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Pressestimmen
"Mal ehrlich: Was wissen Sie über die Kirchenmusik von Cherubini? Am ehesten haben Sie vielleicht noch vor der Tatsache gehört, dass er als einer von ganz Wenigen zwei Requien komponiert hat komponieren musste. Weil nämlich der Erzbischof von Paris singende Frauenstimmen in der Kirche ablehnte, machte dies die Komposition eines zweiten, nur mit Männerchor besetzten Requiems nötig. Aber haben Sie eines dieser beiden Werke schor einmal gehört? Nein? Das ist genauso schade wie verwunderlich. Schade denn die Musik ist großartig (jedenfalls der kleine Ausschnitt aus seinem Oeuvre, den ich selbst kenne). Sie schlägt stilistisch eine Brücke von der Klassik eines Beethoven und Schubert hin zur Romantik. Und verwunderlich deshalb weil Cherubini noch 1876 als 'der größte Kirchencomponist dieses Jahrhunderts' (Ferdinand Hiller) galt.
Ein Beitrag, dieser Unkenntnis abzuhelfen, ist dieses Buch. Es ist gewissermaßen ein Konzertführer ausschließlich für Cherubinis Kirchenmusik, und die ist vielfältig: 11 zumeist opulente Messen, die beiden Requien, eine Litanei sowie 20 Motetten von der Solomotette (eine besondere Form für Solostimmen mit Instrumentalbegleitung) über die Chormotette (stets mit Instrumentalbegleitung) bis hin zur sogenannten Symphonischen Motette, mit Mendelssohns Psalmkantaten vergleichbar.
Die einzelnen Werke werden auführlich besprochen: Ihre Entstehungsgeschichte wird erläutert, sie werden detailliert und mit zahlreichen Notenbeispielen und Angaben zu bisweilen recht unkonventionellen Besetzungen erklärt und analysiert. Ein kurzer Abschnitt zur Rezeption beschließt die jeweilige Werkbesprechung. Das erste Viertel des Buches ist ein ausgedehnter biographischer Abschnitt, in dem ebenfalls schon Verknüpfungen zu den Werken hergestellt werden. Ein Werkverzeichnis (nur der kirchenmusikalischen Werke) mit Angaben über Notenausgaben, ein Literaturverzeichnis sowie ein Personenregister runden dieses ausgezeichnete Buch ab, das Lust macht, Cherubinis Kirchenmusik kennenzulernen und sie vielleicht auch mal ins eigene Repertoire mit aufzunehmen. Übrigens: 2010 ist sein 250. Geburtstag!" (sl, in: Württembergische Blätter für Kirchenmusik 3/2008, S. 35)
"Mit dieser Untersuchung liegt erstmals seit Hans Ternes Buch über Luigi Cherubinis Messen (Bonn 1980) wieder eine größere Abhandlung über die Kirchenmusik des Florentiner Komponisten vor, der den größten Teil seiner Karriere in Paris verbrachte und dort bis zum Direktor des Konservatoriums aufstieg. Doch obwohl Cherubini im 19. Jahrhundert sowohl in der dramatischen Komposition als auch in der Kirchenmusik zu den größten Komponisten seiner Zeit gerechnet wurde und namentlich von Beethoven und Brahms überschwänglich verehrt wurde, haben sein Ansehen und vor allem die Präsenz seiner Werke in den Spielplänen und Konzertprogrammen im 20. Jahrhundert stark abgenommen. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich die Musikwissenschaft intensiv mit seinem Werk auseinandergesetzt, so dass sein historischer Stellenwert heute wieder allgemein anerkannt wird. Insofern rennt der Verfasser, dem der aktuelle und weit verzweigte Forschungsstand zu Cherubini auf anderen Gebieten als dem der Kirchenmusik offenbar nicht in vollem Umfang bewusst ist, gewissermaßen offene Türen ein, wenn er beispielsweise konstatiert, dass 'der Kosmopolit Luigi Cherubini [...] vor 200 Jahren bereits in übernationalen Dimensionen dachte und komponierte' (S. 290).
