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Henning Frederichs

Machet Euch die Erde untertan (1987).
Kantate nach einem Text von Carl Amery; für Bariton, 4stg. gem. Chor, Dobachi (Vibraphon), Violine, Klarinette, Gitarre, Orgel

  • Partitur (auch Orgel)
    ISMN M-2020-0375-6
    EURO 16,80
  • Chorpartitur (Mindestabnahme 20 Expl.)
    ISMN M-2020-0807-2
    EURO 2,80
  • Instrumentalstimmenset (V, Klar. in B, Git)
    ISMN M-2020-0808-9
    EURO 11,80

Zum Werk

Wie der Titel der Kantate sagt, setzte Gott den Menschen einst über alle anderen Lebewesen (1.Mose 1,28). Diese - innerhalb der Weltreligionen - einzigartige Stellung, nicht Teil, sondern Herrscher der Natur zu sein, muß wie eine Befreiung gewirkt haben. Fortan lebte der Mensch nicht mehr in der Furcht vor wilden Tieren und Naturgewalten, vor Geistern und Dämonen, sondern konnte sich als auserwähltes Geschöpf des einen Gottes ihnen allen überlegen fühlen. Im Laufe der Jahrtausende kehrte diese Position sich jedoch zunehmend gegen ihn, indem sie zu schrankenloser Willkür im Umgang mit der Natur pervertierte.
An das Ende einer umfangreichen dokumentarischen Bestandsaufnahme dieser Entwicklung setzt Carl Amery in seinem Buch "Das Ende der Vorsehung" (rororo Sachbuch 1987) eine dichterische, visionäre Rede des "Abwesenden Gottes" (offenbar in der Tradition von Jean Pauls "Siebenkäs"), in der seine völlige Ablehnung dieser Menschheit durchschlägt.
In einem zwischen Sprechen und Singen, Rufen und expressionistisch in größter Schnelligkeit und extremen Sprüngen hin- und herjagenden Gesangsstil hat der Baritonsolist also vor allem diese Gefühle enttäuschter Liebe und ratlosen Zorns wiederzugeben.
Ihm zur Seite stehen "Dobachi", japanische Klangschalen (notfalls durch Vibraphon ersetzbar), die durch ihr ungewöhnliches Obertonspektrum und ihre Herkunft aus dem Kultus die Entfernung des zürnenden Gottes unterstreichen.
Der menschliche Gegenpart ist dem Chor anvertraut, der zwischen Singen und Schreien verschiedenste Abstufungen der Angst und der Hoffnung auszudrücken hat.
Unterstützt wird er von einem sehr reichhaltigen Orgelpart und einem Instrumentaltrio (Violine, Klarinette, Gitarre), deren musikalisches Material sich aus dem Choral "Veni, Creator Spiritus" und einer Zwölftonreihe speist. (Das Instrumentarium repräsentiert die verschiedenen Möglichkeiten der Tonerzeugung: den geschlagenen, den "ewig" aushaltbaren, den gestrichenen, den geblasenen und den angerissenen Ton).

Ausführbarkeit: Der meditative Einsatz der Dobachi ist ausgesprochen leicht zu bewältigen. Der Chorpart stellt zwar ungewohnte, aber nicht eigentlich schwere Aufgaben. Die Baritonpartie dagegen verlangt einen sehr intonationssicheren und beweglichen Sänger, und auch die übrigen Instrumentalpartien können als anspruchsvoll bezeichnet werden.


Pressestimme

"[...] eine Sakral-Komposition von brennend-aktuellem Inhalt. [...] sie schließt mit vager Verheißung, ohne vorschnelle theologische Antworten.Die Instrumentierung des reihenartig gearbeiteten Werkes ist äußerst sparsam [...] und verhalf der Kantate zu starker Resonanz bei den Zuhörern." (Westdeutsche Zeitung, 17.Oktober 1987)

Daten und Fakten

  • Entstehung: 1987
  • Uraufführung: 10.0ktober 1987,
    Hauptkirche Wuppertal-Unterbarmen
  • Dauer: 27'

aktualisiert Dienstag, 24. Mai 2011
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