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a capriccio
Musik für Oboe und Klavier

 

 

 

 

 

 

 

Thekla von Dombois * Oboe

Wilhelm Kemper * Klavier
   

Aufnahmeort: ev. Kirche Honrath
Aufnahmedatum: 12. bis 14. Oktober 2001
Instrumente: Oboe Marigaux Paris
Blüthner-Flügel Modell 4, Instr.-Nr. 149785

 

Tonmeister und Schnitt: Hilmar Kerp
Booklet-Redaktion und -Gestaltung: Christoph Dohr
Cover, Bookletmitte und CD-Spiegel: Kölner Graphikwerkstatt - A. Vietz
© Booklettext: Sabine Weckerle/Verlag Dohr

 

Bestell-Nummer: Verlag Dohr DCD 010
Preis: EURO 18,50

Gesamtdauer: 50'22''

DCD010: a capriccio. Musik für Oboe und Klavier
  • Madeleine Winefride Dring (1923-1977): Italian Dance for oboe and piano [2'41'']
  • Carl August Nielsen (1865-1931): Zwei Fantasiestücke op. 2 für Oboe und Klavier:
    Nr. 1: Romance [2'47'']
    Nr. 2: Humoresque [2'24'']
  • Christopher Norton (*1953): Three pieces from Microjazz for oboe and piano:
    Floor33. Sternly [1'07'']
    Marina. Warmly [1'59'']
    Imps. Sprightly [0'50'']
  • Matilde Capuis (*1913): Due Movimenti per oboe e pianoforte:
    Calmo e pensoso [4'50'']
    A Capriccio. Vivace [2'41'']
  • César Franck (1822-1890): Pièce V pour hautbois et piano [2'41'']
  • Robert Schumann (1810-1856): Drei Romanzen op. 94 für Oboe und Klavier:
    Nr. 1 Nicht schnell. [3'00'']
    Nr. 2 Einfach, innig. [3'49'']
    Nr. 3 Nicht schnell. [4'24'']
  • Petr Eben (*1929) Amoroso für Oboe und Klavier [4'58'']
  • Giovanni Daelli (1800?-1860?): Fantasie über Themen aus Giuseppe Verdis Rigoletto für Oboe und Klavier [10'58'']


Zu dieser CD

Die englische Komponistin und Schauspielerin Madeleine Winefriede Isabelle Dring wurde am 7. September 1923 in London geboren und entstammte einer musikalischen Familie. Sehr früh begann sie daher mit dem Violinspiel. Neben der Musik entdeckte Madeleine Dring auch ihre Leidenschaft für das Theater und die Schauspielerei, so dass sie zusätzlich zu ihren Fächern Klavier, Violine und Gesang auch das Schauspielfach studierte. Drings kompositorisches Schaffen ist sehr umfangreich und erstreckt sich über sämtliche musikalische Gattungen, wobei im Mittelpunkt ihres Werkes die Bühnen- und Filmmusik, häufig für Fernsehproduktionen, steht. Mit ihren zahlreichen Klavierwerken erlangte Dring vor allem in den USA große Verbreitung und Anerkennung, was ihr den Beinamen "Gershwin unter den Frauen" einbrachte. Unter ihren kammermusikalischen Kompositionen nehmen die Werke für Oboe und Klavier eine gewichtige Rolle ein, denn Dring hat diese Kompositionen hauptsächlich für ihren Ehemann Roger Lord geschrieben, einem herausragenden Oboisten, der lange Jahre in englischen Symphonie-Orchestern tätig war.

In ihren Werken verbindet Dring anspruchsvolle Harmonik und Melodik mit unterhaltsamer Leichtigkeit und tänzerischen Rhythmen, was auch in ihrem 1960 entstandenen "Italian Dance" deutlich wird, der durch seine mitreißende Energie besticht.

Was Edvard Grieg für Norwegen und Jean Sibelius für Finnland, das verkörpert Carl August Nielsen, am 9. Juni 1865 geboren, für Dänemark: Er gilt als der größte Komponist, den Dänemark hervorgebracht hat, was Nielsen hauptsächlich seinen sechs Sinfonien zu verdanken hat. Aber auch in der Vokal- und in der Kammermusik hat er sich durch seine zahlreichen, von künstlerischer Eigenheit geprägten Werke international einen Namen gemacht. Deutlich wird dies schon in seinen frühen Kompositionen, zu denen auch die im Jahre 1889 komponierten "Zwei Fantasiestücke für Oboe und Klavier" op. 2 gehören. Es sind klanglich sehr aparte Stücke, die durch ihre häufig folkloristisch anmutende Couleur sehr frisch und musizierfreudig sind.

