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Oliver Schwarz-Roosmann

Luigi Cherubini und seine Kirchenmusik.
320 S., zahlreiche Notenbeispiele, Werkverzeichnis, Register. Hardcover.
ISBN 978-3-936655-42-1
EURO 32,80

Luigi Cherubini galt noch 1876 als „der größte Kirchencomponist dieses Jahrhunderts“ (F. Hiller). Verwurzelt im Palestrina-Stil, der für Cherubini der Urgrund aller Kirchenmusik ist, angeregt durch die Wiener Klassik, deren Symphonik ihn beim ersten Hören zutiefst erschütterte, und geprägt durch die historische Erfahrung der französischen Revolution, des napoleonischen Kaiserreichs und schließlich der Restauration der Bourbonen hat Cherubini einen symphonischen Kirchenmusikstil geschaffen, der weitestgehend mit barocken Traditionen brach und wegweisend auf die Kirchenmusik der Romantik wirkte. Neben dem künstlerischen Werdegang Cherubinis, der bereits mit seinen Revolutionsopern Beethoven und die Komponisten der aufkeimenden Romantik wesentlich beeinflusst hat, wird in diesem Buch das reiche geistliche Werk Cherubinis vorgestellt, das - obwohl es heute nicht mehr Gemeingut ist - mit den geistlichen Werken Beethovens und Schuberts zur bedeutendsten katholischen Kirchenmusik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehört.

Pressestimmen

"Mal ehrlich: Was wissen Sie über die Kirchenmusik von Cherubini? [...] Ein Beitrag, dieser Unkenntnis abzuhelfen, ist dieses Buch. Es ist gewissermaßen ein Konzertführer ausschließlich für Cherubinis Kirchenmusik, und die ist vielfältig: 11 zumeist opulente Messen, die beiden Requien, eine Litanei sowie 20 Motetten von der Solomotette (eine besondere Form für Solostimmen mit Instrumentalbegleitung) über die Chormotette (stets mit Instrumentalbegleitung) bis hin zur sogenannten Symphonischen Motette, mit Mendelssohns Psalmkantaten vergleichbar. Die einzelnen Werke werden ausführlich besprochen: Ihre Entstehungsgeschichte wird erläutert, sie werden detailliert und mit zahlreichen Notenbeispielen und Angaben zu bisweilen recht unkonventionellen Besetzungen erklärt und analysiert. Ein kurzer Abschnitt zur Rezeption beschließt die jeweilige Werkbesprechung. Das erste Viertel des Buches ist ein ausgedehnter biographischer Abschnitt, in dem ebenfalls schon Verknüpfungen zu den Werken hergestellt werden. Ein Werkverzeichnis (nur der kirchenmusikalischen Werke) mit Angaben über Notenausgaben, ein Literaturverzeichnis sowie ein Personenregister runden dieses ausgezeichnete Buch ab, das Lust macht, Cherubinis Kirchenmusik kennenzulernen und sie vielleicht auch mal ins eigene Repertoire mit aufzunehmen. Übrigens: 2010 ist sein 250. Geburtstag!" (sl, in: Württembergische Blätter für Kirchenmusik 3/2008, S. 35)

"[...] Der Autor, selbst ein ausgewiesener Kirchenmusiker, zielt mit seinem Buch in erster Linie auf die musikalische Praxis. Die Untersuchung ist in zwei Teile gegliedert, von denen der kürzere erste eine Lebensbeschreibung enthält, während im zweiten Teil die einzelnen Werke der Kirchenmusik nach Gattungen geordnet (Messen, Requiems, Litanei, Motetten) vorgestellt werden. Dabei liegt in der Vollständigkeit und weithin auch Ausgewogenheit der Betrachtung der Hauptvorzug von Schwarz-Roosmanns Darstellung, die in erster Linie als Werkeinführung zu verstehen ist. Zwar gehen die Einzelanalysen kaum über die Detailliertheit eines gehobenen Konzertführers hinaus und stützen sich vor allem auf die Urteile anderer Kommentatoren. In dem Bemühen, Cherubinis Bedeutung für die Musikgeschichte plastisch vor Augen zu führen, trägt der Verfasser nämlich zahllose Zeugnisse und Würdigungen zusammen, in denen Werke des Komponisten mit denen anderer Kollegen vorteilhaft verglichen werden – bis hin zu einem sicherlich diskutierbaren Vergleich mit Bachs Kunst der Fuge. In ihrer Summe jedoch ergeben die Texte ein überaus wertvolles Kompendium, das als wichtiger Beitrag zur Cherubini­Literatur anzusehen ist und gewiss dazu beitragen wird, den Stellenwert des Komponisten auch in den Konzertprogrammen und der Kirchenmusikpflege noch stärker als bisher ins Bewusstsein zu rücken." (Arnold Jacobshagen in: Österreichische Musikzeitschrift 2/2008, S. 62f.)

