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1772 als Sohn des lutherischen Schulmeisters und Organisten im rheinisch-bergischen Kirchdorf Witzhelden geboren und dort am 30. März getauft, erhielt Johann Wilhelm Wilms seine musikalische Ausbildung zunächst durch den Vater, dann von einem älteren Bruder und dem Pfarrer der Neunhundertseelengemeinde.
Die Flöte und vor allem das Klavier waren seine bevorzugten Instrumente, und früh schon - so ließ er einen Biographen später wissen - hat er damit begonnen, seine "Gedanken in mehrstimmigen Musikstücken zu Papier zu bringen."
Nach Aufenthalten als privater Musiklehrer in Lüttringhausen und Elberfeld übersiedelte Wilms 1791 in die Musikmetropole im Nordwesten des Kontinents, nach Amsterdam. Hier nahm er Unterricht bei Georg Casper Hodermann und erwarb sich in einflussreichen Salons der Stadt rasch den Ruf eines außergewöhnlichen Klaviervirtuosen und unerhörten Improvisators. Mit Aufführungen eigener Konzerte und solcher von Dussek, Mozart, Steibelt und Sterkel festigte er sogleich seinen Ruhm auch Amsterdams führender Klaviersolist zu sein.
Ab 1793 erschienen Druckausgaben seiner Kompositionen, und nun kam neben dem Pianisten auch der Tonsetzer Wilms als Lehrer in Mode.
1796 gründete Wilms mit fünf anderen jungen Berufsmusikern ein sich selbst verwaltendes Orchester, das Collège Eruditio Musica - die revolutionäre und überaus erfolgreiche Alternative zum herkömmlichen Konzertwesen in Amsterdam. Eine diesem Ensemble gewidmete Symphonie, sein opus 9 in C-Dur, brachte ihm schlagartig internationale Anerkennung.
Wachsendem Interesse an Neuerscheinungen von ihm konnte Wilms nur bedingt entsprechen, weil die den Unterhalt seiner Familie sichernden Verpflichtungen als Privatmusiklehrer wie als Flötist das Komponieren größerer Werke auf die orchester- und unterrichtsfreien Sommermonate beschränkten. So warfen denn Verleger bisher ungedrucktes Frühwerk - zum Teil mit zu hohen, Aktualität suggerierenden Opuszahlen versehen - auf den Markt und lösten dadurch Irritationen aus.
Wilms' Berufung in die gerade erst gegründete Akademie der Wissenschaften, Literatur und Schönen Künste zu Amsterdam (1808), der alles überbietende Erfolg seiner Wilhelmus-Variationen für Orchester (1813ff.) und endlich der Doppelsieg im Wettbewerb um eine Nationalhymne (1817) bescherten dem Komponisten im Inland enormen Zuwachs an Popularität - ein Geschenk von höchst zweifelhaftem Wert, da ihm nun noch mehr zeitraubende Ehrenämter und mäßig bezahlte Gelegenheitskompositionen angetragen wurden; sie beschlagnahmten jetzt auch den Rest jenes spärlichen Freiraums, den seine Tätigkeiten als Flötist, Pianist, Klavier- und Kompositionslehrer ihm in früheren Jahren noch für freies Komponieren übriggelassen hatten. So wurde es um "einen der geistreichsten, lebhaftesten und ausgebildetsten Künstler" (AmZ 1807) im Ausland allmählich stiller.
Seine Situation war ihm schmerzhaft klar: "Ich bin nur ein armer musikalischer Taglöhner", gestand er im Herbst 1823 dem in Amsterdam gastierenden Johann Nepomuk Hummel. Auch ein erster Preis der Société Royal des Beaux-Arts in Gent für seine nach langer Pause entstandene sechste Symphonie in d-Moll (1820) hatte daran nichts ändern können.
Nach dem frühen Tod seiner Frau (1821) organisierte Wilms den schrittweisen Ausstieg aus dem öffentlichen Konzertbetrieb - nicht aber aus all den anderen alten, zeitraubenden Verantwortlichkeiten. Neue Verpflichtungen kamen hinzu: 1823 trat er die Organistenstelle bei der Mennonitischen Gemeinde "Het Lam" an; zwischen 1824 und 1838 übernahm er ein- bis zweimal pro Jahr die Komposition großangelegter Festkantaten, und seit 1829 rechnete auch die Gesellschaft Toonkunst mit ihm als jederzeit verfügbarem Gutachter.
Durch ständigen Einsatz für das Bessere in der Kunst tief in die Verwaltung des Mäßigen verstrickt, fand Wilms mit Beginn der 1830er Jahre dennoch Kraft und Zeit für ein erstaunlich eigenwilliges Spätwerk: außer einer Konzert-Ouvertüre in E-Dur, drei Orchesterliedern und seinem zweiten Flötenkonzert, dem Concertino g-Moll, schrieb Wilms nun auch wieder - nach mehr als zehnjähriger Pause - eine Symphonie, die siebte und letzte, seine zweite in c-Moll. Deren glutvolle "Mitteilungen an den inwendigen Menschen" entstanden, als der Stern des sechzigjährigen Komponisten schon im Begriff war zu verlöschen und nur wenigen kleineren Arbeiten noch die Ehre einer Drucklegung erwiesen wurde.