Christopher Norton wurde am 22. Juni 1953 in Neuseeland geboren und begann seine musikalische Karriere als Pianist und Komponist. 1977 ging er nach Großbritannien, wo er an der York University bei Wilfred Mellers und David Blake Kompositionslehre studierte. Norton gehört zu den zeitgenössischen Komponisten, die sich besonders im Bereich der musikalischen Pädagogik einen Namen gemacht haben. Seine umfangreiche Serie "Microjazz" - kurze, prägnante Übungsstücke für unterschiedlichste Besetzungen - erlangte weltweite Verbreitung und große Beliebtheit bei Lehrern wie Schülern, denn in ihnen verbindet er "klassische Technik" mit den Klängen und Stilen der Unterhaltungsmusik - Jazz, Blues, Rock und Pop sowie Reggae. "Floor33", "Marina" und "Imps" aus "Microjazz" sind rhythmisch orientierte Kompositionen, die den besonderen Charakter des Soloinstruments berücksichtigen. Von den Interpreten wird eine präzise Ausführung der Dynamik und Artikulation sowie äußerste rhythmische Genauigkeit gefordert.

Matilde Capuis wurde am 1. Januar 1913 in Neapel geboren. Bereits als kleines Mädchen machte sie mit ihren ersten Kompositionsversuchen auf ihre musikalische Begabung aufmerksam. Ab 1928 studierte sie Geige, Orgel und Klavier an den Universitäten Florenz und Venedig. In den Jahren 1941 bis 1946 erweiterte sie ihre Studien durch Kompositionskurse an der Musikakademie in Siena. Ihr umfangreiches Schaffen umfasst Werke für Orchester und Chor, darunter ein Oratorium. 1969 erhielt Matilde Capuis einen Ruf als Professorin für Tonsatz und Musiktheorie an das Konservatorium in Turin, wo sie bis zu ihrer Emeritierung im Jahre 1983 lehrte. Sie lebt heute sehr zurückgezogen in dieser Stadt. 1994 übergab die Komponistin ihr Gesamtschaffen dem Archiv "Frau und Musik", das sich seit dem Jahr 2000 in Frankfurt befindet. Matilde Capuis' "Due Movimenti per oboe e piano" entstanden im Jahre 1997. Capuis selbst hat sich nie über ihre eigene Tonsprache geäußert. In den "Due Movimenti" sind sowohl der Oboen- als auch der Klavierpart von gleichen, melodisch-thematischen Strukturen in der für die Komponistin charakteristischen kraftvollen, emotionalen Klangsprache durchdrungen.

César Franck, geboren am 10. Dezember 1822 in Lüttich, begann 1835 seine Studien in Paris bei Antonín Reicha, François Benoist (Orgel) und A. Le Borne (Kontrapunkt). Nachdem er sich zunächst einen Namen als Pianist gemacht hatte, wandte er sich bald schon der Orgel zu. Nach mehreren Stellen nahm er 1859 die Position des Organiste titulaire an der Kirche Sainte Clotilde ein, die gerade eine neue Cavaillé-Coll-Orgel erhalten hatte. 1872 wurde Franck Nachfolger seines Lehrers Benoist am Pariser Conservatoire, wo Debussy, Chausson, Duparc, Tournemire und Vierne seine später berühmtesten Schüler wurden. In César Franck verkörpert sich die bewusste Hinwendung der französischen Musik zur reinen Instrumentalmusik. Seine Harmonik schafft mit kühner Chromatik und häufigem Modulieren eine musikalische Sprache, die sich an den Orgelstil des auch als Improvisator berühmten Komponisten anlehnt. Das hier eingespielte "Pièce V" ist ein Arrangement für Oboe und Klavier und entstammt einer Sammlung von "Cinq Pièces pour Harmonium", die Franck 1858 für einen Schüler komponierte.

Robert Schumanns "Drei Romanzen" op. 94 entstanden als letztes Werk des Jahres 1849, dem für den Komponisten vor allem im kammermusikalischen Genre produktivsten Schaffensabschnitt seines Lebens. Schumann ging es in dieser Zeit in seinen Werken hauptsächlich um die Erprobung verschiedener solistischer Besetzungen. Dies zeigt sich bei den "Drei Romanzen", die eigentlich für Oboe und Klavier komponiert sind, jedoch wahlweise auch mit Violine oder Klarinette gespielt werden können, was von Schumann selbst den Ausführenden freigestellt wurde. Die "Drei Romanzen" sind als Originalkompositionen für Oboe der einzige solistische Beitrag eines bedeutenden Romantikers zur gesamten Oboenliteratur des 19. Jahrhunderts. Nicht zuletzt deshalb gehören sie zu den wenigen kammermusikalischen Werken Schumanns, die sich bis heute im Konzertsaal behaupten.

