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Christoph Friedrich Wilhelm Nopitsch wurde am 4. Februar 1758 als Nachkomme einer nach dem Dreißigjährigen Krieg aus Oberösterreich ausgewiesenen Exulantenfamilie und ältester Sohn des Pfarrers Conrad Nopitsch (1722-1790) in Kirchensittenbach (Mittelfranken) geboren.[1] In der Schule zu St. Sebald in Nürnberg wurde er von seinem Onkel, dem dortigen Organisten Johann Siebenkäs (1714-1781), und von dessen Schüler, dem städtischen Musikdirektor Georg Wilhelm Gruber (1729-1796), gefördert. Nachhaltige musikalische Eindrücke erhielt er auch als Chor-Organist und Generalbass-Spieler bei den sonntäglichen Aufführungen unter Leitung des Sebalder Kantors Lochner. Aus einem von Nopitschs jüngerem Bruder Christian Conrad (1759-1838) 1806 veröffentlichten Artikel im Nürnbergischen Gelehrten-Lexicon von Georg Andreas Will ist zu entnehmen, dass dem jungen Musiker schon frühzeitig „die Modulation und der reine Satz bekannt“ waren.[2] Ebenso habe er beständig die besten theoretischen Werke gelesen und die Partituren großer Komponisten studiert. Erste eigene Werke ließ er von Siebenkäs und Gruber begutachten. Von jeher sei es, so die Mitteilung seines Bruders, sein Bestreben gewesen, „den wahren ästhetischen Ausdruck, reinen Satz, fließenden Gesang und die vollkommenst[e] Kenntniß aller möglichen Gattungen des Contrapuncts zu erreichen“. Fuxschen Kontrapunkt lernte er bei Joseph Riepel in Regensburg und bei Eberhard Beck in Passau, bevor er nach Gotha ging, um sich bei Georg Benda und Anton Schweizer weiterzubilden.
Als 1781 in der Reichsstadt Nördlingen die Organisten- und städtische Musikdirektoren-Stelle neu zu besetzen war, wurde der 23-jährige Nopitsch am 7. Mai desselben Jahres nach öffentlicher Prüfung durch die führenden Hofmusiker am Oettingen-Wallersteinschen Hof, Ignaz (von) Beecke (1733-1803), Joseph Reicha (1752-1795) und Antonio Rosetti (um 1750-1792), als jüngster von 18 Kandidaten für den ersten Platz nominiert. Seine wachsende Anerkennung als außergewöhnlicher Klavier- und Orgelspieler, der selbst das Lob von Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791) finden sollte,[3] beflügelte offensichtlich auch Nopitschs kompositorische Ambitionen. Er vertonte nicht nur Gedichte von Schubart, Bürger, Ramler und Stolberg, sondern publizierte auch pädagogische Werke und komponierte bzw. bearbeitete zahlreiche Kirchenkantaten, darunter Werke seines Amtsvorgängers, des bekannten Johann-Sebastian-Bach-Verehrers Johann Caspar Simon (1701-1776).[4]
Nopitsch war zwar mit dem Rosetti-Bewunderer, Publizisten und Satiriker Ludwig Wilhelm Wekhrlin (1739-1792) befreundet, der ihm auch die Möglichkeit zur Veröffentlichung seines Subskriptionsaufrufs und seiner Klagegedichte auf Bach bot, den größeren Einfluss auf den Nördlinger Musiker übte jedoch zweifellos Schubart aus.[5] Die auffällige Wertschätzung C. Ph. E. Bachs könnte bereits auf den gemeinsamen Lehrer Gruber in Nürnberg oder wenigstens auf die dortige Bach-Pflege zurückzuführen sein. In jedem Falle orientierte sich Nopitsch nicht nur musikalisch, sondern auch dichterisch und journalistisch an Schubart. 1802 verlautete sogar, es sei von ihm „eine Lebensgeschichte à la Schubart zu erwarten“. „Mit einer fast unerschöpflich reichen Phantasie begabt“, schrieb sein Bruder 1806, arbeite Christoph Friedrich Wilhelm „überaus leicht“, und während seiner musikalischen Laufbahn habe er „schon vieles für die Kirche, fürs Theater und für verschiedene Instrumente, so wie auch für den Gesang und das Clavier gesetzt und geschrieben“.[6] Weitere Nachrichten und die erhaltenen handschriftlichen und gedruckten Werke bestätigen, dass Nopitsch nicht nur für Kirche und Schule, sondern auch für die private häusliche Musikpflege und seine 1793 von ihm gegründete Liebhaber-Konzertreihe mit einem selbst gebildeten Orchester Kompositionen verfasst hatte, die über Nördlingen hinaus für Aufsehen sorgten und ihm 1801 einen ehrenvollen Ruf nach Frankreich einbrachten, den er allerdings ablehnte.[7]
[1] Friedhelm Brusniak/Franz Krautwurst, Art. „Nopitsch, Friedrich Wilhelm“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2., neubearbeitete Ausgabe, Personenteil, Bd. 12, hrsg. von Ludwig Finscher, Sp. 1174-1176.
[2] Hier und im Folgenden nach Christian Conrad Nopitsch, Art. „Nopitsch (Christoph Friedrich Wilhelm)“, in: Georg Andreas Will’s […] Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon […] Siebenter Theil oder dritter Supplementband, Altdorf 1806, S. 34-37, hier: S. 35.
[3] Noch in seinem Todesjahr 1791 stellte Schubart fest: „Sonst sind die Nördlinger große Verehrer von der Tonkunst, sonderlich von der Kirchenmusik. Simon war ehemals daselbst ein durch ganz Deutschland berühmter Orgelspieler und Tonsetzer, und jetzt haben sie an Nopitsch wieder einen der gründlichsten und nachdrucksvollsten Organisten, der mit reichen theoretischen Kenntnissen viel ausübende Kraft vereinigt.“ C. F. D. Schubart’s, des Patrioten, gesammelte Schriften und Schicksale, Bd. 1, Stuttgart 1839, S. 26.
[4] Winfried Bönig, Die Kantaten von Johann Caspar Simon. Ein Beitrag zur Geschichte der evangelischen Kirchenmusik um 1740, Augsburg 1993 (= Collectanea Musicologica 4); dazu neuerdings Joachim Kremer, „Johann Caspar Simon als Schüler Johann Sebastian und Johann Nikolaus Bachs? Ein neues süddeutsches Bach-Dokument aus dem 18. Jahrhundert“, in: Bach-Jahrbuch 86 (2000), S. 327-332.
[5] Diese Einschätzung (vgl. Brusniak, wie Anm. 2, S. 137-140) wird auch von Leisinger (wie Anm. 1, S. 146) unterstützt.
[6] Nopitsch (wie Anm. 1), S. 36.
[7] Friedhelm Brusniak, „Geschichte des Musik- und Gesangvereins Nördlingen 1825-1863“, in: Jahrbuch des Hist. Vereins für Nördlingen und das Ries 28 (1996), S. 1-196, hier: S. 3-27.
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