So blieb auch Wilms' Siebte Symphonie Manuskript und dieses verschwand schließlich, nachdem ein einziger Satz daraus ein einziges Mal - auf dem Toonkunst Feest von 1836 - gespielt worden war. Während die Orchesterstimmen für diese Aufführung verschollen blieben, tauchte die Partitur nach einer Suchanzeige des Komponisten im Amsterdamsche Courant vom 24. Mai 1837 wieder auf und gelangte in den Besitz des Wilms-Schülers C. C. von Schmitt, der das Manuskript, zusammen mit neun weiteren Werken seines Lehrers spätestens im Jahre 1853 der Gesellschaft Toonkunst schenkte.
Herrn W. H. J. Dekker, dem Leiter der wissenschaftlichen Abteilung der Stichting Toonkunst-Bibliotheek in Amsterdam, sei an dieser Stelle für die Erlaubnis zur Erstausgabe der letzten Symphonie von Johann Wilhelm Wilms herzlich gedankt.
Bonn, im Januar 2003
Ernst A. Klusen
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Noten
a) Ausgaben im Rahmen der Reihe Denkmäler rheinischer Musik
Symphonie Nr. 7 c-Moll für großes Orchester (Erstdruck; hg. von Ernst A. Klusen) Denkmäler rheinischer Musik Vol. 24:
- Partitur
ISMN M-2020-0887-4 EURO 79,80
- Aufführungsmaterial mietweise
ISMN M-2020-0888-1
Streichquartette op. 25 (Nr. 1 g-Moll und Nr. 2 A-Dur), hrsg. von Christian Vitalis. Denkmäler rheinischer Musik Vol. 28:
- Vier Stimmen im Schuber
ISMN M-2020-1498-1
EURO 59,80
Werke für Klavier solo Band 2, hrsg. von Oliver Drechsel, Vorwort von Christoph Dohr und Oliver Drechsel. 198 Seiten, Hardcover mit Compact Disc. (Denkmäler rheinischer Musik Bd. 26)
ISMN M-2020-1240-6
EURO 98,--
Klavierquartette, hrsg. u. krit. Bericht von Christoph Dohr. ca. 120 Seiten, Partitur. Hardcover. (Denkmäler rheinischer Musik Bd. xx)
EURO **,--
erscheint 2012
b) Einzelausgaben
Sonate B-Dur op. 13 für Klavier, hrsg. von
Oliver Drechsel, Vorwort von Christoph Dohr
ISMN M-2020-1111-9
EURO 16,80
Variationen Vol. 1 für Klavier, hrsg. von
Oliver Drechsel, Vorwort von Christoph Dohr
ISMN M-2020-1112-6
EURO 16,80
Inhalt: Ariette ["Hopp Marianchen"]. Variée pour le Piano Forte op. 11 [op. 19]; Ariette "Seit ich so viele Weiber sah" de l'opera "Der Spiegel von Arcadien" avec Variations pour le Clavecin ou Pianoforte
Variationen Vol. 2 für Klavier, hrsg. von
Oliver Drechsel, Vorwort von Christoph Dohr
ISMN M-2020-1113-3
EURO 16,80
Inhalt: "Wilhelmus van Nassauwe". Varié pour Piano Forte op. 38; Romance de Cendrillon. "Je suis modeste et soumise". Variée pour le Piano Forte op. 28
Variationen Vol. 3 für Klavier, hrsg. von
Oliver Drechsel, Vorwort von Christoph Dohr
ISMN M-2020-1115-7
EURO 16,80
Inhalt: Ariette "Einmal in meinem achten Jahr" de l'Opera "Oberon" par M. Wranitzky; Air Tirolien Varié pour le Piano Forte; Variations sur le Chanson bachique "Lasset die feurigen Bomben" op. 20.
Sechs Sonatinen für Klavier, hrsg. von
Oliver Drechsel, Vorwort von Christoph Dohr
ISMN M-2020-1226-0
EURO 12,80
Compact Disc / CD
Johann Wilhelm Wilms: Klavierwerke Vol. 1 Sonate B-Dur op. 13 (1793); Ariette "Seit ich so viele Weiber sah" avec variations; "Nel cor più non mi sento" varié pour le pianoforte op. 50; Ariette "Einmal in meinem achten Jahr" variée pour le Pianoforte; Romance de Cendrillon "Je suis modeste et soumise" varié pour le Pianoforte op. 28.
Oliver Drechsel, Klavier (Hammerflügel von Christian Erdmann Rancke, Riga ca. 1825)
DCD024 - (P) 2004 - EURO 18,50
Johann Wilhelm Wilms: Klavierwerke Vol. 2
Thême de Mozart variée op. 27; Die Schlacht bei Waterloo; Walzer "Les soirées d'Amsterdam; Favorit Rondo; Nouvelle Favorit Walse brillante; Cinquième Air variée de Charles Beriot, arrangée pour le piano
Oliver Drechsel, Klavier (Hammerflügel von Christian Erdmann Rancke, Riga ca. 1825); Claus Biederstaedt, Rezitation
DCD029 - (P) 2010 - EURO 18,50
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