Wie häufig in Schumanns Œuvre bilden die "Drei Romanzen" eine zyklische Einheit. Deutlich wird dies rein äußerlich in der Wahl der Tonarten (a-Moll/A-Dur/a-Moll) sowie im musikalischen Aufbau: Allen drei Stücken liegt eine dreiteilige Form zugrunde. Die erste Romanze entfaltet in ihren ersten beiden Teilen zwei kontrastierende Themen, die im nachfolgenden Teil in Beziehung zueinander gesetzt werden. Diese Romanze führt hin zu den beiden folgenden, die jeweils in der charakteristischen dreiteiligen ABA-Liedform gehalten sind. In den ersten Abschnitten entwickelt sich meist aus dem Material der beiden Anfangstakte ein Themengedanke, dessen Motive in immer neuen Spielarten miteinander verwoben werden. Die Mittelteile sind von Schumann bewusst kontrastierend zu den ersten angelegt: das Tongeschlecht wechselt und das Tempo ändert sich, obwohl mit motivischem Material der A-Teile gearbeitet wird. Die nun wiederkehrenden A-Teile nehmen die Themen bzw. große Teile der ersten Abschnitte wieder auf. Gemeinsam ist den Romanzen Nr. 2 und 3 nicht allein die Form, sondern auch jeweils eine Coda, in der noch einmal das thematische Material beider Abschnitte aufgegriffen, jedoch zu unterschiedlichen Abschlüssen geführt wird. In der zweiten Romanze betont Schumann die Eigentümlichkeit des Satzes, das Suchen und Schweifen um die Tonika der Grundtonart. In der dritten Romanze hingegen wird die Bestätigung der Grundtonart auffallend hervorgehoben, wodurch sie Finalcharakter bekommt, allerdings in einer für die lyrisch-romantische Musik Schumanns bezeichnenden Weise des leisen Abschiednehmens. Dadurch werden die "Drei Romanzen", die durch ihre innere Kohärenz eigenständige Charakterstücke sind, von Schumann zu einem lyrisch-epischen Ganzen zusammengeschlossen.

Der tschechische Komponist Petr Eben wurde am 22. Januar 1929 in Zamberk (ehem. Tschechoslowakei), geboren. Er studierte an der Prager Musikakademie Klavier und Komposition und war in den Jahren 1955 bis 1990 sowohl am Royal Northern College of Music in Manchester, England, als auch an der Prager Musikakademie als Professor für Komposition und Musikwissenschaft tätig. Seit 1990 tritt er immer wieder als Konzertpianist sowie als Klavier- und Orgelimprovisator in Erscheinung. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt jedoch im kompositorischen Schaffen, welches nahezu alle Genres umfasst. Ebens "Amoroso" für Oboe und Klavier stammt aus dem Jahre 1975 und ist die kammermusikalische Fassung des zweiten Satzes der konzertanten Symphonie "Nachtstunden" aus demselben Jahr. In beiden Fassungen geht es Eben darum, seine Vorstellung von "Liebe" musikalisch auszudrücken: "Liebe bedeutet, aus dem magischen Kreis der Einsamkeit herauszutreten, ein zweites Wesen zu entdecken und sich ihm zu übereignen." Diese sehnsuchtsvolle Einsamkeit und die Entwicklung hin zu der erlösenden Zweisamkeit werden in der Musik durch einen sich ständig wiederholenden Ton der Oboe symbolisiert, der vierteltonweise diese Enge durchbricht, hin zu einem zweiten Ton, der "erlösenden" Terz. Beide Töne begründen dann eine gemeinsame Melodie, die allmählich in ein chromatisch verfremdetes Zitat des tschechischen Volksliedes "Lásko, bóce, lásko" übergeht. Die Intensität dieses "Sich-Findens" wird besonders betont und vertieft durch das von Eben gezielt eingesetzte Kompositionsprinzip der Aleatorik, einer in der experimentellen Musik etablierten Technik, die den Interpreten auf verschiedenen Ebenen und in gewissen Grenzen Freiheiten lässt, selbst zu entscheiden, wie bzw. wann musikalische Ereignisse ausgeführt werden. So gibt Eben den Spielern die Anweisung: "Das Klavier beginnt, die Oboe tritt nach eigenem Gefühl und ohne rhythmischen Zusammenhang hinzu. Der Klavierspieler entscheidet auch, wie oft die einzelnen Abschnitte wiederholt werden ..."

Giovanni Daelli arbeitete, wie viele Oboenvirtuosen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, lange Jahre als Oboist im Opernorchester - in der Mailänder Scala. Da die solistische Bläserliteratur im 19. Jahrhundert von der Klarinette, der Flöte sowie dem Horn beherrscht wurde und die Oboe stark im Hintergrund stand, sind es diese Musiker, die den größten Teil der Oboenliteratur der Zeit erstellten. Damit erklärt sich auch die in dieser Zeit häufig anzutreffende, sehr populäre Form der Opernparaphrase. Daelli war ein großer Verehrer der Opern seines Zeitgenossen Giuseppe Verdi (1813-1901), was sich darin zeigt, dass er neben der Fantasie über Themen aus Rigoletto - entstanden im Jahre 1855, vier Jahre nach der Uraufführung der Oper - außerdem Fantasien über Motive aus Verdis Opern Luisa Miller und dem Troubadour veröffentlichte. Diese im Oboenpart sehr virtuosen Stücke lassen immer wieder den Einfluss des italienischen Belcanto erkennen. Die Rigoletto-Fantasie erklingt auf dieser CD im Gedenken an die 100. Wiederkehr des Todestages Verdis.

© by Sabine Weckerle /Verlag Dohr Köln 2001

aktualisiert Donnerstag, 14. Dezember 2006 updated
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