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Johann Christian Heinrich Rinck

Douze Menuets et Trios op. 79 (Klav. 4hd.), krit. rev. Neuausgabe (Christoph Dohr)
ISMN M-2020-1163-8
EURO 14,80

Pressestimmen

Der nachfolgenden Texte sind jeweils eine Sammelrezension folgender Hefte:

"Johann Christian Heinrich Rinck, das ist immer noch ein Name aus der musikalischen Vergangenheit, auf den man erst nach einigem Nachdenken verfällt. Wenn man 10 Komponisten nennen soll, die die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts mit ihrer Musik geprägt haben, wird man ihn wohl regelmäßig übersehen. 1770 in eine thüringische Lehrerfamilie hineingeboren, wurde er ab seinem sechzehnten Lebensjahr von Johann Christian Kittel unterrichtet, der selbst ein Schüler von Johann Sebastian Bach gewesen war. Er steht also in der Traditionslinie der mitteldeutschen Orgel- und Klavierkomponisten und trat 1790 seine erste Stellung als Organist an: An der Stadtkirche in Gießen - nicht gerade eine karrierefördernde Entscheidung, auch wenn er 1803 zum Universitätsdirektor aufstieg. Gießen lag abseits der großen musikalischen Zentren, und Rinck hatte diesen Makel bereits früh erkannt. 1805 erreichte ihn ein Ruf aus Darmstadt, wo er zum Kantor und Organist der Stadtkirche ernannt wurde. Von nun an ging es mit Rincks Karriere steil bergauf: Großherzog Ludwig I. ernannte ihn zum Hoforganist und bald schon galt er als einer der besten Organisten seiner Zeit - seine praktische Orgelschule in sechs Bänden diente noch dem Verfasser dieser Zeilen als Lehrmethode.
Rinck war bis weit über seinen Tod hinaus weltberühmt. Sein Ruhm verblasste erst durch die Bachrenaissance der 1920er Jahre, die das 19. Jahrhundert als 'dunkel' und im Vergleich zur barocken Kirchenmusik als minderwertig einstufte. Die ideologischen Grabenkämpfe jener Zeit sind längst überwunden und einem objektiveren Blick gewichen - Gelegenheit, auch die Protagonisten jener Zeit und ihre Musik eingehender zu betrachten. Zum Beispiel Johann Christian Heinrich Rinck.
Die Gelegenheit dazu bieten nun gleich einige Veröffentlichungen aus der Edition Dohr - zum Beispiel die 'Trois Divertissements d'un difficulte progressive' aus dem Jahr 1814, deren Titel ein wenig an Franz Liszt erinnert, der ja bekanntlich ebenfalls eine Sammlung von Stücken mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad veröffentlicht hat. Bei Rinck bleibt jedoch alles 'im grünen Bereich'. Seine Musik soll unterhalten und die schwarzen Gedanken verscheuchen, die den Biedermeier-Bürger befallen und die kein Mensch wissen und kein Jäger erschießen kann. Divertissements ebenso wie Variationen über (etwas sentimentale) Volkslieder und Cavatinen aus Rossinis 'Tancredi' - und wenn man sich nach der guten alten Zeit zurücksehnte, als noch kein 'Fürst von Mitternacht' seine Geheimpolizei in die nächtlichen Gassen schickte, griff man zu den 'Douze Menuets' op. 79, die bei Rinck jedoch keineswegs altmodisch und verzopft klingen, sondern ganz im Gegenteil mit ihrer frischen und vitalen Art den klingenden Beweis dafür liefern, dass sich der Ländler eben doch aus dem Walzer entwickelt hat.
Rincks Musik, das lehrt ein Blick in diese Hefte, deren Inhalt über einen Zeitraum von zwanzig Jahren entstanden ist, ist ein in sich beständiger Mikrokosmos. Hier sind keine Revolutionen zu erwarten - aber auch kein Stillstand. Eher gleicht der Komponist einem Baumeister, der seinem Haus noch einen weiteren Turm hinzufügt oder einen Oleanderbusch in den Vorgarten pflanzt. Seine Musik zeichnet sich durch das aus, was man in früheren Zeiten, da man noch an die vier klassischen Temperamente glaubte, als 'guten Humor' bezeichnet hätte. Sein Klaviersatz ist zu vielen Farben fähig, ist mal warm und erdig und mal ätherisch-hell. Die Aufteilung auf vier Hände erlaubt es Rinck, einen orchestral klingenden Satz zu schreiben, der immer gut klingt und dennoch verhältnismäßig leicht zu spielen ist. Kein Wunder, dass der heute so gut wie vergessene Komponist sich über ein Jahrhundert lang größter Beliebtheit erfreuen konnte - an dieser Musik kann sich so manch anderer eine Scheibe abschneiden." (Manuel Rösler, in: Piano News 2/2008, S. 60f.)

"Der Verleger, der sich zugleich als Herausgeber artikuliert, hält sich in der Qualitätsbeschreibung bescheiden zurück. In jeder der drei Ausgaben betont er im Vorwort, dass Rincks 'Kompositionstätigkeit ... den Ton des Biedermeiers treffend der selbstzufriedenen musikalischen Unterhaltung daheim Futter lieferte'. Das dürfte sowohl Rincks kompositorischer Leistung (ohne sie besonders hochstilisieren zu wollen) als auch der Bewertung dazu im gesellschaftlichen Umfeld nicht gerecht werden.
Die Menuette mit Trios präsentieren sich in traditionsgewohnter einfacher Liedform, die immer wieder souverän und einfallsreich ausgelotet wird, auch in den Divertissements. In den Variationen, die mehr oder weniger dem klassischen Melodievariationstypus folgen, sind die Vorgaben natürlich durch die Themen geprägt, ob auf eine eingängige Melodie von Rossini oder ein Volkslied bezogen. Doch auch hier darf man sich gelegentlich durch eine aparte harmonische Wendung überraschen lassen. Der Klavierklang in den Divertissements gewinnt manchmal orchestrale Züge. Der Klaviersatz von seiner Anlage her ist partnerfreundlich einzustufen. Der Schwierigkeitsgrad bei Primo erreicht in einem der Variationswerke bei einer entsprechenden Temponahme vielleicht schon die Schwelle zu 'schwierig', im Übrigen ist für Primo und Secondo überall 'leicht' bis 'mittelschwer' anzusetzen. [...]" (Klaus Börner, in; nmz 7-8/08, S. 51)

aktualisiert Dienstag, 2. November 2010
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