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Titel im Verlag Dohr

Dr. Renate Hüsken

Renate Hüsken

Dr. Renate Hüsken (*1956), Studium der Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte in Köln und Wien. Freie Mitarbeit bei verschiedenen Musikzeitschriften, beim Neuroscience Spektrum und beim Westdeutschen Rundfunk Köln (Kammermusik-Redaktion und Veranstaltungsmanagement). Dort von 1997 bis 2001 verantwortlich für die Programmhefte des WDR Sinfonieorchesters Köln sowie für zahlreiche Folder und Broschüren der Musikredaktionen. Von November 2004 bis August 2005 Leiterin des Archivs Frau und Musik in Frankfurt am Main. Freie Autorin und Journalistin.

Buch

  • Ella Adaïewsky (1846-1926). Pianistin – Komponistin – Musikwissenschaftlerin,
    435 S., zahlr. Abb. und Notenbeispiele, Werkverzeichnis. Köln 2005. Hardcover
    ISBN 978-3-936655-18-6
    vergriffen, keine Neuauflage

Aufsatz

  • Ella Adaïewsky und die venezianische Società del Quartetto
    in: Aspetti musicali. Musikhistorische Dimensionen Italiens 1600 bis 2000. Festschrift Dietrich Kämper zum 65. Geburtstag, hg. von Norbert Bolin, Christoph von Blumröder und Imke Misch. Köln 2001, S. 77-85.
    ISBN 978-3-925366-83-3
    EURO 49,80

(Cover anklicken zum Vergrößern)

Zum Buch ("Klappentext"):

Ella Adaïewsky, 1846 in Sankt Petersburg geboren, bereiste in ihrer Jugend als Klaviervirtuosin Russland und Westeuropa. Sie konzertierte in den Salons der vornehmen Sankt Petersburger Gesellschaft sowie am Hofe Zar Alexanders II. Nach dem Studium am Sankt Petersburger Konservatorium gab sie das Konzertieren auf und widmete sich ganz der Komposition.

Adaïewsky komponierte zwei Opern, Chorwerke für die russisch-orthodoxe Kirche, Kammermusik und zahlreiche Lieder. Ein Großteil ihrer Werke wurde zu ihren Lebzeiten in Sankt Petersburg, Paris, Wien und anderen europäischen Großstädten aufgeführt. Von 1882 bis 1911 lebte und arbeitete sie als Komponistin und Musikwissenschaftlerin in Venedig. Ihre Forschungsergebnisse wurden in renommierten Fachzeitschriften publiziert. Die letzten Lebensjahre verbrachte die Künstlerin als Gast der Königin Elisabeth von Rumänien in Schloss Segenhaus bei Neuwied am Rhein. Ella Adaïewsky starb 1926 in Bonn.

Die vorliegende Arbeit beruht auf der wissenschaftlichen Erschließung des bisher ungesichteten und unveröffentlichten Nachlasses. Sie bietet erstmals einen umfassenden Überblick über Leben und Werk Ella Adaïewskys und analysiert mit Bezug auf den musikhistorischen Kontext die künstlerischen Entfaltungsmöglichkeiten und Grenzen einer Frau, die das Musikleben ihrer Zeit auf vielfältige Weise mitgestaltet hat. Adaïewskys Briefe und Tagebücher liefern über die individuelle Lebensgeschichte hinaus spektakuläre Erkenntnisse zur Musikgeschichte Russlands und Italiens.

