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Pressestimmen
"Dass der Gegenstand der Rezeptionsgeschichtsforschung auch ein Einzelwerk sein kann, dafür scheint die Publikation von Takashi Numaguchi ein Beispiel zu sein: 'Beethovens Missa Solemnis im 19. Jahrhundert. Aufführungs- und Diskursgeschichte'. Nimmt man den opulenten Band, der - wie beim Verlag Dohr üblich - sehr benutzerfreundlich, großzügig und zuverlässig ediert ist, in die Hand, so wird man zunächst etwas desillusioniert: Es handelt sich nicht um eine diskursive Darstellung der Rezeptionsgeschichte, sondern weitgehend (über 400 Seiten) um einen Reader, der Quellenmaterial, d.h. alle Aufführungsberichte und Rezensionen zwischen 1824 und 1900 erfasst hat und im Volltext darbietet. Ergänzt wird dieses Material durch eine Liste aller Werkaufführungen in diesem Zeitraum. Der Verfasser bezeichnet diese Veröffentlichung als Vorarbeit für seine geplante Dissertation. Die Irritation des Lesers, der durch eine präzisere Titelgebung hätte vorgebeugt werden können, schlägt indes bald in ein gesteigertes Interesse um. Wie gerne wünschte man sich eine solche gründliche Quellenaufarbeitung auch bei anderen größeren Werken und Themen der Musikgeschichte. [...] Die Werke Bachs und Händels auf diese Weise 'kommentiert' - das wäre für jeden wissenschaftlich Interessierten von größtem Reiz. Wie oft bedauert man als Leser wissenschaftlicher Darstellungen, dass das verwendete Quellenmaterial, zumal wenn es 'entlegen' ist, nur selektiv aus zweiter Hand zugänglich wird. Als Ergänzung für wissenschaftliche Darstellungen wären solche Quellenbände für die Rezeptionsforschung unverzichtbar. In dieser Hinsicht eine vorbildliche, zukunftsweisende Publikation!" (Robert Strobl in Toccata 35/2008, S. 29)
"Adorno nannte sie einst Beethovens 'verfremdetes Hauptwerk', und gewiss ist die 'Missa solemnis' ein auch für die Forschung sperriger, uneinheitlicher Koloss. Takashi Numaguchi hat nun die Rezeptionsspuren der 'Missa' zwischen 1824 und 1900 aufgearbeitet, indem er sämtliche deutschsprachigen Dokumente zu diesem Werk zusammengetragen hat. Nach einigen allgemein einführenden Betrachtungen folgen eine chronologische Liste der Aufführungen sowie der Abdruck aller gefundenen Texte. Das allein füllt mehr als 500 Seiten, so dass eine gründliche Auswertung dieser Dokumente noch aussteht. Eine bestechende Materialsammlung, die unterschiedlichste Beobachtungen zu Tage fördert: grundlegende und kauzige, nichtssagende und intelligente, harmlose und polemische." (Christoph Vratz in FonoForum 02/2007, S. 65)
"Numaguchis Arbeit über Beethovens Missa solemnis ist vor allem eines: eine enorme Fleißarbeit. [...] Das Buch gliedert sich in drei Großkapitel, in einen analytischen Teil (mit ca. 50 Seiten), mit einer Auflistung aller Aufführungen bis 1900 (12 Seiten) und einen Reader mit der Zitierung aller aus dem 19. Jh. stammenden relevanten Quellen in Zeitschriften und Büchern, die sich mit der Missa solemnis auseinandersetzen (mit der nahezu sechsfachen Seitenanzahl). Allein diese Nennung der Seitenzahl-Relationen dokumentiert, dass der Schwerpunkt dieses Buches nicht in der musikwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Quellen besteht, sondern in erster Linie mit deren gesammelter Publizierung. Diese emsige Auflistung aller Zitatquellen ist eine wahre Fundgrube für den an Beethoven interessierten Leser. Wie aufschlussreich ist es doch nachzulesen, wie akribisch sich die Freunde und Kritiker Beethovens in Prag, Wien, Köln, Hamburg oder in anderen deutschsprachigen Musikzentren mit dem Werk auseinandergesetzt haben, wie unterschiedlich auf die damals 'neue Musik' reagiert wurde, auf satztechnische Details, die monumentale vokal-symphonische Disposition oder auf ungewohnt extensive Stimmführungen - im übrigen, dies sei nur am Rande erwähnt, ist die Lektüre eine Lehrstunde für heutige Rezensenten über den Umgang mit der Neuen Musik unserer Tage...! [...]" (Reiner Schuhenn in: Forum Musikbibliothek Jahrgang 28, Heft 2007/1, S. 71f.
