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Michael Heinemann /
Hans-Joachim Hinrichsen (Hgg.)

Johann Sebastian Bach und die Gegenwart. Beiträge zur Bach-Rezeption 1945-2005, herausgegeben von Michael Heinemann und Hans-Joachim Hinrichsen in Zusammenarbeit mit Andreas Krause
488 S., Notenbsp., Hardcover
ISBN 978-3-936655-43-8
EURO 74,80

(Cover anklicken zum Vergrößern)

"Was ist Bach und was bedeutet er für unsere Zeit?" Eine Umfrage unter Komponisten und Interpreten aus dem Jahre 1905 bietet, 100 Jahre später wiederholt, den Anlass, der Wirkung Bachscher Musik nachzugehen: in aller Welt und den unterschiedlichsten künstlerischen Medien.
Diese Bestandsaufnahme wird begleitet von Darstellungen der vielfältigen Wege der Bach-Interpretation und -Forschung des letzten halben Jahrhunderts, der Bedeutung Bachscher Musik für Komponisten Neuer Musik wie auch in Jazz und Rock. Das Spektrum verschiedenster Zugänge zu Bach aufzuzeigen, gerät dabei zugleich zu einer Analyse der Kultur unserer Gegenwart.

Inhalt

  • Michael Heinemann / Hans-Joachim Hinrichsen: Der universale Bach

I. Weltmusik

  • Tobias Robert Klein: Bach in Afrika - Eine Rezeptionsskizze
  • Seiko Ito / Shinji Koiwa: Aspekte der Bach-Rezeption in Japan
  • Bernward Halbscheffel: Bach und Jazz und Rock

II. Präsenz

  • Michael Märker: Johann Sebastian Bach unter den Bedingungen der deutschen Zweistaatlichkeit
  • Hans-Joachim Hinrichsen: Universalität und Zersplitterung. Wege der Bachforschung 1945-2005

III. Medien

  • Tobias Plebuch: Der dunkle Spiegel. Bachs Musik in den Filmen Ingmar Bergmans
  • Arne Langer: Bach auf der Bühne - Ein Überblick

IV. Interpretation

  • Dominik Sackmann: Bachs Musik mit den Augen des 18. Jahrhunderts lesen? - Bachs Musik mit den Ohren des 20. Jahrhunderts hören! Zur Bach-Interpretation in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
  • Michael Heinemann: Mensch Bach. Zur Konstruktion einer Künstlerpersönlichkeit

V. Neue Musik

  • Andreas Krause: ...und fliehet dem Bache zu... Kompositorische Bach-Rezeption 1950-2000
  • Andreas Krause: Eine Bach-Umfrage 1905/2005 – und dazwischen: Komponisten über Bach.
  • Die Bach-Umfrage

* * *

  • Personenregister

Pressestimmen

"In Wirklichkeit haben wir hiermit den Abschluss einer vierbändigen Serie: 'Bach und die Nachwelt' vorliegen, was durch den Verlagswechsel nicht sofort auffällt; die hier gemeinte Gegenwart reicht von 1945 bis 2005. In dieser uns am nahesten liegenden und teilweise noch aus eigener Erfahrung bekannten Periode waren schon viele bis heute aktuelle Fragen virulent. Man staunt anhand der Beiträge zu diesem Sammelband, welche Karriere dieser durch seine späten Leipziger Jahre stets zum 'Thomaskantor' verengte Musiker weltweit machte: in Afrika und Japan, in Jazz und Rock, in Filmen, die ihm gar nicht gewidmet sind, sondern ihn nur akustisch zitieren (besonders bei Ingmar Bergmann, Jean-Marie Straubs Bach-Film wird allerdings nicht einmal erwähnt), auf den Bühnen des Tanztheaters und in zeitgenössischen Kompositionen. Man staunt, wie intim und verehrungsvoll, oft auch absolut affirmativ, schwärmerisch und unkritisch heutige Komponisten und Musiker sich Bach nähern oder ihn sich einverleiben. [...] Adornos Hinweis auf das Clavichord statt des von jenen Liebhabern Bachs, gegen die er meinte ihn verteidigen zu müssen, favorisierten Cembalos war zwar nur polemisch oder sogar hämisch gemeint, man könnte ihn aber genauso gut konstruktiv dahin wenden, dass man dieses Instrument tatsächlich öfter einsetzt, um Bach'sche Claviermusik zu spielen. Man hätte damit vermutlich eine differenziertere Klangerscheinung anvisiert, die den Vorstellungen Bachs sicher nahe käme, für eine Präsentation in musikbetrieblichen Konzertsälen der Gegenwart aber völlig untauglich wäre. Dass ein solcher Vorschlag von den meisten Interpreten heute als bloß provokant und wohl nicht ernst gemeint zurückgewiesen würde, zeigt, wie weit wir immer noch von historischer Wahrheit und auch nur einem Bemühen um Authentizität entfernt sind. Es wäre aber weit weniger experimentell, als Bach auf einem Steinway vor Tausenden von Zuhörern zu spielen, womit man behauptet, automatisch den Hörgewohnheiten der heute lebenden Menschen näher zu sein. Welch ein Irrtum, was für eine mechanistische Unterstellung! Warum nicht einem Clavichord-Experiment in einem kleinen Raum beiwohnen oder es von einer technisch perfekten Studio-Aufnahme auf CD anhören, statt sich bei einer konventionellen Darbietung beider Teile des Wohltemperierten Claviers mit Pedal in einem Philharmonie-Gebäude zu langweilen oder sich über eine mit manierierten modischen Gags aufgedonnerte zu ärgern?
Das Schöne an diesem enorm materialreichen Buch (auch zu der von Heinemann verhandelten Frage der Biographik) ist, dass es zu solchen Überlegungen dringend einlädt und über das Dokumentarische hinaus selber einen Anstoß gibt zu einem sich wiederum verändernden Bach-Bild im gegenwärtigen 21. Jahrhundert." (Peter Sühring, in: Concerto 4-5/2009, S. 10f.)

