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Thomas Synofzik

Heinrich Heine - Robert Schumann. Musik und Ironie. 2., durchgesehene Auflage, 192 S., zahlr. Abb. u. Notenbeispiele, Register, Hardcover
ISBN 978-3-936655-77-3
EURO 24,80

Von keinem anderen Dichter hat Schumann so viele Texte vertont wie von Heine. Das von zahlreichen Vorurteilen belastete Verständnis des Dichters hat lange Zeit eine angemessene Sicht auf Schumanns Liedkompositionen verbaut. Das Klischee, Heines Lyrik sei ironisch, wird hier konkret an den von Schumann vertonten Gedichten untersucht, um dann zu zeigen, inwieweit sich ähnliche Stilmerkmale auch in Schumanns Liedern nachweisen lassen. Als Handreichung für Interpreten, Musikhörer und Wissenschaftler eröffnet dies neue Perspektiven.


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Pressestimmen zur ersten Auflage

"L'auteur, directeur du Robert-Schumann-Haus de Zwickau, aborde l'une des questions centrales de l'analyse des Lieder de Schumann: celle de l'ironie et de sa traduction musicale. Il s'agit pour lui de définir les moyens propres de l'ironie musicale, qui jusqu'ici ont presque toujours été évalués à l'aune des catégories de la rhétorique classique ou de la théorie littéraire, et pour cela souvent négligés ou méconnus. Th. Synofzik commence par brosser l'histoire de la doxa - aux relents antisémites - selon laquelle Schumann, par esprit de sérieux, aurait échoué à traduire musicalement l'ironie de la poesie de Heine; l'examen critique de textes de Schumann, dont plusieurs inédits, révèle cependant que le compositeur avait parfaitement perçu le caractère ironique des poèmes de Heine et n'hesitait pas à faire usage de ce procédé dans ses propres textes. Or cette ironie heinéenne, lieu commun de la critique musicale, ne se laisse pas réduire au concept défini par la rhétorique classique ni à la catégorie centrale du premier romantisme. Synofzik la définit comme un comique du contraste, de l'antithèse, de l'ambiguïté, héritier de l'esthétique de Jean Paul. S'appuyant sur cette définition, il dresse alors le catalogue, très complet et enrichi de nombreux exemples et analyses, des moyens de l'ironie schumannienne: le jeu avec le contraste, la multiplicité, les attentes déjouées; la traduction de la pointe des poèmes heinéens par des effets de retard et de basculement; l'exploitation des l'ambiguïtés harmoniques; l’imitation parodique du Volkston ou des formes traditionnelles, ainsi que l'emploi de citations musicales; les lourdeurs feintes, les archaïsmes et autre fautes de goût volontaires, traduisant les hyperboles ironiques; enfin, l'usage à contre-emploi des conventions rhétoriques musicales. Le livre se conclut sur un rapide survol des théories esthétiques de l'ironie musicale, principale­ment au XIXe siècle. On regrettera que ce chapitre, qui aurait pu donner lieu à d'intéressantes mises en perspective, se limite à mettre en rapport l'humour dans les oeuvres instrumentales avec l'ironie dans la musique vocale. Cette légère réserve ne remet cependant pas en cause la qualité d'un ouvrage dont les mérites reviennent à la finesse des analyses, à l'effort de clarification, de synthèse et de typologie, ainsi qu'à l'exploitation systématique des sources d'archives pour renouveler et systématiser l'approche de cette question cruciale." (J.-F. Laplénie in: Études Germaniques Octobre-Décembre 2007, S. 981f.)

"Mit diesem Buch kommen sowohl Liebhaber der deutschen Dichtkunst sowie der romantischen Musik auf ihre Kosten. Synofzik führt den Leser auf verständliche und behutsame Weise an die Materie von Heines Gedichten in den Vertonungen Robert Schumanns heran. Das Buch lehrt nicht nur, sondern will verstanden werden. Dabei helfen ihm einige ausführliche Notenbeispiele - ein lückenloses Quellenverzeichnis sowie reichlich Fußnoten, die wertvolle Hintergrundinformationen und Anknüpfungspunkte für eine spezialisierte Recherche für das Studium oder aus Leidenschaft liefern. Sehr zu empfehlen für Musikschüler, -studenten, -professoren und -wissenschafter." (MAS, Online-Rezension vom 5. August 2008 auf Vienna Online)

