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Dr. Stefan Weiss

Die Musik Philipp Jarnachs. 478 S. + XX S. Abb., Notenbeisp.;kart.
Köln: Verlag Dohr 1996
ISBN 978-3-925366-53-6
EURO 39,80

Abstract

Philipp Jarnach (1892-1982) gehörte in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts zu den führenden Komponisten moderner Musik; sein Name wurde in einer Reihe mit denen von Strawinsky, Schönberg, Bartók und Hindemith genannt. Als Sohn eines Spaniers und einer Flämin, mit Wirkungskreis in Frankreich, der Schweiz und in Deutschland war er ein europäischer Komponist par excellence, so wie sein großer Lehrer und Freund Ferruccio Busoni, dessen letzte zehn Lebensjahre er aus nächster Nähe miterlebte, und dessen nachgelassenes Hauptwerk, die Oper "Doktor Faust", er vollendete.
Stefan Weiss' Dissertation "Die Musik Philipp Jarnachs", die erste Monographie über den Komponisten überhaupt, folgt den Stationen eines Lebens, das durch die Zentren der Musik- und Kulturgeschichte Europas führte. Höhepunkte der frühen Jahre sind seine Begegnungen mit Debussy und Ravel im Paris der ausklingenden Belle Epoque und sein Aufenthalt in Zürich, der Flüchtlings-Metropole während des Ersten Weltkriegs, wo sich der 25jährige in einer unfreiwilligen Wohngemeinschaft mit James Joyce wiederfindet. Und nach dem Krieg: Berlin, Hauptstadt der goldenen Zwanziger, deren musikalische Moderne Jarnach in vielfältigen Aktivitäten mitgestaltet - als Organisator sezessionistischer Konzerte, als überragender Pianist, und natürlich als Komponist. In dieser Eigenschaft ist er der Hoffnungsträger derjenigen Beobachter des Musiklebens, die nicht die Negation der Tonalität, sondern die Integration von Tonalität und Atonalität als Zukunftsweg erkennen.
1927 wird Jarnach als Kompositionslehrer an die Kölner Musikhochschule berufen, an der er Generationen rheinischer Komponisten ausbildet - sein eigenes Schaffen geht nach den zwanziger Jahren allerdings mehr und mehr zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Komponist nahezu vergessen gegenüber dem Pädagogen, der die Hamburger Musikhochschule als deren erster Direktor aufbaut.

Neben der eigentlichen Biographie enthält die Studie eingehende Untersuchungen von Jarnachs Hauptwerken aus den Jahren 1913 bis 1952. Die musikästhetischen Positionen Jarnachs werden anhand seiner zahlreichen Schriften zur Musik umrissen; sein Bild bei Zeitgenossen und Nachwelt ist Gegenstand einer differenzierten Rezeptionsanalyse. Den Anhang bildet ein ausführliches Verzeichnis des Gesamtwerks (JWV) mit Quellenbeschreibungen.

Pressestimmen

"Es ist das ungeheure Verdienst dieser Dissertation, aufgrund intensiver Nachlaß-Recherchen, eingehender Gespräche mit den Nachkommen ... und überlebenden Schülern des Komponisten sowie dank erheblicher analytischer Anstrengungen ein Bild vom Leben, Denken und Schaffen Philipp Jarnachs gezeichnet zu haben, das dem Selbstbild des Lehrers und Künstlers ziemlich ähnlich sein dürfte ... Kulturgeschichte der Zeit pur."
Lutz Lesle, Neue Zeitschrift für Musik

 "... eine Doktorarbeit ohne akademischen Muff, die sich als zur Zeit grundlegendstes und genauestes Buch über den Vergessenen empfiehlt ... In angenehm schnörkelloser Sprache ohne Jargon-Manierismen entblättert Weiss in fünf Kapiteln Jarnachs Persönlichkeit ... Weiss entfaltet alle Daten als Ergebnis sauberer Recherche, die auch in das Jarnach-Werkverzeichnis einfließt, das mit seinen 126 Nummern einen beeindruckenden Hauptteil des Bandes ausmacht."
Michael Struck-Schloen, WDR 3 "Musikszene West"

 "... mit geradezu detektivischer Akribie"
Christoph Keller, Dissonanz (CH)

 "Wer sich für rheinische Musikgeschichte in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts interessiert, findet bei Weiss etliche Zeitdokumente, die über den Einzelfall Jarnach hinaus Erkenntniswert haben."
Marianne Kierspel, Kölner Stadt-Anzeiger

 "In seiner Kölner Dissertation versteht es Weiss, musikhistorisch und -analytisch seine These umfassend zu belegen, bei Jarnach (1892-1982) handele es sich um eine der letzten vergessenen Größen der zwanziger Jahre. Die biographischen wie die damit verzahnten musikanalytischen Sachverhalte sind treffend und schön formuliert. Ungewöhnlich abgewogen ist Weiss' Darstellung von Jarnachs Verhalten während der NS-Zeit, die er generell als 'Strategie der Unauffälligkeit' charakterisiert. Daß er sich aufgrund des allgemeinen Terrors einerseits ruhig verhielt, andererseits aber nach einer zweijährigen Phase der Nichtaufführung (1933-35) froh über Erfolge selbst in faschistischen Kontexten war, wertet Weiss als Anpassung, zeigt aber ineins mit der behutsamen Kritik auch berechtigtes Verständnis angesichts der angstmachenden damaligen Gesamtzustände, ohne wiederum in die sonst übliche Apologetik zu verfallen."
Prof. Dr. Hanns-Werner Heister, Neue Zeitschrift für Musik 11/1998

aktualisiert Montag, 10. März 2008
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