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Bojidar Dimov

Reflexe I (1997) für Flöte und Klavier. Spielpartitur
ISMN M-2020-0505-7
EURO 9,80


Pressestimme

"Der 1935 in Bulgarien geborene und 2003 in Köln verstorbene Komponist Bojidar Dimov studierte zunächst in Sofia bei einem Schüler von Franz Schmidt, später in Wien bei Karl Schiske und Hanns Jelinek, mehrfach besuchte er Ferienkurse und erhielt so Anregungen von Stockhausen, Boulez, Ligeti, Messiaen und Kagel. Die beiden posthum erschienen Reflexe I von 1997 und Reflexe II von 2002 für Flöte und Klavier scheinen eine Verschmelzung all dieser Einflüsse zu sein. Beide Werke sind hochkomplex sowohl in der Satztechnik wie in der Rhythmik, beide Werke sind in beiden Stimmen und im Zusammenspiel schwer. In beiden Werken gibt es viele tonale Momente, die durch Komplexion aber meist konterkariert werden. So beginnt Reflexe II in der Flötenstimme mit einem G-Dur-Dreiklang, es folgt Des-Dur, dem jedoch erheblich dissonante Kontrapunkte im Klavier entgegenstehen. Dasselbe Werk schließt in einem mit Reizdissonanzen aufgefüllten A-Dur im dreifachen fortissimo. Ähnlich liegt ist es in Reflexe I, wo sich auf der zweiten Partiturseite über einem polytonalen dreistimmigen Ostinato im Bassbereich eine modale Piccoloflötenpassage entwickelt. Diese mündet kurzfristig in Außenstimmenoktaven mit dem Bass des Klaviers (Wieso dies?). Auch der Schluss ist bitonal: e-moll-A-Dur. Passagen im Klavier mit messiaentypischen Akkorden finden sich auch immer wieder. Rhythmisch periodische Abschnitte wechseln sich mit zwar genau notierten, aber improvisatorisch-rhapsodisch klingenden Abschnitten ab. Eine äußerst komplexe Rhythmik macht das Zusammenspiel nicht leicht. Geprobt werden muss also. Trotz aller Anklänge – aller Reflexionen über Erlebtes, Gehörtes, Wahrgenommenes – entsteht bei Dimov daraus eine ganz eigene Sprache voller Vitalität und Sinnlichkeit. In sich ist sie sinnvoll. Weniger sinnvoll ist die Spielanweisung auf der ersten Seite von Reflexe I über Vierteltöne: es gibt keinen einzigen. Die Ausgabe ist sauber, man wird aus der Partitur spielen müssen und da keine zweite einliegt, diese zusätzlich erwerben müssen. Zwei Werke für Tüftler unter den Interpreten, keines für Puristen. Das lag einem Komponisten wohl auch nicht, der 1970 ein Ensemble für Neue Musik in Köln gründete mit dem Namen ‚trial and error’." (Frank Michael in tibia 3/2007, S. 539f.)

aktualisiert Freitag, 12. November 2010
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