die Redaktion dieser Zeitschrift die Nachricht zum Tod Detlef Gojowys, dieses so begeisterungsfähigen und kompetenten Wissenschaftlers und Redakteurs. Die Literat-Leser schätzten seine Beiträge im Bereich Theater, Musik, Literatur über einen Zeitraum von zwanzig Jahren. Nicht nur sie werden diese Stimme vermissen, die neuerlich nicht mehr wird hörbar sein, anhaltend jedoch zugegen bleibt für den, der sich nun auf seine 'Musikstunden' verwiesen sieht, die Detlef Gojowy hinterlassen hat. Er nannte sie im Untertitel 'Beobachtungen, Verfolgungen und Chroniken neuer Tonkunst'.
1934 in Freital bei Dresden geboren, studierte er in Ost-und Westberlin Germanistik und Musik und promovierte über 'Moderne Musik in der Sowjetunion bis 1930'. Zunächst als Lehrer tätig, wurde Detlef Gojowy wissenschaftlicher Mitarbeiter am Göttinger Bach-Institut, um ab 1976 als Redakteur für Neue Musik bei Radio Bremen und später am WDR zu arbeiten. Vortragsreisen und Konzerte führten ihn in praktisch alle Teile der Welt. Seine Monographien über Schostakowitsch, Glasunow und andere erschlossen die russische und osteuropäische Neue Musik und Avantgarde. Welch Widerstände u.a. in Form von Visa-Verweigerungen sich ihm dabei während des Kalten Krieges, sogar noch um 1991, in den Weg stellten, aber auch welche Hoffnungen aus der Quelle der Töne geschöpft werden konnten, wenn Gojowy sie - anlässlich seiner Reportage über die Biennale neuer Musik in Zagreb während des zweiten Kriegsjahrs 1993 - als 'Ein Stück Freiheit in der Not' formuliert, ist in dem brillant gearbeiteten autobiographischen Teil der 'Musikstunden' beschrieben und wird aus dem sich über fast vierzig Jahre erstreckenden dokumentarischen Teil ersichtlich." (IB - Der Literat 12/2008, S. 18)
"[…] Nach Anstellungen beim Deutschen Musikrat und bei Radio Bremen folgte er 1978 dem Ruf des WESTDEUTSCHEN RUNDFUNKS nach Köln, wo er seine Entdeckungen auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik Osteuropas und von Komponisten der frühen Avantgarde bis zu seiner Pensionierung 1997 mit den Hörern von WDR 3 teilte und so eine Brücke über den Eisernen Vorhang hinweg schlug - ein Thema, das auch in den belletristischen Veröffentlichungen Gojowys stets aktuell blieb.
Die politische Seite dieser Arbeit wurde ihm schmerzlich bewusst, als er - so hat er es jedenfalls wahrgenommen - auf Betreiben sowjetischer Partner der Stadt Duisburg aus dem Organisationskomitee des Rheinischen Musikfestes 1984 ausgeschlossen wurde; seine vielfach übersetzte Biographie über Dmitrij Schostakowitsch wurde in der DDR verboten. Ein bitterer Grundton seiner vor kurzem erschienen autobiographischen Musikstunden erklärt sich auch aus solchen Erlebnissen. Gojowys musikschriftstellerische Chronik des 20. Jahrhunderts endet versöhnlich: 'Als Autor, dem die Musik um die Ohren flog, musst du zusehen, einigermaßen gesund die Zeitläufte zu überstehen, damit du noch selber erlebst, wie deine Arbeit geschätzt wird.' In seinem Haus in Unkel am Rhein erreichten ihn noch die ersten lobenden Reaktionen auf dieses Buch, bevor er am 12. Oktober nach langer schwerer Krankheit starb." (Patrick Hahn in: WDR Print 12/2008, S. 12)