"[...]. Der Band behandelt den 'universalen Bach', was naturgemäss nur in exemplarischen Einzeldarstellungen möglich ist. Der durchaus für sich lesbare und auch für Laien sehr lesenswerte Band bringt zum Teil sehr umfangreiche Aufsätze von elf Autoren, die in fünf Themenkomplexe gegliedert sind: Weltmusik, Präsenz, Medien, Interpretation und Neue Musik.
Der Untertitel 'Beiträge zur Bach-Rezeption 1945-2005' ist nicht so genau zu nehmen, weil manche Artikel das ganze 20. Jahrhundert abgreifen. Darauf weist auch das Schlusskapitel von Andreas Krause hin, der darin die legendäre Bach-Umfrage der Zeitschrift 'Die Musik' aus dem Jahr 1905 mit der exakt gleichen Fragestellung 100 Jahre später wiederholt hat: 'Was ist mir Johann Sebastian Bach und was bedeutet er für unsere Zeit?' Während vor 100 Jahren gegen 90 Komponisten und Interpreten antworteten, finden wir hier über 50 ganz persönliche Statements von in der Musikwelt prominenten Damen und Herren. [...] Am Ende des Buches findet man ein umfangreiches Personenregister, leider aber kein Wort zu den Verfassern der einzigen Artikel. Insgesamt liegt in dem Band eine wertvolle, erhellende und gut lesbare Darstellung für alle 'Kenner und Liebhaber' Bachs vor." (Ulrich Wilhelm, in: Musik und Gottesdienst, 62. Jahrgang [2008], S. 172)

"[...] Dass der im Einleitungsaufsatz von M. Heinemann und H.-J. Hinrichsen angesprochene Plan für eine Gesamtdarstellung der Rezeptionsgeschichte (der Nachkriegszeit) aufgeschoben scheint, nimmt man mit Bedauern zur Kenntnis. So bunt das Themenspektrum wirkt, so sehr muss seine Heterogenität die Leseerwartungen fraktionieren: Bach in Afrika und Japan, in Jazz und Rock (mit umfassender Diskographie), in den Filmen Ingmar Bergmanns, im Tanztheater, in der Neuen Musik und in der Literatur. Abgerundet wird der Band mit einem Reader, der prominente Statements zu einer Bach-Umfrage 2005 (ähnlich der von 1905 und 1985) versammelt. [...]
In dem Beitrag 'Universalität und Zersplitterung. Wege der Bachforschung 1945-2005' skizziert H.- J. Hinrichsen Stationen und Problemfelder der neueren Bach-Rezeption: die Entstehungsgeschichte der Neuen Bach-Gesamtausgabe und Bemühungen um eine neue Chronologie; es werden Hauptwege der Bachforschung nachgezeichnet und problematisiert: die Debatte um die Deutungspole 'Kapellmeister' (Vetter) und 'Thomaskantor' (Smend), 'Wegbereiter' (Besseler) und 'Abschluss' (Eggebrecht), die stilistischen Werkzugänge über die barocke Rhetorik und Bildlichkeit (Gurlitt) bis hin zu den Irrwegen der Zahlensymbolik, die Diskussionen um den Philologismus und die Genese der theologischen Bachforschung (Blankenburg, Paetzold). Die Offenheit und Strittigkeit des gegenwärtigen Bachbildes wird an der Gegenüberstellung der drei Monumentalbiographien von Forchert, Geck bzw. Wolff deutlich. Wie Heinemann (in seinem Aufsatz 'Mensch Bach') sieht Hinrichsen das drängendste Forschungsdesiderat in der Untersuchung des kulturgeschichtlichen Kontextes, der 'Lebenswelt' Bachs (Leipzig, Residenz).
Aus dem Blickwinkel der Interpretationsthematik und insbesondere der historischen Aufführungspraxis ist ein Aufsatz von D. Sackmann. Bemerkenswert: 'Bachs Musik mit den Augen des 18. Jahrhunderts lesen? - Bachs Musik mit den Ohren des 20. Jahrhunderts hören. Zur Bach-Interpretation in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts'. Neben dem von Martin Elste und John Butt ist dies der dritte Versuch, die Geschichte der Bach-Interpretation in den letzten Jahrzehnten nachzuzeichnen und zu bewerten. [...]" (Robert Strobl in Toccata 35/2008, S. 28)