Der Autor, selbst ein ausgewiesener Kirchenmusiker, zielt mit seinem Buch in erster Linie auf die musikalische Praxis. Die Untersuchung ist in zwei Teile gegliedert, von denen der kürzere erste eine Lebensbeschreibung enthält, während im zweiten Teil die einzelnen Werke der Kirchenmusik nach Gattungen geordnet (Messen, Requiems, Litanei, Motetten) vorgestellt werden. Dabei liegt in der Vollständigkeit und weithin auch Ausgewogenheit der Betrachtung der Hauptvorzug von Schwarz-Roosmanns Darstellung, die in erster Linie als Werkeinführung zu verstehen ist. Zwar gehen die Einzelanalysen kaum über die Detailliertheit eines gehobenen Konzertführers hinaus und stützen sich vor allem auf die Urteile anderer Kommentatoren. In dem Bemühen, Cherubinis Bedeutung für die Musikgeschichte plastisch vor Augen zu führen, trägt der Verfasser nämlich zahllose Zeugnisse und Würdigungen zusammen, in denen Werke des Komponisten mit denen anderer Kollegen vorteilhaft verglichen werden bis hin zu einem sicherlich diskutierbaren Vergleich mit Bachs Kunst der Fuge. In ihrer Summe jedoch ergeben die Texte ein überaus wertvolles Kompendium, das als wichtiger Beitrag zur CherubiniLiteratur anzusehen ist und gewiss dazu beitragen wird, den Stellenwert des Komponisten auch in den Konzertprogrammen und der Kirchenmusikpflege noch stärker als bisher ins Bewusstsein zu rücken." (Arnold Jacobshagen in: Österreichische Musikzeitschrift 2/2008, S. 62f.)
"Gemessen an der europäischen Bedeutung Luigi Cherubinis, ist sein Wirken immer noch wenig erforscht. Während seine Werke für das Musiktheater stärkeres Interesse auf sich gezogen haben, kann die Kirchenmusik nach wie vor als Desiderat der Forschung gelten. Insbesondere ihre institutionellen Voraussetzungen sind bislang nur ansatzweise bekannt, aber auch umfassende gattungsgeschichtliche Einordnungen stehen noch aus.
Oliver Schwarz-Roosmann ist nicht angetreten, die angedeuteten Desiderata aufzuarbeiten; sein Ziel ist vielmehr, ein Handbuch zu Cherubinis Kirchenmusik vorzulegen. Als 'Führer durch die Kirchenmusik Cherubinis' (S. 8) wendet es sich 'insbesondere an den praktischen Musiker, an den Kapellmeister oder den Kantor' (ebd.). Voraus geht dem Überblick über Cherubinis Kirchenmusik 'eine Zusammenfassung der wichtigsten Stationen seines Lebens, die aber unter über Lebensbeschreibungen großer Lexika wie etwa der neuen MGG hinausgehen soll.' (ebd.)
Entsprechend diesen Zielen reichert Schwarz-Roosmann im biographischen Teil Cherubinis Lebensbeschreibung mit zahlreichen Zeugnissen, etwa von Charles Burney, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Louis Spohr, Franz Liszt und Cherubinis Schüler Jacques François Fromental Halévy sowie Rezensionen aus der Leipziger 'Allgemeinen musikalischen Zeitung' an. Ansonsten stützt er seine Ausführungen vor allem auf die grundlegenden Biographien von Edward Bellasis, Richard Hohenemser und Ludwig Schemann, bezieht aber auch jüngere Studien in größerem Umfang ein.
