
Die vom Evangelischen Kirchentag und dem Kulturamt der Stadt Köln vergebenen Kompositionsaufträge zielen darauf ab, das gesamte Spektrum gegenwärtigen Komponierens für die Orgel zu präsentieren. Das aus unterschiedlichsten musikgeschichtlichen Kontexten bekannte Instrument das primär kirchenmusikalischer Bestimmung folgt, daneben aber spätestens seit der Barockzeit auch konzertierend eingesetzt wurde und von hier aus Eingang ins vom Virtuosentum geprägte bürgerliche Konzert fand , dieses traditionsreiche Instrument sollte für divergierende ästhetische und stilistische Sichtweisen dezidiert zeitgenössischen Komponierens sich öffnen. Dabei war die Wahl der Komponisten, die sich dem Thema „Orgel heute“ unter dem Motto des Kirchentages stellen sollten, rasch getroffen. Neben Peter Bares, der seit Jahrzehnten als Komponist und Organist an der Kölner Kirche St. Peter wirkt und hier das musikalische Leben nicht zuletzt durch den Aufbau eines außergewöhnlichen Orgelinstrumentes maßgeblich beeinflusst hat, war die junge Generation zu berücksichtigen. Die Wahl fiel auf Jan Masanetz, Kompositionsstudent bei Manfred Trojahn an der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule; eine Wahl, die mit der Frage verknüpft war, wie sich wohl ein „Neuling“ kompositorisch und stilistisch mit der Orgel auseinandersetzen würde. Dass ein Komponist, der sich als Composer-Performer begreift, eine dritte Antwort auf das Thema „Orgel heute“ findet, steht außer Frage: Stephan Froleyks trägt das performative Element ins zeitgenössische Komponieren hinein und erforscht dabei vorab die technisch-strukturellen Möglichkeiten eines Instrumentes, um ihm neue klangliche Dimensionen zu erschließen. Und schließlich stand bei Johannes S. Sistermanns eine weitere sehr individuelle kompositorische Reflexion über das Thema zu erwarten: Als Komponist beschäftigt er sich mit Raum und Klang, mit Klang im Raum; mit einer Fragestellung, die ästhetisch wie stilistische ins Innerste des Themas „Orgel heute“ führt.
|
Inhalt
Die vier Kompositionen wurden im Rahmen zweier Orgelkonzerte am 9. Juni 2007 in der Kölner Kunsstation St. Peter zur Uraufführung gebracht.
Das begleitende Programmbuch (48 S.) ist zum Preis von EURO 5,-- erhältlich.
Pressestimmen
"Anders als das aus dem Hebräerbrief entliehene Kirchentagsmotto 'lebendig & kräftig & schärfer' vermuten liesse, finden sich hauprsächlich leise bis an die Grenze der Hörbarkeit reichende Schöpfungen in dem ansprechend gestalteten und mit reichlicher Hintergrundinformation ausgestatteten Notenband. Ausführungstechnische Anweisungen vermisst man allerdings beim Werk des Initiators der St.-Peters-Orgel, Peter Barnes [sic], welcher nur Tonhöhen und Rhythmen notiert und über die Art und Weise des freien Umgangs mit den anderen Parametern überhaupt keine Angaben macht. Besonders erwähnenswert ist vielleicht das Werk des Schlagzeugers Stephan Froleyks, der einen ganz eigenen Zugang zur Orgel gefunden hat und in seinen 'Sieben Arten von Ruhe' sieben neuartige Strukturen und Klangwirkungen demonstriert." (Marc Fitze, in: Musik und Gottesdienst, 62. Jahrgang 2008, S. 261f.)
"Ein sehr bemerkenswerter Band: Hier wird die Lust, musikalisches Neuland zu betreten, mit vier außergewöhnlichen und erfindungsstarken Kreationen geweckt. Ungewöhnliche Spiel- und Wiedergabetechniken werden verlangt und stellen eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für jeden Interpreten dar. Detaillierte Biografien und umfassende Werkeinführungen tragen zum Verständnis der singulären, bisweilen eigenwilligen Kompositionen bei. Eine Beschäftigung mit diesem Band lohnt. Hervorragende Aufmachung. Sehr empfehlenswert." (FS in: musica sacra, Heft 6/2007, S. 421)
|