
Partitur

Klavierauszug
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Pressestimmen
"Die vorliegende Partitur aus dem Kölner Hause Dohr, das sich mit wissenschaftlichen Notenausgaben und Musikfachbüchern mittlerweile einen ausgezeichneten Namen erarbeitet hat, ist der 29. Band aus der Reihe 'Denkmäler Rheinischer Musik'. Deren wissenschaftliche Noteneditionen, herausgegeben von der 'Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte', konzentrieren sich sinnigerweise ausschließlich auf rheinische Komponisten bzw. Komponisten, die im Rheinland wirkten. Druck und musikalische Aufführung der aktuellen Edition wurden zudem durch das Musikreferat im Kulturamt der Stadt Köln gefördert.
Carl Leibl (17841870) war bis zur Aufhebung Kapellmeister am Kölner Dom und musizierte dort unter Mitwirkung der Musiker des Gürzenich-Orchesters regelmäßig große, orchesterbegleitete Chormusik. In die Zeit Leibls fallen Aufstieg, Höhepunkt und Ende der klassisch-romantisch geprägten Kirchenmusik am Kölner Dom im 19. Jahrhundert. 1863 sorgte die Reformbewegung des Cäcilianismus auch in Köln dafür, dass orchesterbegleitete Chormusik und das musikalische Mitwirken von Frauen im Gottesdienst als Chor- oder Solosängerinnen untersagt wurden. Leibl war übrigens bis zum Dienstantritt des derzeitigen Domkapellmeisters der letzte verheiratete 'Laie' im Amt seine Nachfolger dann allesamt Priester. Leibls kompositorisches Oeuvre enthält neben der vorliegenden Messe u.a. die Festkantate zur Feier der Grundsteinlegung für den Fortbau des Kölner Doms 1842; Propriums-Vertonungen für Chor und großes Orchester, Kantaten und sogar Karnevalslieder. Eines dieser Lieder, der 'O Jerum-Walzer', entwickelte sich sogar zu einer Art 'Kölscher Nationalhymne', von der sich der Kölner Jacques Offenbach noch in seiner Wahlheimat Paris inspirieren ließ. Die umfangreiche Musikaliensammlung der Kölner Domkapelle ist als 'Leiblsche Sammlung' musikalischer Schatz der Diözesanbibliothek Köln und wird derzeit nach unbekannten Raritäten durchsucht.
Der aktuell amtierende Domkapellmeister, Eberhard Metternich, hat das Repertoire von Leibl für die Praxis wieder entdeckt und gab die Partitur von Carl Leibls großangelegter Messe Nr. 3 Es-Dur als Erstdruck heraus. Sie ist mit 1051 Takten die umfangreichste in Leibls Schaffen und wurde vermutlich wenige Jahre nach der Neuordnung der Dommusik von 1825/26 uraufgeführt. Ein Dissertationsprojekt von Alain Gehring, der für das Vorwort verantwortlich zeichnet, wird sich mit Leibls Messkompositionen befassen und auch eine Analyse der Missa Nr. 3 enthalten. Die Besetzung entspricht der später Haydnschen Messen und ist lediglich um drei collavoce-Posaunen, welche im Gegensatz zu Mozart allerdings nur bei dynamischen Höhepunkten eingesetzt werden, erweitert. Dabei bleibt zu berücksichtigen, dass zur damaligen Zeit vom Bau des Kölner Domes lediglich der Chor mit Kapellen und Umgang vollendet war und man im Vergleich zur heutigen Situation von einem kleineren Raum mit anderen akustischen Verhältnissen ausgehen muss.
Auch im weiteren Verlauf ist das Vorbild der Maßstab setzenden katholischen liturgischen Werke Joseph Haydns zu bemerken, sei es in harmonischer, instrumentatorischer wie stimmführungstechnischer Hinsicht. In den textreichen Sätzen Gloria und Credo werden bis auf die äußerst ausladenden Schlussfugen Textwiederholungen vermieden und weite Teile homophon ausgeführt. 'Empfindsame' Momente und volkstümliche Elemente wechseln sich dabei mit Text ausdeutender Dramatik ab. Einen gewissen Blick in die Romantik werfen überraschende harmonische Wendungen und die später so bedeutsame 'Behandlung der Chormassen' mit einigen Steigerungswellen. Zweifellos ein Werk, das über epigonale Beispiele 'liturgischer Kompositionspraxis' und vergleichbare Gelegenheitskompositionen deutlich hinausragt und ambitionierter Aufführungen würdig ist. Länge, Besetzung, technische und musikalische Ansprüche vor allem an die Chorsänger (Ambitus, komplizierte Fugen etc.), sowie der hohe Anschaffungspreis der Partitur lassen eine weitere Verbreitung bei durchschnittlichen Kirchenchören aussichtslos erscheinen vielleicht zum Besten der äußerst lohnenden Musik. Ein Klavierauszug ist käuflich zu erwerben, das Orchestermaterial allerdings nur mietweise beim Verlag erhältlich.
Edel kommt das Partiturbuch daher: in festem kartonierten Einband, auf schwerem, alterungsbeständigem Papier in bestem Notensatz gedruckt. Mit Vorwort, Inhaltsverzeichnis, Editionsbericht und Literaturverzeichnis 192 Seiten 'dick' also erkennbar keine günstige 'praktische Ausgabe'. Informativ das umfangreiche Vorwort, das seinen Schwerpunkt auf den historischen Kontext der Komposition wirft und der Geschichte der Kölner Dommusik sowie dem kompositorischen Schaffen Carl Leibls nachgeht. Der Kritische Bericht des Herausgebers, Domkapellmeister Eberhard Metternich, ist erschöpfend und nimmt hier erfreulicherweise keinen Randplatz ein. Dasselbe gilt auch für das sich auf das Vorwort beziehende Literaturverzeichnis von Alain Gehring. Eine wissenschaftliche Notenausgabe, die über das erwartbar Akademische hinausgeht; eine Dirigierpartitur, an der man sich auch erfreut, wenn man zunächst keine Aufführung leitet …" (Dominik Axtmann, in: Die Tonkunst, Oktober 2008, S. 491f.)
"Die Messe ist gut geschrieben und gefällig. Manches erinnert an den späten Haydn, manches an Schubert. Italienische Momente finden sich im Benedictus. Tadellose Ausgabe." (gd in: Kirchenmusik im Bistum Limburg 2/2008, S. 58)
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