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Pressestimmen
"Vor allem als Orgelmeister und Kirchenmusiker ist Johann Christian Heinrich Rinck der Musikwelt in Erinnerung. Als Enkelschüler Bachs (er genoss den Unterricht von Johann Christian Kittel) trug der Beethoven-Zeitgenosse wesentlich zur Bach-Pflege zu Beginn des 19. Jahrhunderts bei. 1770 in Thüringen geboren, kam er über Erfurt und Gießen 1805 nach Darmstadt, wo er als Stadtkantor, Geiger der Hofkapelle, Orgelsachverständiger und Musiklehrer bis zu seinem Tod 1846 tätig war.
Rincks Werke außerhalb der Kirchenmusik finden erst in den vergangenen Jahren Beachtung und lenken das Ohr auf einen Komponisten, der, wenn auch von seinen Zeitgenossen respektvoll als 'Rheinischer Bach' betitelt, ganz in der Musik seiner Zeit zuhause war und sowohl Mozart als auch Haydn gut studiert haben muss. Dass er Beethovens Werk kannte wie dieser schrieb Rinck zu Beginn seiner Musikerlaufbahn ein Klaviertrio in Es-Dur , ist mehr als wahrscheinlich.
Dies zeigen auch die drei Sestetti, die nun erstmals im Druck greifbar sind. Noch in Gießen entstanden (zwischen 1790 und 1805), bleiben sie zu Lebzeiten Rincks unveröffentlicht, sind aber als Autografe in der Yale University (New Haven, USA) erhalten geblieben. Sie zeigen den Komponisten auf der Höhe seiner Zeit. Es handelt sich um drei bemerkenswerte Kompositionen in Es-Dur, B-Dur und C-Dur für die Besetzung Klarinette bzw. Oboe, Horn, Violine, Viola, Cello und Tasteninstrument. Das mittlere Werk ist viersätzig (plus Menuett), die anderen haben jeweils drei Sätze in klassischer Form. Markante Themen, Einfallsreichtum in den harmonisch anspruchsvollen Durchführungen und nicht zuletzt Kennerschaft im kontrapunktischen Gefüge zeichnen diese Werke aus. […]" (Matthias Roth in Das Orchester 03/07)
"Lange Zeit galten sie als mehr oder weniger entbehrliche Auswüchse der Musikgeschichte: die so genannten 'Kleinmeister', also jene Komponisten, welche im Schatten der 'großen Klassiker' standen bzw. von der Nachwelt als im Schatten derer stehend gesehen wurden. Zweifelsohne waren die Gewichtungen in der Rezeption der Zeitgenossen deutlich anders gelagert als es die heroisierende und geradezu ikonographisch geprägte Musikwelt des 19. und vor allem des 20. Jahrhunderts gesehen hat. Vor allem im Bereich der kirchlichen Musik kam dazu, dass die 'Romantik' - womit man meist pauschal jene Zeit zwischen Klassik und Moderne bezeichnete - als 'gefühlsduselig', sprich theologisch fragwürdig galt. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein zu seiner Zeit durchaus berühmter Komponist und Musikpädagoge wie Johann Christian Heinrich Rinck ein Dasein in Vergessenheit fristen musste. Einigen mutigen Herausgebern war es dann zu verdanken, dass zunächst seine liturgische 'Gebrauchsmusik' für die Orgel verschiedentlich ediert wurde. Nichtliturgische Werke blieben weitgehend unzugänglich.
