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Komponist

Werke in der Edition Dohr

Otto Valdemar Malling

Otto Valdemar Malling

Der dänische Spätromantiker Otto Valdemar Malling blieb Zeit seines Lebens Kopenhagen verbunden: dort am 1. Juni 1848 geboren, studierte er von 1869-1871 am Konservatorium seiner Heimatstadt (u.a. bei Niels Wilhelm Gade) und blieb ihr auch beruflich verbunden. Zunächst machte er sich mit Engagements als Dirigent einen Namen: 1874 war er Mitbegründer des Konzertvereins ("Koncertforening"), ein Jahr später übernahm er die Leitung des Studentengesangvereins ("Studenter-Sangforening"). In beiden Positionen prägte er das dänische Musikleben und leistete hervorragende Aufbauarbeit. Mallings entscheidende Karriere als praktischer Musiker begann 1878 als Organist an der Kirche St. Petri; 1891 wechselte er zur Heiliggeist-, 1900 zur Frauen-Kirche in Kopenhagen. Er galt als führender dänischer Organist und widmete sein kompositorisches Schaffen seit den 1890er-Jahren fast ausschließlich der kirchlichen Musik. So schrieb er eine Fülle von teils programmatisch-geprägten Charakterstücken für Orgel, thematisch zu Zyklen zusammengefasst.

Hatte Otto Valdemar Malling bereits 1884 sein Engagement als Chordirigent beendet, wählte er ein Jahr später die Profession, die ihn - neben dem Organisten - bis zum Lebensende in Anspruch nehmen sollte: Er wurde zunächst Lehrer und Professor für Musiktheorie, Komposition und Instrumentation am Konservatorium in Kopenhagen, schließlich dessen Direktor - eine Position, die er bis zu seinem Tode am 5. Oktober 1915 innehatte. Er galt als administrativ begabter und engagierter Pädagoge, auch wenn er, eher konservativ eingestellt, für neuere musikalische Strömungen nicht immer offen war. So konnte er sich beispielsweise mit dem Kompositionsstil Carl Nielsens nicht anfreunden. Malling selbst zeigte sich allerdings in seinen eigenen Werken, insbesondere in seiner frühen Schaffensperiode, Modernem gegenüber durchaus aufgeschlossen, ließ sich insbesondere von französischen Stilelementen (von Gounod, Massenet, Delibes) inspirieren. Fast alle Formen der Musik hatte Malling bis zu seinem kirchenmusikalischen Engagement abgedeckt. So schrieb er u.a. ein Sinfonie, ein Klavierkonzert, Suiten und eine Ouvertüre für Orchester, ein (spätes) Bühnenwerk (Ballett "Askepott"), Kammermusik mit und ohne Klavier, Lieder, Chor- und Klavierstücke - Musik, in der ein "Talent von deutlich 'dänischer' Prägung seinen Ausdruck" fand, wie sein (ausführlichster) Biograph R. Hove, im "Danks Biografisk Leksikon" 1938 schreibt.

Sein Streichoktett in d-Moll, op. 50, komponierte Malling 1893. Es steht natürlich in der Tradition des Werkes, das diese seltene Gattung begründete, des genialen Wurfes von Felix Mendelssohn Bartholdy (Es-Dur, op. 20, 1825), dann weiterer Oktette wie das seines Lehrers Niels Wilhelm Gade (F-Dur, op. 17, 1848) und des Norwegers Johann Severin Svendsen (A-Dur, op. 3, 1865/66). Klassisch viersätzig geschrieben, mit dem Scherzo an zweiter Stelle, lebt es von weitspannender Melodik, aparter Harmonik, spritziger thematischer Arbeit und geistvollen instrumentatorischen Einfällen: ein Werk aus einem Guss, mit echt nordischem Tonfall. Und es beweist, wie einige der in letzter Zeit erschienenen CD-Veröffentlichungen, dass sich die Auseinandersetzung mit dem Oeuvre Otto Valdemar Mallings lohnt: der "letzte bedeutende Vertreter des goldenen Zeitalters der dänischen Musikromantik" (Hove) hat das schmale Oktett-Repertoire erweitert und eine klang- und spielfreudige Alternative zum "Dauerhit" des Mendelssohn-Werkes vorgelegt.

© by Wolfgang Birtel/Verlag Dohr

  • Oktett für 4 Violinen, 2 Violen und 2 Violoncelli op. 50 (= Streichdoppelquartett), krit. rev. Neuausgabe von Wolfgang Birtel.
    • Partitur.
      ISMN M-2020-0758-7
      EURO 34,80
    • Stimmenset.
      ISMN M-2020-0759-4
      EURO 39,80
aktualisiert Dienstag, 8. Februar 2011
© 1998-2011 by Verlag Christoph Dohr Köln / edition dohr