"Zerstören läßt sich alles: Größte Kunstwerke der Malerei wurden bereits mit Säure bespritzt, die Pieta von Michelangelo beschädigt, ganz zu schweigen, was in Kriegen alles zugrunde ging. Auch Musik läßt sich kaputtmachen. Gemeint ist nicht das Vernichten von Autographen durch Verückte, sondern das Zerstören des geistigen Inhaltes durch stümperhafte, nicht durchdachte Interpretation. Wieviele potentielle Musikliebhaber erfuhren durch derlei Darbietungen schon Abschreckung, sich mit Johann Sebastian Bach überhaupt zu beschäftigen. Welche Fülle tiefster Erfahrung entgeht jenen dadurch! Wie schreibt Barbara Klinkhammer so treffend: 'Bachs Musik im Allgemeinen und das Wohltemperierte Clavier im Besonderen, als Heilmittel für die Seele, Insel der Ruhe, Quelle der Energie, um spielend und hörend im Einklang mit sich selbst zu sein.' Was wäre dem noch hinzuzufügen?
Es bedarf keiner Frage: Barbara Klinkhammer setzt mit ihrer Cembalo-Einspielung von Bachs Wohltemperiertem Klavier, Band II, neue Maßstäbe. In dieser Veröffentlichung des Dohr-Verages (Köln) wird nichts 'heruntergeleiert'. Im Gegenteil: Jedes Präludium, jede Fuge ist bis ins letzte Detail durchdacht interpretiert. Keine - auch nur anscheinend unbedeutende - Nebenstimme wird in den Fugen lediglich als Füllstimme betrachtet, sondern erscheint als unverzichtbar im Kontext des Gesamten. Jede Stimme läßt sich nicht nur verfolgen, sondern in ihrer harmonischen Notwendigkeit nachvollziehen. Dabei behält Barbara Klinkhammer zu jeder Zeit die Gesamtheit der Kompositionen im Auge, eines bedingt das andere, bildet ein vollkommenes Ganzes in filiraner Durchhörbarkeit.
Wie oft habe ich diese CD schon aufgelegt, dabei immer wieder Neues, bisher Ungehörtes entdeckt! Spannung und Beruhigung, wohlüberlegte Tempi und Klarheit des Vortrages; aus der Interpretation von Barbara Klinkhammer spricht tiefe geistige Durchdringung der 24 Präludien und Fugen, gepaart mit exzellentem spieltechnischen Können." (Theodor Auer, in: HIFI-Stars 01 [Dez. 08/Febr. 09], S. 92f.)
"'In der vorliegenden Interpretation ist der Versuch unternommen worden, die Struktur der Musik in der Horizontalen und Vertikalen zu durchdringen. Um das Große zu verstehen, ist es notwendig, sich mit der Mikrostruktur zu beschäftigen. Dabei kommt dem Parameter der Artikulation, dem Maß der Verbindung und Trennung der einzelnen Töne mit all ihren Nuancen, eine besondere Bedeutung zu. Um die Facetten freizulegen, die endlosen Verästelungen sichtbar und die dreidimensionale Tiefenwirkung plastisch zu machen, ist es notwendig, das Maß des Absetzens oder Bindens von je zwei Tönen in der Linie und das harmonische Zusammenwirken in der Senkrechten in detektivischer Kleinarbeit aufzudecken und festzulegen.'
Im umfangreichen Essay zu ihrer Einspielung des 2. Teils von J. S. Bachs Großwerk, dem 'Wohltemperierten Clavier', legt die Cembalistin Barbara Klinkhammer ihren interpretatorischen Ansatz dar. Man spürt deutlich, dass ihr die Auseinandersetzung mit dieser großartigen Musik eine Herzensangelegenheit ist, der nicht zuletzt die sorgfältige und geschmackvolle Edition dieser Aufnahme in Form eines kleinen festgebundenen Büchleins entspricht. [...]" (Georg Henkel; Online-Rezension auf musikansich.de; September 2008)