"Der ursprünglich als vierter Band von 'Bach und die Nachwelt' gedachte und nun im Dohr-Verlag erschienene Band 'Johann Sebastian Bach und die Gegenwart' setzt, wie man trotz dem veränderten Erscheinungsbild unschwer erkennen kann, das Konzept der früheren drei Bände fort. In den Blickpunkt der Herausgeber rückt nun 'der universale Bach'. Dass sich dieses Vorhaben nicht erschöpfend, sondern nur exemplarisch ausführen lässt, versteht sich von selbst. [...] Insgesamt schimmert in dem Band, wie im Vorwort angetönt, ein gewisser Pessimismus durch, dass die Wissenschaft mit ihrem kritischen und facettenreichen Bach-Bild gegenüber der Kulturindustrie, die das konventionelle Bild zementiert, am kürzeren Hebel sitzt." (Thomas Schacher in: in: Neue Zürcher Zeitung vom 15./16. Dezember 2007, Nr. 292)

"Cet ouvrage aurait dû logiquement clore la belle serie ‚Bach und die Nachwelt’ dirigée par les deux maîtres d’œuvre de ce volume et consacrée jusqu'ici à la période 1750-1950 (voir BullMHFA, 37, 2001, p. 189-204). De façon regrettable, les editions Laaber en ont décidé autrement, et c'est donc dans un autre contexte éditorial que paraît ce volume abordant la réception de Jean-Sebastien Bach et de sa musique dans la Seconde moitié du XXe s. Entreprise difficile tant, au cours de cette période, les voies et les formes de la réception se sont multipliées, diversifiées et étendues. L'œuvre musicale, dans ce qui nous est du moins parvenu, est répertoriée depuis longtemps déjà et les questions d'attribution et d'identification sont pour la plupart clarifiées. Une grande partie de ce travail se trouve consignée dans une nouvelle edition critique complète (La Neue Bachausgabe achevée en 2006), explorant en detail les modes de diffusion et de transmission au XVIIIe s. Guère d'autres musiciens n'ont fait l'objet depuis les années 1950 d'autant d’études scientifiques qui se chiffrent à plusieurs milliers de titres et présentent un caractère fortement international (recherches allemandes et americaines surtout, mais aussi japonaises). Une recherche, comme le montre l'excellente contribution dans ce volume, particulièrement productive, à caractère volontiers philologique (portant entre autres sur les questions de datation et de chronologie, sur les conditions de composition et d'exécution, sur les effectifs vocaux et instrumentaux) qui a contribue notamment à réviser l'image traditionnelle de Bach - incarnation par excellence du Cantor lutherien mais qui, en raison de son hyperspécialisation et de sa concentration sur la personne de Bach, a longtemps negligé, en revanche, l'étude des contextes sociaux, culturels et religieux dans lesquels le musicien a vécu et évolué. On ne compte plus, par ailleurs, les concerts, les festivals, les manifestations musicales aux quatre coins du monde consacrées ä la musique du Cantor de Leipzig, et programmer en particulier l'une des grandes œuvres vocales du maître est la garantie quasi assurée de remplir une salle de concert ou une église. L'industrie discographique a pour sa part contribué de façon decisive à l'accès aux œuvres - l'ensemble de sa musique est aujourd'hui accessible en CD -, ce qui n'empêche pas une connaissance elargie de la musique du Cantor de se limiter à un ‚canon’ de quelques pièces, instrumentales ou vocales, immuablement réenregistrées. La musique de Bach est saus doute aussi celle qui a connu les bouleversements interpretatifs les plus importants, aidée en cela par l'édition discographique qui façonne de plus en plus le goût musical en même temps qu'elle amène des changements dans les habitudes d'écoute rejaillissant à leur tour sur la manière d'apprehender les œuvres. Dans la seconde moitié du XXe s., la musique