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Christian Vitalis

Hans Pfitzners Chorphantasie „Das Dunkle Reich“
216 S., zahlr. Notenbeispiele. Hardcover
ISBN 978-3-936655-39-1
EURO 24,80

Mit der Chorphantasie „Das Dunkle Reich“ (1929/30) schuf Hans Pfitzner (1869-1949) ein „literarisches Requiem“ im Angedenken an seine 1926 verstorbene Frau Mimi. Obwohl das Werk anerkanntermaßen zu den modernsten und ergreifendsten Partituren Pfitzners gehört, ist es – wie Pfitzners Schaffen generell – nur selten in Konzerten zu hören. Ressentiments hat es wegen der selbst heute noch nicht restlos aufgeklärten Stellung Pfitzners während des Nationalsozialismus gegeben. Immer wieder wurde von den Lagern der Gegner und Freunde belastendes oder entlastendes Material gesammelt und der jeweils anderen Seite vorgehalten. Selbst fünfzig Jahre nach dem Tode Pfitzners drohen die Debatten über Persönlichkeit und Weltsicht des Komponisten die Sicht auf sein Werk zu verstellen. Die vorliegende Studie weicht den angesprochenen Problemen zwar nicht aus, stellt die Musik Pfitzners jedoch erklärtermaßen in den Vordergrund. Im Zentrum steht eine bis in die Tiefen der Komposition vordringende musikalische Analyse der Chorphantasie. Neben einer Beleuchtung von Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte bietet sie interdisziplinäre Denkanstöße im bislang wenig untersuchten schaffenspsychologischen Thema „Komposition unter Verlusterfahrungen“.

Inhalt:

1. Einleitung

2. Hans Pfitzner – Notizen zu Leben und Werk

2.1. Ein knappes Persönlichkeitsprofil

2.2. Parteigänger oder Unpolitischer?

Zu Pfitzners umstrittener Stellung im Nationalsozialismus

2.3. Versuch einer Einordnung in die Musikgeschichte

2.4. Überblick über Pfitzners Schaffen

3. Zur Entstehungsgeschichte der Chorphantasie

4. Fantasie – ein Panorama

4.1. Zum Begriff der Fantasie in der Musik

4.2. Hans Pfitzner und die Fantasie

4.2.1. Einfallsästhetik und Schaffenspsychologie

4.2.2. Fantasien von Pfitzner

Exkurs: Die Chorphantasie – eine Gattung?

5. Komposition unter dem Eindruck von Verlusterfahrungen

6. Analytischer Teil

6.1. Vorbemerkung

6.2. Zu den Texten

6.3. Zur Besetzung

6.4. Zur Gesamtkonzeption: Ein Überblick

6.5. Einzelanalysen

6.5.1. Chor der Toten

6.5.2. Schnitterlied

6.5.3. Tanz des Lebens

6.5.4. Chorspruch

6.5.5. Gretchen vor der Mater dolorosa

Exkurs: Das Gebet Gretchens in anderen Vertonungen

6.5.6. Fugato und Chor

Exkurs: Der Gesang der Todten als Klavierlied

6.5.7. Scheiden im Licht.

6.5.8. Chor der Toten II

6.6. Satzübergreifende Betrachtungen

6.6.1. Vorbemerkung

6.6.2. Grundsätzliches zur Relation von Wort und Ton

6.6.3. Zu Harmonik und Satztechnik

6.6.4. Tonmalerei

6.6.5. Themen und Motive

6.6.6. Gedanken zur Tonartencharakteristik

6.6.7. Zur Form

6.6.8. Zur Orchester- und Chorbehandlung

6.6.9. Pfitzners Technik der Übergänge

6.6.10. Kleine Zusammenfassung

Exkurs: Das Orchesterlied Lethe

7. Versuch einer Einordnung

8. Zur Rezeptionsgeschichte

8.1. Vorbemerkung

8.2. Aufführungen von der Uraufführung bis zu Pfitzners Tod

8.3. Die Rezeption nach Pfitzners Tod

8.4. Einspielungen auf Tonträger

8.5. Zum Problem der Ergänzung im Konzertprogramm

9. Zum Beschluss

Anhang

Literatur- und Quellenverzeichnis

Die Dichtungen

Tab. I: Kompositionen unter Verlusterfahrungen

Tab. II: Liste der Auff. und Einspielungen


Pressestimme

"Der genaue, mit Bedacht formulierte Titel des Werkes, das dem allgemeinen musikalischen Bewusstsein entschwunden ist, lautet: 'Das dunkle Reich – Eine Chorphantasie mit Orchester, Orgel, Sopran – und Bariton-Solo, unter Benutzung von Gedichten von Michelangelo, Goethe, C. F. Meyer und R. Dehmel von Hans Pfitzner op. 38.' Pfitzner reiht die Namen der Dichter chronologisch, J. P. Vogel in seiner bekannten Monographie später alphabetisch. Ginge es nach ihrer Bedeutung für das vorliegende Werk, so müsste, trotz des Gewichts der im Zentrum stehenden einzelnen Dichtungen Goethes und Michelangelos, primär der Name Conrad Ferdinand Meyers stehen, denn als Ganzes stellt sich das Werk doch als Schlussglied der Reihe der außerordentlichen Vertonungen von Versen dieses Dichters dar: [...] Die vorliegende Arbeit gibt immerhin willkommenen Anlass, sich des im Jahr 1929 komponierten, aber gleichwohl zeitfernen Werkes zu erinnern. Es bezeugt, auch in seinem musikalischen Reichtum, die Endphase des Zeitalters der Kunstreligion. Um es in angemessener Weise aufnehmen zu können, bedarf es wohlwollender innerer Geneigtheit. Pfitzner selbst nannte es gelegentlich sein poetisches Requiem; da es ein deutsches ist, folgten sofort (dem Komponisten ärgerliche) Vergleiche mit Brahms. Sie erbrachten wenig genug; Vergleiche mit anderen 'Phantasien' oder 'Chorphantasien' gar nichts. In der vorliegenden Arbeit wird noch der Versuch unternommen, Werke (oder Teile von Werken), die sich einer privaten 'Verlusterfahrung' verdanken, zusammenzustellen. Aber die doch im ganzen 20. Jahrhundert alles belastende Erfahrung von Schuld, Reue, Leiden, Leid und Tod, die hier künstlerische Gestalt gewinnen, bedürften anderer Darstellungsmittel als der hier verfügbaren. Immerhin gibt der Autor brauchbare musikalische Analysen, die einen Überblick ermöglichen, und so auch das tiefere Eindringen in das reiche Werk erleichtern. (Rudolf Stephan in ÖMZ 02/07, S. 72)

aktualisiert Mittwoch, 3. August 2011
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