"Abgesehen von den lesenswerten und mit neuem Material aufwartenden Krankenakten, die Bernhard R. Appel unter dem Titel 'Robert Schumann in Endenich' für den Schott-Verlag in einem bewegenden Dokumentarband zusammengetragen hat, und der hier besprochenen Arbeit über Musik und Ironie in Schumanns Heine-Vertonungen ist wegen der Mozart-Neuerscheinungsflut weit weniger über den romantischen Jubilar erschienen. Was aber herauskam, ist überwiegend substantiell. So auch diese kaum überladene, blendend strukturierte Analyse von Thomas Synofzik, des Direktors vom Zwickauer Schumann-Haus. Zwei Punkte stehen für ihn im Zentrum: Abgrenzung des Begriffs sowohl im literatur- als auch im musikwissenschaftlichen Sinne zu verwandten Bezeichnungen wie Satire oder Sarkasmus und die Bestimmung der musikalischen Mittel, mit denen ironische Textausdeutung überhaupt möglich ist und von Schumann realisiert wird. Ironie mokiere sich, hat der Thomas-Mann-Experte Hermann Kurzke einmal gesagt, aber sie verändere nicht die Welt, insofern habe sie im Gegensatz zur Satire einen konservativen Zug. Bei der Betrachtung der 40 Heine-Vertonungen von Schumann wird deutlich, wie sehr Schumann danach strebt, die Komik oder Bitterkeit einer ironischen Wendung durch Kontraste zu schaffen. 'Musik kann ohne Text nur ernst seyn', gestand er, 'humoristisch gar nicht.' Wie die Sprachwissenschaftler forscht Synofzik nach 'Ironiesignalen', die eine Umkehr oder Brechung markieren. Bei seiner Definition des Begriffs in der Literatur, zu der er Jean Paul und die romantische Schule um die Brüder Schlegel anführt, fehlt allein der Ironie-Begriff eines so bedeutenden und auf Schumann einflussreichen Autors wie E. T. A. Hoffmann. Der übersichtlichen und durch ein Literatur- und Liedtitel-Verzeichnis gut erschlossenen Arbeit hätte zudem noch gut ein Personen- und Namensverzeichnis angestanden. (Helmut Peters in Fono Forum 12/06)

"Hört man Dietrich Fischer-Dieskau Schumanns 'Dichterliebe' singen, aufgenommen in den 50er Jahren - schwermütig, bleiern, martialisch -, dann kommt einem in den Sinn: Wäre der Textdichter Heine kein von den Nazis verfemter Jude gewesen, hätte man diese treudeutsche Einspielung sicher nicht anders auch im 'Dritten Reich' veranstalten können. Einer solchen Sangesart lagen zwei noch bis vor kurzem in Deutschland unbestrittene Vorurteile zugrunde. Das eine betrifft Heine: einen Dichter, bei dem angeblich alles ironisch gemeint ist, das andere Schumann: einen Komponisten, der entweder Heine mißverstanden habe oder in Tönen einfach nicht ironisch sein wollte und konnte. Stets gab man einem humorlosen Schumann die Ehre und meinte ihn gegen den frivolen Heine ausspielen zu können. Es ist das Verdienst dieses Buches, mit beiden Vorurteilen in einem literatur- und musikhistorischen Doppelzug gründlich aufzuräumen.
Wieder einmal sind es die Quellen, Selbstzeugnisse Heines und Schumanns, sowie die präzise poetische und musikalische Analyse einzelner Lieder, die die wirklichen Verhältnisse klarlegen: Heine ist nicht immer nur ironisch, Schumann kann sehr wohl im Medium der Musik ironisch sein. Das historisch und forschungskritisch ausgerichtete Buch kann die Unhaltbarkeit einer langen Traditionslinie deutscher Mißverständnisse zu Schumanns Heine-Vertonungen aufdecken. Heine und Schumann bezogen ihre Inspirationen nicht aus den Doktrinen der romantischen Schule, die in der Ironie ein Mittel zu metaphysischer Distanzierung von der Realität sehen wollte, sondern eher aus einer sehr handfesten ironischen Praxis, wie Jean Paul sie verwirklichte.
Das Buch gibt detaillierte Einzelanalysen vieler Lieder, um seine Schlußfolgerungen zu begründen. Hervorsticht u. a. die Analyse eines Heine-Gedichtes, das überhaupt nur von Schumann vertont wurde, und in dem paradoxe Kontraste das Komische hervorrufen: 'Warte, warte, wilder Schiffsmann'.
Ärgerlich ist, daß die im Text genannten Taktzahlen in den abgedruckten Notenbeispielen nicht zu finden sind. Auch hat der Autor die Angewohnheit, bei seinen Literaturangaben in den Fußnoten nicht die Einzelschriften der zitierten Autoren zu nennen, sondern nur Band- und Seitenzahl aus kritischen Gesamtausgaben anzugeben. Wer hat sie alle zu Hause stehen, um gleich nachschlagen zu können? [...]
Trotz alledem wiegt dieses Buch die Unmenge ideologisch verbrämter Schumann-Literatur vergangener Jahrzehnte auf und sollte zur Konfrontation und Korrektur zum Thema 'Heine und Schumann' in keiner guten Musikbibliothek fehlen." (Peter Sühring in: Forum Musikbibliothek Jg. 27 [2006], S. 380f.)

aktualisiert Donnerstag, 10. Juni 2010
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