Umso mehr fällt auf, dass sich der Verlag Dohr in letzter Zeit verstärkt dem Erbe Rincks angenommen hat - vor kurzem erst in Form einer Monographie über Lebenswerk und Schaffen. Nun legte der Verlag mit den drei Sestetti Rincks einen bemerkenswerten Erstdruck vor, quasi ein Jubiläumsgeschenk zum zehnjährigen Bestehen der 1996 in Darmstadt gegründeten Rinck-Gesellschaft. Nicht die liturgische Musik Rincks, die ja immerhin auch einen dankbaren Markt bedient hätte, sondern ausgerechnet seine Kammermusik wurde als Sujet dieser Erstausgabe ausgewählt. Damit geht der Verlag Dohr ein Risiko ein, das bereits Rinck bewusst war, denn nicht zuletzt haben diese Sextette das Problem, dass es keine 'stehenden' Ensembles für diese Besetzung gab und gibt. Es spricht für die vom Verlag Dohr bereits gewohnte wissenschaftliche Seriosität der Ausgabe, dass dem Notentext ein ausführliches und wohltuend allgemein verständliches Vorwort vorangestellt ist, das sich beim Allgemeinen zum Leben Rincks, das sich in jedem Lexikon nachlesen lässt, nicht lange aufhält, sondern sehr schnell zum Kern der für die Ausgabe relevanten biographischen Fakten kommt. Dass diese Fakten, welche Rincks Gießener Zeit zum Inhalt haben, insgesamt dann auch recht sparsam behandelt und mit zahlreichen Vermutungen ergänzt werden, liegt indes an Rinck selbst, der seine dort verbrachten Jahre in seiner Selbstbiographie mehr verschämt, wie ein wenig relevantes Durchgangsstadium, und knapp, quasi nebenbei, erwähnt.
Dass es sich bei den drei Sestetti ohne Opuszahl um Bewerbungskompositionen handelt, mit Hilfe derer sich der aufstrebende Rinck aus den materiell und ideell wenig lukrativen Gießener Verhältnissen lösen wollte, bleibt eine, wenngleich durchaus plausible Hypothese des Verlegers und Herausgebers Christoph Dohr. Mindestens ebenso nachvollziehbar ist seine Antwort auf die Frage, warum diese Werke zeitlebens ungedruckt geblieben waren: Zuerst experimentelle Musik der damaligen Zeit, qualitativ und stilistisch durchaus messbar mit den gleichzeitig entstandenen Werken eines Beethoven, aber eben in ungewohnten Besetzungen, waren sie in späteren Jahren musikalisch nicht mehr nach dem Geschmack der Zeit, weshalb sie sich mit anderen Kompositionen lediglich 'sämtlich unter meinen Papieren befinden', wie Rinck selbst zugibt.
Studiert man den Notentext genauer, so fällt die durchaus reizvolle Originalität der Kompositionen auf. Mag man es für Zeichen der Unreife oder der Unausgegorenheit halten: Rinck bewegt sich in seinen teilweise erfrischenden Einfällen und seiner formalen Spontaneität in einem Triangulum, das - außer von ihm selbst - noch am ehesten aus den Frühklassikern, dem Spätbarock und der Mannheimer Schule geprägt scheint. Interessant erscheint dabei vor allem der immer wieder vollzogene und alle Instrumente in allen drei Sextetten durchziehende Wechsel zwischen Obligatpartie und Füll- bzw. Stützfunktion. Wenn Dohr in seinem Vorwort (S. 10) darauf hinweist, dass mit Horn, Klarinette (bzw. Oboe) und Streichern - zusätzlich zum Cembalo - alle Instrumentengruppen (außer den Pauken natürlich) eines damaligen Orchesters sozusagen einen oder mehrere Vertreter haben, kann man darin durchaus einen Anknüpfungspunkt zu den entsprechenden kammermusikalischen Formen der 'großen Klassiker' sehen. Freilich mag manchen die noch nicht durchgehend ausgeprägte achttaktige Periodizität in der Themenbildung irritieren, und nach einer Sonatenhauptsatzform im 'klassischen' Sinne sucht man auch vergebens, wenngleich es Ansätze dazu gibt.