de Bach continue d'être une référence et une source d'inspiration pour de nombreux compositeurs dans une pluralité d'approches et de styles (Berio, Chostakovitch, Kagel, Pärt, Penderecki, Rihm, parmi bien d'autres), mais elle est également l'objet privilegié d'adaptations du côte du jazz comme de la musique rock. Par ailleurs, metteurs en scene et chorégraphes ont adapté differentes pièces instrumentales ou quelques-unes des grandes œuvres vocales (les Passions notamment) pour la scène et des réalisateurs de film (Ingmar Bergman, entre autres, étudié dans ce volume) ont eu aussi fréquemment recours à la musique du Cantor de Leipzig dans leurs films. Tels sont quelques-uns des aspects développés dans ce volume qui ne recherche pas une exhaustivité devenue aujourd'hui impossible, mais tente plutôt d'interroger et d'éclairer un certain nombre de phenomenes. Il en est ainsi de l'internationalisation de la musique de Bach, le présent volume ayant retenu deux exemples, interessants notamment pour les questions d'acculturation qu'ils posent: la réception de la musique de Bach sur le continent africain et au Japon. Les contextes politiques interallemands qui marquent si fortement de leur empreinte la réception de Bach en Allemagne à cette époque, ne sont pas non plus négligés dans ce volume, Bach devenant dans l'Allemagne divisée un enjeu culturel et politique entre l'Ouest et l'Est. Bach serait-il donc aujourd'hui un musicien 'universel’?, s'interrogent les deux éditeurs du volume dans leur introduction. Le fait que, plus que toutes autres, ses compositions se prêtent à des approches aussi diverses et variées, voire contradictoires, peut être as­surement interpreté comme le signe de la permanente actualité de sa musique.“ (Patrice Veit / Centre National de la Recherche Scientifique, in: Bulletin d’information de la Mission Historique Française en Allemagne Nr. 43 [12/2007], S. 395f.)

"[...] Heinemann und Hinrichsen lassen also die nötige Freiheit, wo es das Thema nahe legt, sie vermögen auf der anderen Seite aber auch keinerlei Anspruch auf einen umfassenden Überblick zu erheben. So wird unter dem Überbegriff 'Weltmusik' die Bach-Rezeption in Afrika (Tobias Robert Klein) und Japan (Seito Itô / Shinji Koiwa) herausgegriffen, ergänzt um 'Bach und Jazz und Rock' (Bernward Halbscheffel). Damit hat es aber auch innerhalb dieses Themenkreises sein Bewenden. Solcher Begrenztheit eignet eine gewisse Beliebigkeit, ein Eindruck, den etwa auch Dominik Sackmann mit seiner Untersuchung zur 'Bach-Interpretation in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts' nicht wegwischen kann. Und die abschließende 'Bach-Umfrage', innerhalb derer sich rund fünfzig Komponisten und Künstler zum Thema 'J. S. Bach' äußern, zeigt schon in der unumgänglichen Vorauswahl und Limitierung die Unmöglichkeit einer auch nur annähernd erschöpfenden Auskunft." (Thomas Bopp in: NZfM 3/2007, S. 94)

"Der Untertitel „Beiträge zur Bach-Rezeption 1945 – 2005" verweist darauf, dass es sich bei diesem Buch nur um Einzelaspekte handeln kann. Diese sind jedoch spannend zu lesen: Bach in Afrika, Bach-Industrie, Bach-Rezeption in Japan, Bach und Jazz und Rock (etwas lieblos behandelt von Bernward Halbscheffel), Bach unter den Bedingungen der deutschen Zweistaatlichkeit, – in den Filmen Ingmar Bergmans, – auf der Bühne, – Interpretation in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Artikel sind lesenswert, leider erfährt man nichts über die Autoren. Ein kurzweiliges Buch auch für Liebhaber, nicht nur für Profis – ein gutes Weihnachtsgeschenk!" (gd in: Kirchenmusik im Bistum Limburg 2/2007, S. 41)

aktualisiert Mittwoch, 3. August 2011
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