"Gemessen an der europäischen Bedeutung Luigi Cherubinis, ist sein Wirken immer noch wenig erforscht. Während seine Werke für das Musiktheater stärkeres Interesse auf sich gezogen haben, kann die Kirchenmusik nach wie vor als Desiderat der Forschung gelten. Insbesondere ihre institutionellen Voraussetzungen sind bislang nur ansatzweise bekannt, aber auch umfassende gattungsgeschichtliche Einordnungen stehen noch aus. [...] Bei den von Schwarz-Roosmann untersuchten Kompositionen ist die Zuordnung eindeutig. In chronologischer Reihenfolge präsentiert er Cherubinis Messen, die Requiem-Kompositionen, die 'Litanie della Vergine' sowie die Motetten. Dabei beleuchtet er den Entstehungskontext, musikalische Charakteristika, textliche Besonderheiten und die Rezeption der Werke. Besonders die zahlreichen Notenbeispiele fallen positiv ins Gewicht. Bedauerlich ist allerdings, dass sich Schwarz-Roosmann auch hier oftmals auf Zeugnisse aus zweiter oder sogar dritter Hand verlässt (S. 231). Leider vermisst der Leser in der Zusammenstellung der handschriftlichen Quellen und Druckausgaben (S. 294–315) einen Hinweis darauf, auf welcher Quellengrundlage die Analysen Schwarz-Roosmanns beruhen. Den Anspruch des handbuchartigen Überblicks löst der Autor dennoch überzeugend ein. Seine Informationen zu den Werken entsprechen im Allgemeinen dem heutigen Forschungsstand; auch Angaben zum Schwierigkeitsgrad der einzelnen Stücke und zur notwendigen Besetzungsstärke fehlen nicht. So bleibt zu hoffen, dass sich durch Schwarz-Roosmanns Buch tatsächlich Kapellmeister und Kantoren angeregt fühlen mögen, häufiger Kirchenmusik Luigi Cherubinis in ihre Konzertprogramme aufzunehmen. Zu wünschen wäre es ihr." (Christine Siegert) in: Die Tonkunst, April 2007, Nr. 2, Jg. 1 (2007), S. 161f.

"[...] Dieses Buch ist für alle Musiker und Musikliebhaber, die jenseits des klassisch-romantischen Repertoires Neuland betreten und ihr austrozentrisches Weltbild revidieren wollen, unbedingt empfehlenswert." (Marianne Noeske in: Forum Musikbibliothek Jahrgang 28, Heft 2007/1, S. 69f.)

"Auf diese Idee muss erst mal einer kommen: die Kirchenmusik von Cherubini genau unter die Lupe zu nehmen. Denn die Literatur zu Cherubini ist nicht gerade üppig, und wenn, so steht meist das Opernschaffen im Vordergrund. Dabei fußt Cherubinis Ruhm, der zu Lebzeiten als einer der führenden Komponisten gelten durfte, nicht zuletzt auf seinen monumentalen Sakralwerken, darunter das c-Moll-Requiem oder die Messe solennelle.
Oliver Schwarz-Roosmann, selbst Kirchenmusiker, hat sich diesem Themenkomplex zugewandt und ihn auf umsichtige, akribische Weise erschlossen. Am Beginn steht eine rund 50-seitige Einführung in Leben und Werk Cherubinis – ein gelungener, mit zahlreichen Zitaten seiner Zeitgenossen gespickter Rundumschlag, der indirekt zeigt, wie sehr es an solchen Darstellungen mangelt. In einem zweiten Schritt setzt sich Schwarz-Roosmann intensiv mit Cherubinis Sakralwerk auseinander und mahnt gleich zu Beginn, dass der Hörer dieser Werke sich seine Unvoreingenommenheit bewahren solle. Wer bei Cherubini nach Ahnvätern, nach stilistischen Vorlagengebern sucht, wird schnell enttäuscht sein. Seine Tonsprache war – und blieb – auf ihre Weise autonom.
[...] Schwarz-Roosmanns Werkuntersuchungen erfolgen äußerst partiturnah und dürften daher auch für den aktiven Musiker von großem Wert sein. Er lenkt seinen Blick auf Gesamtstruktur und Detailbeobachtungen gleichermaßen. Die Qualität seiner Beobachtungen zeigt sich vor allem bei den vielen, oft überraschenden Querverweisen, die ein Einzelphänomen in ein übergeordnetes Ganzes einordnen. Vervollständigt werden diese Analysen durch Ausführungen zu Rezeption bzw. historischer Bedeutung. In einem kurzen Schlusskapitel stellt Schwarz-Roosmann die Frage: 'Klassiker oder Klassizist?'und kommt, einmal mehr, zu dem Ergebnis, dass Cherubini für eine Verortung in einer bestimmten Schublade nicht taugt.
Das Buch ist in Thematik und Aufbereitung, in seiner sprachlichen Anschaulichkeit und in der ständigen Bereitschaft, Vergleiche mit Schreibweisen anderer Komponisten zu ziehen, zweifellos eine Bereicherung." (Christoph Vratz in Musik und Kirche, Heft 2/2007, S. 136)

aktualisiert Dienstag, 2. August 2011
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