Das erste Sextett besteht aus drei Sätzen. Der erste, noch ganz traditionell ein schneller Satz, ist einem Variationszyklus vorangestellt, der sich über ein an eine zweiteilige Liedform angelehntes Thema, bestehend aus 8 + 12 Takten, verliert. Dabei sind die Variationen kompositorisch und musikalisch wesentlich anspruchsvoller und ideenreicher als das doch sehr schlichte Ausgangsthema, das sich kaum über die akkordischen Hauptstufen einer Kadenz hinaus bewegt. Der dritte Satz, ein tänzerisches Rondo, zeigt einerseits mit seiner achttaktigen Periodik bereits einen formal ausgereiften Bestandteil, kommt aber andererseits mit nicht weniger als vier Generalpausen bzw. Fermaten innerhalb doch recht kurzer Zeit nicht so recht in die Gänge, auch wenn dieses Innehalten durchaus neckisch und originell wirkt. Grundsätzlich nicht viel anderes lässt sich über das zweite Sextett sagen, außer dass zwischen den langsamen zweiten und den wiederum als Rondo mit reizvollen Duetten ausgeführten vierten Satz noch ein sehr an die Klavierkompositionen der Zeit erinnerndes Menuett eingeschoben wurde - ganz nach der späteren Tradition der Sinfonie, die sich natürlich damals hinsichtlich der Satzfolge noch an das Concerto grosso anlehnte. Der erste Satz des dritten Sextetts beginnt mit einem schwergewichtigen und rhythmisch relativ komplexen zwölftaktigen Adagio, an das sich erst der eigentliche schnelle Satz anschließt, der allerdings wiederum erst einen sechstaktigen Anlauf braucht. Regelrecht witzig wirken darin die Forte-Auftakte mit Fermate. Wie im ersten Sextett bilden zweiter und dritter Satz wiederum einen Variationszyklus und ein Rondo.
Wie heutzutage üblich, ergänzt ein detaillierter Kritischer Bericht die Ausgabe; zusätzlich ist jedem Sextett die jeweils erste Seite als - leider qualitativ nur mäßiges - Faksimile vorangestellt. Die Aufmachung der Ausgabe suggeriert - gewollt oder ungewollt - ein Anknüpfen an der Tradition der Entstehungszeit der Werke, in der die Partituren, wenn überhaupt, dann nur zu Studienzwecken benutzt wurden: schlicht im Erscheinungsbild, solide in der Verarbeitung, aber leider nur in einem wenig strapazierfähigen Pappeinband. Alles in allem eine in jeder Hinsicht solide Ausgabe, die sicherlich eine willkommene, relativ einfach realisierbare und abwechslungsreiche Alternative in unserem Konzertrepertoire bietet und ganz nebenbei einem durchaus bedeutenden Zeitgenossen Beethovens späte Genugtuung verschafft." (Joachim Roller in "Die Tonkunst", Heft 1/2007, S. 69f.)
"Noten im Festtagsgewand sind immer wieder etwas Besonderes und stellen gewissermaßen die Reverenz des Verlegers an die Komponisten dar, für die er sich besonders einsetzt. Rinck und der Verlag Dohr sind nicht allein durch das Rinck-Fest 2003 zu einer Einheit geworden, sondern durch eine Vielzahl von Notenausgaben.
Da es diesmal weder um Orgelwerke noch um geistliche Musik geht, ist eine von der üblichen Norm abweichende Art durchaus legitim. Hardcover und Denkmäler-Format sowie besonderes Papier sollen der editorischen Mühe, die eine Erstausgabe mit sich bringt, auch das entsprechende Äußere verleihen. Rincks Lebensspanne war teils noch vom Barock, aber auch schon von der Romantik mitgeprägt. Im ersten der drei Sextette ist das Cembalo als Tasteninstrument vorgeschrieben, während bei den folgenden Stücken die Bezeichnung für das Tasteninstrument fehlt. Die Musik ist durchaus zeitkonform mit dankbaren, aber spielbaren Partien für die Instrumentalisten. Originalkompositionen für Klarinette (Sextett III: Oboe), Horn, Violine, Viola, Violoncello und Tasteninstrument sind dünn gesät. Professionelle und private Kammerensembles wird's freuen, auch wenn die Stimmen derzeit nur leihweise erhältlich sind.
Die Partitur ist mit allem ausgestattet, was das Musikerherz begehrt: informatives und klar verständliches Vorwort, gut les- und nachvollziehbares Notenbild, Faksimiles der jeweiligen Startseiten sowie einem Revisionsbericht von Christian Vitalis. Der relativ hohe Preis ist bei der Ausstattung und dem Aufwand für ein solches Unterfangen durchaus angemessen. Eine Ausgabe, die sich vom publizistischen Alltag nicht nur durch äußerliche Dinge abhebt." (Peter Gnoss im Rheinischen Musikmagazin fermate 4/2006)
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