Problematisch an den meisten biographischen Darstellungen Cherubinis sind indes eine Reihe tradierter, jedoch nicht durch Quellen belegter Details. Da Schwarz-Roosmann nicht den Anspruch erhebt, hier neue Forschungsergebnisse zu präsentieren, verwundert es nicht, dass er mehrfach solche fragwürdigen Details weiterträgt. Dies betrifft vor allem die frühen Lebensjahre des Komponisten. So war Luigi Cherubinis Vater Bartolommeo keineswegs von 1752 an 'Maestro al Cembalo' am Teatro della Pergola in Florenz (S. 11), sondern erhielt erst 1782 das Amt des zweiten Cembalisten. Zwar war er schon zuvor dem Theater in verschiedenen Funktionen verbunden, doch saß er bei den Aufführungen nachweislich der gedruckten Textbücher nicht am Cembalo (S. 12) und hatte demnach auch nicht die Funktion eines Kapellmeisters inne (S. 11). Eine Aufführung von Luigi Cherubinis Kantate 'La felicità pubblica' ist nach der Uraufführung 1774 nicht mehr bezeugt (S. 14f.) ausgehend von diesem Stück Vokalmusik hätten sich aber vielleicht Reflexionen darüber angeboten, was unter Kirchenmusik bei Cherubini alles verstanden werden kann. Zählt dieses uns heute sehr fremde Werk, das das Gemeinwohl unter Großherzog Pietro Leopoldo von Toskana (dem späteren Kaiser Leopold II.) preist, vielleicht dazu, weil es im Florentiner Dom zur Aufführung kam?
Bei den von Schwarz-Roosmann untersuchten Kompositionen ist die Zuordnung eindeutig. In chronologischer Reihenfolge präsentiert er Cherubinis Messen, die Requiem-Kompositionen, die 'Litanie della Vergine' sowie die Motetten. Dabei beleuchtet er den Entstehungskontext, musikalische Charakteristika, textliche Besonderheiten und die Rezeption der Werke. Besonders die zahlreichen Notenbeispiele fallen positiv ins Gewicht. Bedauerlich ist allerdings, dass sich Schwarz-Roosmann auch hier oftmals auf Zeugnisse aus zweiter oder sogar dritter Hand verlässt (S. 231). Leider vermisst der Leser in der Zusammenstellung der handschriftlichen Quellen und Druckausgaben (S. 294315) einen Hinweis darauf, auf welcher Quellengrundlage die Analysen Schwarz-Roosmanns beruhen.
Den Anspruch des handbuchartigen Überblicks löst der Autor dennoch überzeugend ein. Seine Informationen zu den Werken entsprechen im Allgemeinen dem heutigen Forschungsstand; auch Angaben zum Schwierigkeitsgrad der einzelnen Stücke und zur notwendigen Besetzungsstärke fehlen nicht. So bleibt zu hoffen, dass sich durch Schwarz-Roosmanns Buch tatsächlich Kapellmeister und Kantoren angeregt fühlen mögen, häufiger Kirchenmusik Luigi Cherubinis in ihre Konzertprogramme aufzunehmen. Zu wünschen wäre es ihr." (Christine Siegert) in: Die Tonkunst, April 2007, Nr. 2, Jg. 1 (2007), S. 161f.
"Luigi Cherubini (1760-1842), dieser Name ist dem durchschnittlichen Musikliebhaber geläufig, möglicherweise die eine oder andere Oper, vielleicht auch eine Berliozsche Sottise über seine Tätigkeit als Direktor der Pariser Konservatoriums. Darüber hinaus tut sich ein Abgrund der Ahnungslosigkeit auf. Diese Lücke wird nun von Oliver Schwarz-Roosmann mit Hilfe seines Buches über Cherubinis Kirchenmusik erheblich verkleinert. Schwarz-Roosmann ist Kirchenmusiker, der sich seit vielen Jahren mit Cherubinis Musik beschäftigt.
Um diese Werke sinnvoll einordnen zu können, stellt er seinem Untersuchungsgegenstand in einem ersten Teil eine ausführliche Lebensbeschreibung voran, in der Cherubinis musikalische Entwicklung und die Rezeption seiner Werke - Opern, Revolutionshymnen, Kirchenmusik - dargestellt wird. Dort werden auch Cherubinis berufliche Möglichkeiten zunächst als freischaffender Komponist unter dem Revolutionsregime und Napoleon Bonaparte und als Surintendant de la musique du Roi unter Louis XVIII. eingehend betrachtet. Die Kirchenmusik, elf Messen, zwei Reqiuemvertonungen, die Litanie della Vergine und zwanzig Motetten, wird im zweiten Teil des Buches abgehandelt. Der genauen Beschreibung der einzelnen Werke nach einem festen Schema geht eine kurze Zusammenfassung der Kompositionsprinzipien Cherubinis voraus. Zu jedem einzelnen Werk gibt es einen kurzen Abriss seiner Entstehungsgeschichte, eine knappe Analyse, in der das thematische Material und die Architektur des Werkes dargestellt werden, sowie einige Bemerkungen zur Rezeptionsgeschichte. Abschließend versucht Schwarz-Roosmann Cherubinis Kirchenmusik stilistisch einzuordnen, die er nicht in die engen Grenzen der Begriffe 'Klassik' und 'Klassizismus' zwängen will, sondern mit ihr eine 'romanische Variante der Hochklassik' (S. 286) postuliert.
