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Abstract
Philipp Jarnach (1892-1982) gehörte in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts zu den führenden Komponisten moderner Musik; sein Name wurde in einer Reihe mit denen von Strawinsky, Schönberg, Bartók und Hindemith genannt. Als Sohn eines Spaniers und einer Flämin, mit Wirkungskreis in Frankreich, der Schweiz und in Deutschland war er ein europäischer Komponist par excellence, so wie sein großer Lehrer und Freund Ferruccio Busoni, dessen letzte zehn Lebensjahre er aus nächster Nähe miterlebte, und dessen nachgelassenes Hauptwerk, die Oper "Doktor Faust", er vollendete.
Stefan Weiss' Dissertation "Die Musik Philipp Jarnachs", die erste Monographie über den Komponisten überhaupt, folgt den Stationen eines Lebens, das durch die Zentren der Musik- und Kulturgeschichte Europas führte. Höhepunkte der frühen Jahre sind seine Begegnungen mit Debussy und Ravel im Paris der ausklingenden Belle Epoque und sein Aufenthalt in Zürich, der Flüchtlings-Metropole während des Ersten Weltkriegs, wo sich der 25jährige in einer unfreiwilligen Wohngemeinschaft mit James Joyce wiederfindet. Und nach dem Krieg: Berlin, Hauptstadt der goldenen Zwanziger, deren musikalische Moderne Jarnach in vielfältigen Aktivitäten mitgestaltet - als Organisator sezessionistischer Konzerte, als überragender Pianist, und natürlich als Komponist. In dieser Eigenschaft ist er der Hoffnungsträger derjenigen Beobachter des Musiklebens, die nicht die Negation der Tonalität, sondern die Integration von Tonalität und Atonalität als Zukunftsweg erkennen.
1927 wird Jarnach als Kompositionslehrer an die
Kölner Musikhochschule berufen, an der er
Generationen rheinischer Komponisten ausbildet -
sein eigenes Schaffen geht nach den zwanziger
Jahren allerdings mehr und mehr zurück. Nach
dem Zweiten Weltkrieg ist der Komponist nahezu
vergessen gegenüber dem Pädagogen, der
die Hamburger Musikhochschule als deren erster
Direktor aufbaut.
Neben der eigentlichen Biographie enthält
die Studie eingehende Untersuchungen von Jarnachs
Hauptwerken aus den Jahren 1913 bis 1952. Die
musikästhetischen Positionen Jarnachs werden
anhand seiner zahlreichen Schriften zur Musik
umrissen; sein Bild bei Zeitgenossen und Nachwelt
ist Gegenstand einer differenzierten
Rezeptionsanalyse. Den Anhang bildet ein
ausführliches Verzeichnis des Gesamtwerks
(JWV) mit Quellenbeschreibungen.
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Pressestimmen
"Es ist das ungeheure Verdienst dieser
Dissertation, aufgrund intensiver
Nachlaß-Recherchen, eingehender
Gespräche mit den Nachkommen ... und
überlebenden Schülern des Komponisten
sowie dank erheblicher analytischer Anstrengungen
ein Bild vom Leben, Denken und Schaffen Philipp
Jarnachs gezeichnet zu haben, das dem Selbstbild
des Lehrers und Künstlers ziemlich
ähnlich sein dürfte ... Kulturgeschichte
der Zeit pur."
Lutz Lesle, Neue Zeitschrift für Musik
"... eine Doktorarbeit ohne akademischen Muff, die sich als zur Zeit grundlegendstes und genauestes Buch über den Vergessenen empfiehlt ... In angenehm schnörkelloser Sprache ohne Jargon-Manierismen entblättert Weiss in fünf Kapiteln Jarnachs Persönlichkeit ... Weiss entfaltet alle Daten als Ergebnis sauberer Recherche, die auch in das Jarnach-Werkverzeichnis einfließt, das mit seinen 126 Nummern einen beeindruckenden Hauptteil des Bandes ausmacht."
Michael Struck-Schloen, WDR 3 "Musikszene
West"
"... mit geradezu detektivischer Akribie"
Christoph Keller, Dissonanz (CH)
"Wer sich für rheinische Musikgeschichte
in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts
interessiert, findet bei Weiss etliche
Zeitdokumente, die über den Einzelfall Jarnach
hinaus Erkenntniswert haben."
Marianne Kierspel, Kölner
Stadt-Anzeiger
"In seiner Kölner Dissertation versteht
es Weiss, musikhistorisch und -analytisch seine
These umfassend zu belegen, bei Jarnach (1892-1982)
handele es sich um eine der letzten vergessenen
Größen der zwanziger Jahre. Die
biographischen wie die damit verzahnten
musikanalytischen Sachverhalte sind treffend und
schön formuliert. Ungewöhnlich abgewogen
ist Weiss' Darstellung von Jarnachs Verhalten
während der NS-Zeit, die er generell als
'Strategie der Unauffälligkeit'
charakterisiert. Daß er sich aufgrund des
allgemeinen Terrors einerseits ruhig verhielt,
andererseits aber nach einer zweijährigen
Phase der Nichtaufführung (1933-35) froh
über Erfolge selbst in faschistischen
Kontexten war, wertet Weiss als Anpassung, zeigt
aber ineins mit der behutsamen Kritik auch
berechtigtes Verständnis angesichts der
angstmachenden damaligen Gesamtzustände, ohne
wiederum in die sonst übliche Apologetik zu
verfallen."
Prof. Dr. Hanns-Werner Heister, Neue Zeitschrift
für Musik 11/1998
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