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Mit der Veröffentlichung der ersten beiden Stücke des vorliegenden Bandes mit drei frühen Klavierkompositionen des 1918 in Düsseldorf geborenen Komponisten Jürg Baur schließt sich eine seit 1956 bestehende Lücke in der Publikation Baur'scher Klaviermusik. Aus der Klaviermusik 56, einem dreisätzigen Werk der klassischen Satzfolge schnell - langsam - schnell, wurden bislang nur die letzten beiden Sätze "Variationen" (1956) und "Capriccio. Studie nach einer Zwölftonreihe" (1951/52) jeweils einzeln im Verlag Breitkopf & Härtel, Wiesbaden, herausgegeben, wohingegen der erste Satz, der außerdem in zwei verschiedenen Versionen existiert, bis dato nur als Manuskript existierte.
Die ursprüngliche Fassung des ersten Satzes mit der Bezeichnung "Rondo" - eine Bearbeitung des letzten Satzes der Suite für Cembalo (1956) - ist stilistisch der "erweitert-tonalen Phase" Baurs zuzurechnen und bildet somit durch die Verbundenheit zur Tonsprache Paul Hindemiths und Béla Bartóks einen starken Kontrast zu den beiden darauf folgenden zwölftönigen Sätzen. Angeregt durch den Pianisten Klaus Bömer (Neuss), der die Klaviermusik 56 in dieser ursprünglichen Version mit den Sätzen Rondo, Variation und Toccata (später umbenannt in Capriccio) am 30. Mai 1957 in der Franz-Liszt-Hochschule in Weimar uraufführte, entstand daher eine zweite Fassung des ersten Satzes mit dem Titel "Improvisation". Dieser ist eine Bearbeitung des ersten Satzes der Konzertanten Musik für Klavier und Orchester (1958) - des Baur'schen Klavierkonzerts - für Solo-Klavier.
Bei der Burleske, dem dritten Stück dieses
Bandes, handelt es sich um ein kurzes, virtuoses
Einzelstück aus den Jahren 1943/44; sie
entstand also genau wie die Aphorismen (1942/46)
während der Kriegsjahre, blieb aber im
Gegensatz zu diesen nach dem Kriegsende und der
Wiederaufnahme des Studiums bis vor kurzem ohne
Korrektur liegen. Erst für diese
Veröffentlichung nahm sich Baur die Burleske
zur Überarbeitung vor, ohne aber dabei
Substanz und Charakter des Stückes zu
verändern. So wurden einige Stellen im Sinne
einer nachhaltigeren Wirkung lediglich rhythmisch
oder harmonisch geschärft.
Da Jürg Baur alle seine Werke
bezüglich Artikulation, Dynamik, Agogik etc.
sehr sorgfältig bezeichnet, habe ich bei der
Herausgabe auf zusätzliche Eintragungen wie
Fingersätze oder weitere
Phrasierungsvorschläge verzichtet, um den
Notentext nicht mit Informationen zu
überfrachten.
© Oliver Drechsel / edition dohr köln
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