Ein Verzeichnis der kirchenmusikalischen Werke Cherubinis, in dem neben der Besetzung und den Satzbezeichnungen die Standorte der Quellen sowie die publizierten Ausgaben aufgeführt werden, ein Literaturverzeichnis und ein Personenregister ergänzen das Buch. Außer einer Auflistung einiger Aufnahmen von Cherubinis Werken in der Nachbemerkung gibt es leider keine regelrechte Diskographie, die über das Inhaltsverzeichnis auffindbar wäre.
Dieses Buch ist für alle Musiker und Musikliebhaber, die jenseits des klassisch-romantischen Repertoires Neuland betreten und ihr austrozentrisches Weltbild revidieren wollen, unbedingt empfehlenswert." (Marianne Noeske in: Forum Musikbibliothek Jahrgang 28, Heft 2007/1, S. 69f.)
"Auf diese Idee muss erst mal einer kommen: die Kirchenmusik von Cherubini genau unter die Lupe zu nehmen. Denn die Literatur zu Cherubini ist nicht gerade üppig, und wenn, so steht meist das Opernschaffen im Vordergrund. Dabei fußt Cherubinis Ruhm, der zu Lebzeiten als einer der führenden Komponisten gelten durfte, nicht zuletzt auf seinen monumentalen Sakralwerken, darunter das c-Moll-Requiem oder die Messe solennelle.
Oliver Schwarz-Roosmann, selbst Kirchenmusiker, hat sich diesem Themenkomplex zugewandt und ihn auf umsichtige, akribische Weise erschlossen. Am Beginn steht eine rund 50-seitige Einführung in Leben und Werk Cherubinis ein gelungener, mit zahlreichen Zitaten seiner Zeitgenossen gespickter Rundumschlag, der indirekt zeigt, wie sehr es an solchen Darstellungen mangelt. In einem zweiten Schritt setzt sich Schwarz-Roosmann intensiv mit Cherubinis Sakralwerk auseinander und mahnt gleich zu Beginn, dass der Hörer dieser Werke sich seine Unvoreingenommenheit bewahren solle. Wer bei Cherubini nach Ahnvätern, nach stilistischen Vorlagengebern sucht, wird schnell enttäuscht sein. Seine Tonsprache war und blieb auf ihre Weise autonom.
Acht Messen und, auffälligerweise, zwei Requiems hat Cherubini hinterlassen, dazu die Litanie della Vergine und eine Reihe von Motetten. Schwarz-Roosmanns Werkuntersuchungen erfolgen äußerst partiturnah und dürften daher auch für den aktiven Musiker von großem Wert sein. Er lenkt seinen Blick auf Gesamtstruktur und Detailbeobachtungen gleichermaßen. Die Qualität seiner Beobachtungen zeigt sich vor allem bei den vielen, oft überraschenden Querverweisen, die ein Einzelphänomen in ein übergeordnetes Ganzes einordnen. Vervollständigt werden diese Analysen durch Ausführungen zu Rezeption bzw. historischer Bedeutung. In einem kurzen Schlusskapitel stellt Schwarz-Roosmann die Frage: „Klassiker oder Klassizist?” und kommt, einmal mehr, zu dem Ergebnis, dass Cherubini für eine Verortung in einer bestimmten Schublade nicht taugt.
Das Buch ist in Thematik und Aufbereitung, in seiner sprachlichen Anschaulichkeit und in der ständigen Bereitschaft, Vergleiche mit Schreibweisen anderer Komponisten zu ziehen, zweifellos eine Bereicherung." (Christoph Vratz in Musik und Kirche, Heft 2/2007, S. 136)
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