"Eine quellenorientierte Aufarbeitung der Rezeption der 'Missa solemnis' gehört zu den großen Desideraten nicht nur der Beethoven-Forschung, sondern der Erforschung der Rezeption sinfonischer (Kirchenmusik-)Werke im 19. Jahrhundert überhaupt. Diese Lücke zu schließen hat sich die vorliegende Arbeit zum Ziel gesetzt, die im Wintersemester 2005/06 als Dissertation an der Universität Dortmund angenommen wurde und nun auch im Druck erschienen ist. [...] In dem mit viel Fleiß und Akribie erstellten Materialteil, der eindeutig den Schwerpunkt der Arbeit bildet, macht Numaguchi zahlreiche der Forschung bislang unbekannte Aufführungen ausfindig und trägt in einem über 400 Seiten umfassenden 'Reader' umfangreiches Schrifttum über die 'Missa solemnis' aus der Zeit von 1824 bis 1900, vornehmlich aus dem deutschsprachigen Raum, zusammen. [...] Alle Exzerpte zusammen sind in chronologischer Ordnung abgedruckt (ungeschickterweise ist aber z. B. Eduard Hanslicks 1861 für die Wiener 'Presse' geschriebene Besprechung erst 1870, dem Erscheinungsjahr in Buchform, eingereiht). Die Lesarten sind sehr verlässlich. In diesen überwiegend erstmals in einer musikwissenschaftlichen Veröffentlichung abgedruckten Dokumenten gibt es unendlich viel zu entdecken: Zunächst einmal beeindruckt die schiere Quantität an Aufführungen und Besprechungen; mithin straft das Material qua Existenz die verbreitete Behauptung Lügen, die 'Missa solemnis' habe im 19. Jahrhundert die musikalische Öffentlichkeit wenig beschäftigt. [...] Beginnt man sich in das Material zu vertiefen, erfährt man nicht zuletzt ganz praktische Dinge über das (Nicht-)Zustandekommen von Aufführungen, über unterschiedliche Publikumsreaktionen oder über die verschiedenen Kontexte, in denen die 'Missa' erklang. Deutlich wird aber auch, dass die 'Missa solemnis' bereits sehr früh und immer wieder mit Beethovens 'Neunter Symphonie' verglichen wurde - ein Faktum, das in der gattungsgeleiteten Musikgeschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts für lange Zeit aus dem Blick geraten ist. Gleichzeitig spürt man, dass die Berichterstatter und Autoren grundverschiedene Haltungen zur Kirchenmusik wie überhaupt ganz unterschiedliche musikästhetische Positionen einnehmen, die ihre Darstellungen und Urteile maßgeblich prägen. [...] Die Abhandlung ist konzise, differenziert und kenntnisreich geschrieben (auch gut formuliert und sorgfältig redigiert) und kann durch die klar gezogenen Linien eine Orientierung für die Erschließung des heterogenen Materials bieten. - Nur: Sie fällt wirklich zu kurz aus. Vieles bleibt undiskutiert oder einseitig - wie könnte es auf nur 35 Seiten auch anders sein! So wünschte man sich eine stärker Personen- bzw. gruppenbezogene Interpretation (wie sie nur ansatzweise für die Neudeutschen geleistet wird) sowie das Aufspannen größerer Kontexte, denen die verschiedenen Meinungen und Rezeptionshaltungen zugeordnet werden könnten [...]." (Birgit Lodes in: Die Musikforschung, 60. Jg. [2007], Heft 1, S. 63-65)
"[...] Das breite Panorama der Einschätzungen von Beethovens 'größtem Werk' ist jetzt in einem über 400 Seiten starken 'Reader' dokumentiert, den Takashi Numaguchi in Rahmen seiner Dortmunder Dissertation erarbeitet hat. Sämtliche Äußerungen über die Missa solemnis im 19. Jahrhundert in deutschsprachigen Zeitschriften und Buchpublikationen sind hier im Volltext nachzulesen. Die archivalische Forschungsleistung des Autors ist hoch zu veranschlagen, weil Numaguchi in seinem voluminösen Opus auch eine Fülle entlegener Quellen zitiert. Für die Musikwissenschaft ist der nunmehr problemlose Zugang zu diesen weit verstreuten Zeitdokumenten also uneingeschränkt zu begrüßen. Dies gilt auch für die chronologische Aufstellung sämtlicher Aufführungen der Missa solemnis von ihrer mutmaßlichen Uraufführung in St. Petersburg am 7. Mai 1824 bis zur Jahrhundertwende. Vorangestellt ist diesen beiden Verzeichnissen ein 50 Seiten langer Kommentar, in dem der Autor die Rezeption der Missa solemnis in ihren Grundzügen konturiert. Hier arbeitet Numaguchi heraus, dass die Reaktionen auf Beethovens große Messkomposition lange zwischen Bewunderung und Unverständnis schwankten, das Werk später, forciert durch die Kontroverse zwischen Traditionalisten einerseits und Vertretern der Neudeutschen Schule andererseits, zum ästhetisch strittigen Gegenstand geschichtsphilosophischer Deutungen wurde und unter caecilianischen Vorzeichen schließlich zum Streitobjekt in liturgischen Grundsatzfragen geriet. [...] So eröffnet Numaguchis Buch auch über die Erschließung einer riesigen Materialfülle hinaus Zugänge, die für weitere Detailuntersuchungen zur Rezeptionsgeschichte der Missa solemnis vielfältig zu nutzen sind. (Sven Hiemke in Musik und Kirche Nov./Dez. 2006, S. 437)
"[...] eine ausführliche Rezeptionsgeschichte, so ausführlich, dass darin alles Material praktisch im Volltext zu finden ist, das je über eine Aufführung der Missa solemnis zwischen ihrer Entstehung und dem Jahre 1900 geschrieben wurde. [...] Kein Buch für Jedermann, aber wer gerne in alten Quellen liest und sich für dieses Werk im Besonderen interessiert, für den ist dies eine interessante Lektüre." (aus: Württembergische Blätter für Kirchenmusik 5/2006)
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