Pressestimme

"Wenn es Renate Hüsken nicht getan hätte, dann wäre vielleicht nie ein Buch über Ella Adaiewsky (1846-1926) erschienen. Die Biographin, seit 2004 Leiterin des Archivs Frau und Musik in Frankfurt am Main, hatte allerdings auch Glück, denn als Ausgangspunkt für ihre in Buchform vorgelegte musikwissenschaftliche Dissertation diente ihr der umfangreiche Nachlass der Pianistin, Komponistin und Musikologin aus Privatbesitz. Was nun hat zu Adaiewskys unbestreitbarem Ruhm einerseits und ihrem im Vergleich zu anderen Pianistinnen wie Clara Schumann oder Elly Ney so schnell verblassten Stern beigetragen? Viel Verwirrung hat zweifellos Adaiewskys Marotte gestiftet, unter mehr als sieben Pseudonymen zu schreiben und zu arbeiten. Obwohl in St. Petersburg als Elisabeth Schulz geboren, war und blieb Russland nicht wirklich ihre Heimat. Die Eltern stammten aus baltischer und norddeutscher Herkunft, und Adaiewsky zog es fortan ins Herz Europas zurück. Ja zwanzig Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Venedig, wo sie in privaten Salons und dem 'Verein zur Pflege edler Kammermusik' Triumphe feierte. Unabhängigkeit verschaffte Adaiewsky eine über Jahrzehnte fließende Pension des russischen Zarenhauses, in deren Genuss auch Tschaikowsky, wenn auch nicht gar so lange wie Adaiewsky, gekommen war. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte die Künstlerin während der Wirren des Ersten Weltkriegs und dem Entstehen der Weimarer Republik als Gast der rumänischen Königin Elisabeth auf Schloss Segenhaus in der Nähe von Neuwied am Rhein. Ihr langes Leben und ihre ausnahmslose Reisefreudigkeit verschafften Adaiewsky Kontakte zu den Größen des zeitgenössischen Musiklebens aus dem 19. Jahrhundert. An den Soirees des alten Rossini hatte sie teilgenommen, Berlioz hörte die Pianistin, Gounod, Brahms, Liszt und Clara Schumann waren auf die junge Klaviervirtuosin aufmerksam geworden.

Hüsken wählt einen erzählenden Stil der Lebensbeschreibung und dosiert die zeitgenössischen Zitate sehr sorgfältig, nicht ohne den wissenschaftlich-dokumentarischen Apparat zu vernachlässigen. Somit erweitert sich das Buch zu einem Roman der Musikgeschichte in der ausgehenden romantischen Epoche und zu einem Dokument über das Spannungsverhältnis eines im Umbruch befindlichen russischen Reiches im Verhältnis zu den europäischen Nachbarn. Zudem ist es die Geschichte einer Frau, die sich, wie zu ihrer Zeit üblich, wohl die Protektion einflussreicher Bewunderer zunutze zu machen verstand, darüber hinaus aber eine außergewöhnliche Selbständigkeit und Widerstandsfähigkeit entwickelte. Auch im Bereich der Komposition eiferte Adaiewsky ihrem Vorbild Clara Schumann nach. Das komplett beigefügte Werkverzeichnis enthält Beiträge zu fast allen Gattungen. Ja, neben Chorwerken finden wir sogar eine vieraktige Volksoper mit dem Titel „Zarja / Die Morgenröte der Freiheit", die Adaiewsky dem Zaren Alexander Il. widmete. Trotzdem überwiegen Klavier- und Kammermusikwerke, wiewohl Adaiewsky den Strömungen ihrer Zeit entsprechend einen anspruchsvollen Katalog an Liedkompositionen vorlegen konnte. Spannend arbeitet Hüsken heraus, wie schwer es einer Komponistin, noch dazu einer russischen Komponistin zur damaligen Zeit fiel, trotz ihrer Erfolge in Paris und Wien im europäischen Musikleben Fuß zu fassen. Besonders die Oper, eine Domäne der männlichen Kollegen, lässt sich von ihr nicht erobern. 'Dass die junge Frau all diese strapaziösen, sich über viele Jahre hinziehenden Kämpfe um die Aufführung ihrer Werke überhaupt durchsteht', mutmaßt Hüsken, 'ist nicht zuletzt das Verdienst ihrer Mutter Thora von Schulz.' Sie stellte Kontakte her und zögerte nicht, gar Bittbriefe zu schreiben. Nicht jeder reagierte darauf positiv. Schon gar nicht ein Mann wie der Dirigent und Wagner-Freund Hans von Bülow, über dessen 'Arroganz und Flegelhaftigkeit' sich Adaiewsky nur verwundert, 'Er ist grob wie Bohnenstroh, abends zu Hause, um mich von dem Schrecken zu erholen', schreibt sie. Fassungslos über sein Verhalten hat es sich Adaiewsky nicht nehmen lassen, ein minutiöses Gesprächsprotokoll niederzuschreiben, das Hüsken im originalen Wortlaut wiedergibt. Die Musikgeschichte vergisst nichts. Und wenn man Ella Adaiewsky auch fast vergessen hätte, irgendwann findet sich immer jemand, der das wieder hervorholt, was im Laufe der Jahre unter dem Treibsand der Ereignisse vergraben war." (Helmut Peters in Piano News, Januar 2007)

aktualisiert Sonntag, 3. Januar 2010updated
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